Nach Bengalos und Pyro im Rheinderby zwischen Köln und Leverkusen fordert der LIGAstheniker Nacktkontrollen für alle!

Sportlich ließ Bayer Leverkusen im Derby gegen den 1. FC Köln wenig Fragezeichen offen. Die Schlagzeilen bestimmten anschließend ohnehin die Fans. Wegen verschärfter Sicherheitsmaßnahmen - gar von Nacktkontrollen ist die Rede - boykottierten die Kölner Ultras die Partie gleich gänzlich. Der LIGAstheniker blickt in seiner Glosse mit etwas Ironie zurück und fordert: Nacktkontrollen für alle!

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Quelle: SNTV

Liebe Fußballfreundinnen und -freunde,
Seit dem Wochenende hat jetzt auch die Bundesliga ihren "Nacktskandal".
Kein Flitzer, der nackig über das Spielfeld rannte, um von einer Horde bulliger Sicherheitstypen in einem rituellen Reihertanz eingefangen zu werden; auch kein Busenblitzer einer Spielerfrau oder einer Fußball-Moderatorin, der nachhaltig verstört hätte; Der "SPIEGEL" schreibt von "Nacktkontrollen", die beim Einlass des Rheinderbys zwischen Leverkusen und Köln stattgefunden haben sollen.
Was klingt wie der heiß ersehnte Aufnahmeritus in den Big Brother Container, sahen die Kölner Fans anders und traten unverzüglich die Heimreise an, ohne sich das Spiel anzuschauen. Soviel Wehleidigkeit bei Ultras, das kann überraschen, muss aber nicht, wie die jüngsten Proteste gegen die aktuell diskutierten neuen Sicherheitsvorkehrungen in den Stadien gezeigt haben.
Alles soll bleiben wie es ist, alles andere mache den Fußball kaputt, so die Ultras. Aber stimmt das überhaupt?
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Beim Derby zwischen Leverkusen und Köln reisten einige FC-Fans noch vor Anpfiff ab

Fotocredit: Getty Images

Leverkusen: Wie kommen die Bengalos ins Stadion?

Ich gucke also Samstagabend das Topspiel im "ZDF" und während der Kommentator von den fehlenden 500 bis 600 Ultras berichtet, fängt die Kamera die Fankurve der Leverkusener ein, die man daran erkennen kann, dass im Rauch und Feuer von sicherlich ein Dutzend Bengalos kaum was zu erkennen ist.
Das sind genau die Widersprüche, die ich total lustig finde, die englische Komikertruppe Monty Python hat darauf ihren ganzen Humor entzündelt.
Falls mir bis hierher nicht alle folgen können, also nochmal der Reihe nach: Die Fans wollen keine zu intensiven Sicherheitskontrollen und im Stadion wird Dutzendfach Ware präsentiert, die in den Stadien schon heute und schon sehr lange verboten ist - Böller, Bengalos, Pyro. Und trotz der vermeintlich schärferen Sicherheitskontrollen gab es das alles am Samstagabend in Leverkusen und gibt es das alles seit Jahren in deutschen Fußballstadien.
Abgebrochen werden solche Spiele nie, die Kommentatoren erwähnen gar nicht mehr, dass offene Feuer in den Stadien illegal sind. Also: Finde den Fehler?
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Bayer Leverkusen - 1. FC Köln

Fotocredit: Getty Images

Das machtvolle Schweigen der Ultras

Es gibt keinen anderen gesellschaftlichen Raum, der von den Behörden so lax kontrolliert wird wie das bundesdeutsche Fußballstadion. Das hat natürlich Gründe. Politiker legen sich ungern mit dem Fußball an, Millionen Fußballfans sind eben auch Millionen Wählerinnen und Wähler.
Die letzten Wochen hat das eindrücklich gezeigt: Es reichte aus, dass die Fans die ersten 12 Minuten in den Stadien einfach schwiegen und schon wollte die Innenministerkonferenz (IMK) von schärferen Sicherheitsbestimmungen nichts mehr wissen. Personalisierte Tickets? Gesichtserkennung am Stadion? Schnellere Stadionverbote?
All das, so ist zu lesen, soll es - schwuppdiwupp - plötzlich nicht mehr geben. So machtvoll kann friedlicher Protest und Schweigen sein, der deutsche Fußball-Ultra in einer Reihe mit Gandhi, Martin Luther King und Greta Thunberg. Wer hätte es gedacht?

Pyrotechnik ist keine Fußballkultur!

Vor dem Hintergrund bin ich natürlich gespannt, wie die Innenminister auf den "Nacktskandal von Leverkusen" reagieren werden, wie er in die Annalen der Bundesliga eingehen wird.
Fans, die trotz bezahlter Karte, nicht an einem Fußballspiel teilnehmen, kann sich ein Innenminister eigentlich gar nicht leisten. Die intensive Sicherheitsbetreuung an jedem einzelnen Spieltag auf Steuerzahlerkosten aber ja auch nicht.
Ein Vorschlag zur Güte: Es wäre ja schon viel geholfen, wenn man die Regeln und Sicherheitsbestimmungen, die man schon hat, einfach mal auf beiden Seiten ernst nimmt. Solange Ultras glauben, dass Pyrotechnik zur "Fußballkultur" gehört (es gibt keine andere Sportart, die so einen Quatsch glaubt), muss man ihnen wohl mit Leibesvisitationen kommen.
Wobei die Frage gestattet sein muss, warum die Kölner Fans "nacktkontrolliert" worden sein sollen, aber die Leverkusener Ultras (gibt’s die eigentlich?) seelenruhig ihre Bengalos im Stadion abfeuern konnten? Das verstößt wiederum offensichtlich gegen das Gleichbehandlungsgesetz.
Meine Forderung: Nacktkontrollen für alle!

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ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.

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