LIGAstheniker - FC Bayern auch beim HSV und Trainer Polzin ohne Sieg: Küsst Meister Merlin jetzt die Liga wach?

Der Hamburger SV überraschte den großen FC Bayern und sorgte durch das 2:2 für das zweite Spiel in Folge ohne Münchner Sieg. Der starke HSV war dabei auf alle Kniffe des Rekordmeisters bestens vorbereitet. Das war vor allem Trainer Merlin Polzin zu verdanken. Der LIGAstheniker fragt sich in seiner Glosse, ob Meister Merlin nun die Liga endgültig wach geküsst hat und die Bayern weiter straucheln.

Merlin Polzin und der HSV luchsten den Bayern einen Punkt ab

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Liebe Fußballfreundinnen und Freunde,
ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich hab auf einmal so richtig Bock auf diese Liga. Letzte Woche gings los mit der Augsburg-Sensation in München und jetzt dieser Schnuckel-HSV, der die Bayern ein weiteres Mal, sagen wir nicht blamiert, aber doch in der Zehnerpotenz überrascht hat.
Mich treibt kein Bayern-Hass, wie manch einer unterstellen wird, sondern die Lust auf eine Ligaspannung, die bis zum Saisonsende hält.
Irgendwas ist passiert, an diesen Spieltagen 19 und 20, das können wir alle spüren, auch wenn wir noch nicht genau wissen, was es ist. Aus den besten Bayern aller Zeiten, die an der Spitze einsam ihre Kreise ziehen; aus einer wie gelähmt wirkenden Verfolgerschaft der anderen Topklubs; aus einer wie eingefrorenen Tabellensituation brechen ausgerechnet die Underdogs und Untenklubs Augsburg und Hamburg das Eis und geben einen Vorgeschmack auf das, was uns noch erwarten könnte.
Und mitten drin Meister Merlin, der uns daran erinnert, was der Fußball eben auch immer noch sein kann: ein beinahe kindisches Vergnügen. 
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Der HSV bejubelt den Punkt im Volksparkstadion

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Polzin: Der "kleine Junge" kann sein Glück nicht fassen

Mein Vorschlag: Gucken Sie nochmal die Zusammenfassung von Hamburg gegen Bayern. Und ganz besonders die Szene nach dem 2:2-Ausgleich durch den HSV und wie Merlin Polzin sich darüber freuen kann.
Wie er beide Arme nach oben reißt und das Hüpfen beginnt, mit seinen roten Bäckchen und den etwas zu dominanten Hasenzähnen, und sein Blick ist kein cooler Trainer-ich-habe-alles-schon-erlebt-Blick, sondern die unschuldige, ehrliche Freude eines immer noch jungen Kerls über ein wichtiges Tor, so muss Merlin Polzin schon als HSV-Fan in der Nordkurve des Volksparkstadions gejubelt haben.
Gleichzeitig steht auf der anderen Seite mit Vincent Kompany einer der sympathischsten Profitrainer der Liga, aber Merlin verströmt eben noch den naiven Charakter eines Spiels, das seit jeher sein Leben bestimmt hat. Hier jubelt kein Trainer, sondern der kleine Junge, der sein Glück kaum fassen kann. Wen das nicht berührt, unabhängig von jeglicher Klub-Anhängerschaft, der hat kein Herz.

Polzin gewinnt Trainerduell gegen Kompany

Nach dem Augsburg-Spiel dachte ich, okay, Ausrutscher, das passiert den Bayern kein zweites Mal. Genau das ist der Unterschied zum HSV-Spiel. Es passierte den Bayern ein zweites Mal und das heißt, es kann ihnen auch ein drittes Mal passieren.
Nicht durch unglückliche Umstände, eine ungewöhnliche Sternenkonstellation, sondern weil sich Polzin und sein Trainerteam dabei was gedacht haben. Man könnte auch sagen: der kleine Merlin hat das Trainerduell gegen den großen Kompany gewonnen.
Das laufschwächste Team der Liga lief plötzlich kumuliert sensationelle 124 Kilometer – so viel wie noch nie in dieser Saison; das offensiv zweischwächste Team der Liga, das zuletzt über 200 Minuten torlos blieb, hätte aufgrund ihrer Chancen noch mehr als diese zwei Treffer erzielen können; das Team, das zuvor fünfmal nicht gewann, hätte einen Sieg gegen die Bayern durchaus auch verdient gehabt.
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Vincent Kompany und der FC Bayern nahmen nur einen Punkt aus Hamburg mit

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HSV hat die Bayern taktisch durchschaut

Großer Mut bei eigenem Ballbesitz und permanente Positionswechsel, das hatte sich Polzin zusammen mit seinen Co-Trainern und Analysten Loic Favé, Richard Krohn und Max Bergmann vorgenommen und genau das hatte den Bayern, die traditionell stark auf Manndeckung fokussiert sind, nicht geschmeckt.
Wir haben die Bayern "auf eine Art Reise" mitgenommen, erzählte Polzin hinterher in der Pressekonferenz. Das wirkte fast ein bisschen kess und vorwitzig, aber er meinte das ganz ernst. Will sagen: die Bayern sind dem HSV im Spiel gegen den Ball viel zu oft selbst hinterhergelaufen.
Das hat ihnen nicht geschmeckt und das konnte man sehen. Der 35-jährige Fan-Trainer Polzin, der auf flache Hierarchien steht und den Matchplan zusammen mit seinem Team erarbeitet hat, hat die Bayern genauer analysiert als alle hochgerüsteten und Champions League-erfahrenen Trainerstäbe in Dortmund, Leverkusen oder Leipzig zuvor. 
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Der FC Bayern München fuhr gegen den Hamburger SV nur einen Punkt ein

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Droht den Bayern der dritte Punkteverlust in Folge?

Aber was heißt das nun für die Liga und den weiteren Saisonverlauf? Am nächsten Wochenende kommt mit der TSG Hoffenheim die Mannschaft der Stunde (Fünf Siege in Folge) zu den Bayern.
Deren Trainer Christian Ilzer ist ein echter Profi, ein Ehrgeizling mit ausgereiften Motivationstechniken (Dildo und so, wir haben darüber berichtet). Aber sollte Hoffenheim tatsächlich in München punkten, dann vor allem auch deshalb, weil Meister Merlin die Liga wachgeküsst hat.

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ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog all das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.

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