Nick Woltemade: Der FC Bayern bekommt die neue Realität gnadenlos aufgezeigt - Zeitenwende auf dem Transfermarkt

Wochenlang hat sich der FC Bayern um Nick Woltemade bemüht, ließ sich sogar auf ein öffentliches Wortgefecht mit dem VfB Stuttgart ein. Nachdem der Transfer vermeintlich um ein Jahr aufgeschoben wurde, folgte am Donnerstag der Schock: Newcastle United steht vor einer Einigung und lässt die Münchner Staub schlucken. Es ist nichts weniger als eine Zeitenwende - und Bayern muss seinen Weg finden.

Freund: "Premier League hat brutale Möglichkeiten"

Quelle: Perform

"Money."
Ein einziges Wort von Vincent Kompany hat gereicht, um auf der Pressekonferenz des FC Bayern im Vorfeld des Bundesliga-Auswärtsspiels beim FC Augsburg (Samstag, ab 18:30 Uhr im Liveticker) für schallendes Gelächter zu sorgen.
Geld sei schlichtweg der größte Anreiz für einen Spieler, den Sprung in die Premier League zu wagen. Manchmal kann die Wahrheit so simpel sein - und gleichsam so schmerzvoll.
Denn dem deutschen Rekordmeister ist nach der Watschn im Transfertheater rund um den deutschen Nationalspieler Nick Woltemade alles andere als zum Lachen zumute. Vielmehr bekamen die Bayern die Realität gnadenlos aufgezeigt.

FC Bayern plötzlich außen vor

Die Nachricht kam aus dem Nichts. Am Donnerstag wurde vermeldet, dass Woltemade unmittelbar vor einem Wechsel zu Newcastle United steht. Laut "Sky" steht eine Ablösesumme von 85 Millionen Euro plus fünf Millionen an Bonuszahlungen im Raum. Der VfB Stuttgart bestätigte das eingegangene Angebot und stellte seinen Spieler für Gespräche frei. Noch am Freitag soll Woltemade den obligatorischen Medizincheck absolvieren.
Mit einem Schlag war der FC Bayern, dessen letztes Angebot mit 60 Millionen Euro plus Boni und Weiterverkaufsbeteiligung deutlich darunter lag, außen vor.
Wochenlang baggerten die Münchner öffentlich an Woltemade, der Poker uferte zwischenzeitlich zur Schlammschlacht aus. Nachdem ein Wechsel in diesem Sommer ad acta gelegt wurde, wähnte man den 23-jährigen Norddeutschen in einem Jahr im Bayern-Trikot. Zumindest war dies das gängige Narrativ, jahrelang spielte die Zeit bei bundesligainternen Wechseln für die Bayern. Doch nichts da!
picture

Nick Woltemade wird den VfB Stuttgart wohl verlassen

Fotocredit: Getty Images

Newcastle United ließ den großen FC Bayern, der mittlerweile zum Sparen verdammt ist, mit einem Fingerschnippen Staub schlucken. Ohne mit der Wimper zu zucken lagen über 85 Millionen Euro auf dem Tisch. Eine verkehrte Welt.
"Wenn man sieht, wie viele Top-Spieler aus der deutschen Bundesliga in die Premier League gewechselt sind in den letzten zwölf Monaten, auch in dieser Transferzeit", meinte Sportdirektor Christoph Freund: "Welche Summen da fließen; wie viel Geld im Spiel ist; dass die brutale Möglichkeiten haben in der Premier League. Nicht nur zwei oder drei Vereine, viele Vereine. Newcastle ist ein guter Verein, aber nicht die oberste Kategorie. Das ist schon extrem."

Kompany: "Eine Debatte für die Bundesliga"

Neben Freund saß ein Mann, der den englischen Geldwahnsinn sowohl als Spieler bei Manchester City als auch Trainer beim FC Burnley hautnah miterlebt hat.
In der Saison 2022/23 coachte Kompany die Clarets in der zweitklassigen Championship zur Meisterschaft und stieg in die Premier League auf. "Und dann kommt plötzlich TV-Geld rein und das sind 100 Millionen Euro. Für Aufsteiger", hob er den gewaltigen Unterschied zur Bundesliga hervor. "Von einem Budget von 25, 30 Millionen Euro, kommt man plötzlich zu 125, 130 Millionen Euro."
Zum Vergleich: In der Saison 2024/25 kassierten die drei Aufsteiger in der Premier League jeweils knapp 120 Millionen Euro an TV-Geldern. Das sind etwa 30 Millionen mehr als der FC Bayern. Trotz dieser unglaublichen Summen musste das Trio zum Saisonende weit abgeschlagen den Gang in Liga zwei antreten.
Die finanziellen Machtverhältnisse verrücken in Sphären, die man sonst eher in irgendwelchen Fußball-Simulationen vermuten würde. So verhandelt der AFC Sunderland plötzlich mit Bayer Leverkusen und der AC Milan über Leistungsträger und Newcastle - zusätzlich gepolstert mit Investitionen aus Saudi-Arabien - sticht eben mir nichts, dir nichts den FC Bayern aus.
Der Woltemade-Schock sollte aber nicht nur den Bossen an der Säbener Straße zu denken geben. "Es ist nicht nur eine Debatte für den FC Bayern, sondern für die gesamte Bundesliga, wie man wettbewerbsfähig bleibt", so Kompany.

FC Bayern muss seinen Weg gehen

Vor allem mit Blick auf die Entwicklung junger Spieler bahnt sich ein gefährlicher Trend an. So sehen Talente wie Florian Wirtz oder Woltemade ihren nächsten Schritt mittlerweile direkt im Ausland. "Die Spieler, die in die Premier League gehen, hatten nicht fünf oder sechs gute Jahre, sondern ein oder zwei", erläuterte Kompany.
Bei seinen großen Transferzielen schauten die Bayern in diesem Sommer in die Röhre. Allmählich muss sich der FC Bayern mit den neuen Gegebenheiten auf dem Markt zurechtfinden.
"Bayern München ist Bayern München. Ein attraktiver Verein, die Spieler fühlen sich hier sehr, sehr wohl", hielt Freund noch dagegen, sah jedoch ein: "Wir müssen unseren Weg gehen auf unserem Markt."
Wie sieht dieser aus? Das bayerische Scouting muss tiefer, mehr ins Detail gehen - und die Ansätze sind schon da. Berichten zufolge stand Shootingstar Désiré Doué bei Sportvorstand Max Eberl ganz oben auf der Liste, bevor der 20-Jährige Fußball-Frankreich verzauberte. Einzig das Okay vom Vorstand hatte gefehlt. Auch ein Michael Olise war vor dem Bayern-Interesse kaum jemandem ein Begriff.
Die Transfers von Harry Kane (95 Mio.) und Luis Díaz (70 Mio.) haben gezeigt, dass der FCB durchaus solche Summen stemmen kann. Wenn es aber hart auf hart kommt und einzig allein der schnöde Mammon entscheidet - dann spürt selbst ein FC Bayern die Zeitenwende.
picture

Eintracht-Wiedersehen mit Ekitiké: "Freuen uns auf Liverpool und Hugo"

Quelle: Perform


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung