Niko Kovac makes BVB great again: Bundesliga-Kolumne zur Auferstehung von Borussia Dortmund - Der LIGAstheniker

Borussia Dortmund schwingt sich heimlich, still und leise zum Bayern-Jäger Nummer eins auf. Trainer Niko Kovac gelingt es allen Widerständen und Unkenrufen zum Trotz, das Chaos rund um den BVB zu reduzieren. Er hat sogar dafür gesorgt, dass Sorgenkind Julian Brandt wieder performt. Das überzeugt sogar den LIGAstheniker, einen der größten BVB-Allergiker. Eine Glosse von Thilo Komma-Pöllath.

BVB erster Bayern-Verfolger: Kovac tritt auf Euphoriebremse

Quelle: Perform

Liebe Fußballfreundinnen und -freunde,
das Allergeilste an diesem Job als bezahlter Besserwisser ist, dass man heute irgendwas behaupten kann, morgen was ganz anderes und übermorgen das glatte Gegenteil - und zur Not kann ich das immer noch mit der sportlichen Aktualität begründen, die bekanntlich Woche für Woche eine andere ist.
Will sagen: Mein Chef kann mir gar nix! Womit wir bei BVB-Trainer Niko Kovac wären. Anfang Februar dieses Jahres, als Kovac in Dortmund anheuerte, war ich nicht nur skeptisch, viel mehr als das, gerade selbstberauscht von meiner tiefsten Überzeugung, dass das überhaupt nix werden könne. Kovac und der BVB - ein No-Go!
Gut, mögen die Besserbesserwisser unter den Lesenden dieser Kolumne sagen, die sportliche Aktualität Ende September 2025 sagt was ganz anderes: So stabil hat man Dortmund schon lange nicht mehr gesehen!
Mmmmh, räusper räusper: Stimmt!

Von Lothar bis BILD: Alle lieben den neuen BVB!

Vielleicht liegt es daran, dass ich in Mathematik eine glatte Null bin und den Kovac deshalb nicht als Genie erkannt habe. Die Zahlen lügen nicht: Kovac übernahm Dortmund auf Rang zehn, heute sind sie Zweiter, knapp hinter den Super-Kane-Bayern.
Kovac‘ Punkteschnitt liegt bei 2,06 in 32 Spielen, die letzte Niederlage in der Liga datiert auf Mitte März. Der Auswärtserfolg in Mainz vom Wochenende ungefährdet, ebenso die anderen 25/26er-Auftritte gegen Wolfsburg, Union oder Heidenheim.
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Die Dortmunder Spieler feiern den Auswärtserfolg

Fotocredit: SID

Lothar Matthäus schwärmt von Kovac als Bessermacher, also von einem, der Spieler wie Karim Adeyemi oder Felix Nmecha besser gemacht habe, "Bild" von der neuen "BVB-DNA" und adelt die Schwarz-Gelben als "Bayern-Jäger Nummer 1".
Und Didi Hamann, ein BVB-Allergiker wie ich selbst, das gab mir am meisten zu denken, spricht vom "Stil einer Klassemannschaft" und meint - im Ernst - Borussia Dortmund. Spätestens da dachte ich, jetzt ist er betrunken, der gute Didi. Aber vielleicht ist ja was dran an der ganzen BVB-Tümelei? Können sich ja nicht alle gleichzeitig irren und nur ich, der nun wirklich beste aller Besserwisser hat's nicht kapiert?

Das größte Kovac-Wunder: Julian Brandt performt!

Spätestens zur Halbzeit, als die Dortmunder das Spiel in Mainz schon für sich entschieden hatten, dämmerte es auch mir: Früher hätten sie sich einfach ins Hemd gemacht, wenn mit Serhou Guirassy ihr wichtigstes Pferd im Stall kurzfristig das Hinkebein macht und gar nicht erst mit aufläuft.
Nichts dergleichen! Guirassy-Ersatz Julian Brandt legt beide Tore auf und man fragt sich, ob man dem zärtlichen Schöngeist mit Haarband nicht immer erst mit Anpfiff sagen sollte, dass er auch von Anfang an spielt? Vielleicht hat er Prüfungsangst? Soll es ja alles geben!
Und das muss ich zugeben: Wenn Kovac es schafft, dass sogar Julchen Brandt Woche für Woche so performt wie in Mainz, dann glaube auch ich, dass es der Kroate als Trainer aber so was von draufhat. 
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Julian Brandt überzeugte beim Auswärtsspiel in Mainz

Fotocredit: Getty Images

Ist Kovac gar der Trainer der Stunde?

Gerade in diesen Zeiten, wo alles und jeder kriegstüchtig gemacht werden muss, wie man liest, ist Niko Kovac womöglich der Trainer der Stunde. Kroaten, so lese ich immer, sehen im Sport, ähnlich wie die Serben, eine Art Kriegsersatz.
Diese doch eher rüde Interpretation des Spiels hat für Kovac bei seinen eher feingeistigen Trainerstationen in München oder Monaco nicht so gut geklappt. Aber vielleicht fällt sie gerade bei den Mentalmemmen vom Borsigplatz auf fruchtbaren Boden? Das zugegeben, hätte was!
Es scheint, als hätte Kovac dem BVB seine ins Trikot eingeschweißte Weinerlichkeit herausgewaschen. Für eine abschließende Würdigung ist es allerdings noch zu früh. Was soll man nach Spieltag fünf schon sagen, was auch nach Spieltag zehn noch gilt?
Sie wissen schon: sportliche Aktualität und so. Aber der Reiz einer Liga, die nicht von den Bayern in Grund und Boden dominiert wird, weil Dortmund dauerhaft dagegen halten kann, ausgerechnet dank des Mannes, der von den Bayern 2019 noch unehrenhaft vom Säbener Hof gejagt wurde, das hätte doch was? Oder nicht?

Kann der Kovac-BVB auch Bayern?

Doch bevor ich in den Chor der Kovac-Claqueure einsteige, noch ein letzter Fingerzeig der Bedenkenträgerei: Ja, ich mag das, wie ruhig und aufgeräumt und lässig der gute Niko den BVB und seine Mannen gerade nach vorne moderiert, wie er sich nach dem Wohlbefinden der hochschwangeren Pressesprecherin des Klubs erkundigt, das hat ganz viel Stil und entlarvt das Kriegsertüchtigungsgeraune des Besserwissers als genau das - Geraune.
Aber: Vielleicht warten wir Spieltag sieben doch noch ganz kurz ab, und damit den Auftritt der Kovac-Dortmunder bei den Kompany-Bayern (Samstag, 18.10.2025 um 18:30 Uhr im Liveticker), bevor wir uns endgültig festlegen.
Und wenn wir danach immer noch über Guirassy und Brandt und nicht über Kane und Olise reden, dann bin ich der Erste, der sich vor dem Dortmundknacker demütig auf den Rasen wirft und ruft: Niko for Meisterschaft!

Kommentare bei Eurosport.de geben stets ausschließlich die Meinung des/der jeweiligen Autors/Autorin wieder, nicht die der gesamten Redaktion.

ZUR PERSON: THILO KOMMA-PÖLLATH
Der Sportjournalist und Buchautor ("Die Akte Hoeneß") beleuchtet in seinem wöchentlichen Blog als das Geschehen in der Fußball-Bundesliga für Eurosport.de. Oft skeptisch, ironisch, kritisch - aber einer muss schließlich den Ball flach halten.
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Quelle: Perform


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