Michaela Specht von Real Sociedad im Interview vor Rückspiel beim FC Bayern: "Spanische Fans sind verrückt"

Michaela Specht trifft mit Real Sociedad im Rückspiel der Champions-League-Qualifikation auf den FC Bayern. Nach sieben Jahren in Hoffenheim wechselte die Innenverteidigerin im Sommer zu den Baskinnen. Im exklusiven Interview mit Eurosport.de spricht die 25-Jährige über das "besondere" Hinspiel in San Sebastián, die Unterschiede zwischen Deutschland und Spanien und einen Schiedsrichterstreik.

Michaela Specht spielt am Donnerstag das Rückspiel in der Champions-League-Qualifikation bei Real Sociedad San Sebastian | Quelle: Real Sociedad

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Nach sieben Jahren bei der TSG Hoffenheim wechselte Michaela Specht im Sommer 2022 nach Spanien zu Real Sociedad. Mit den Baskinnen spielt die Oberpfälzerin nun in der Champions-League-Qualifikation gegen den FC Bayern, für den sie vor ihrer Zeit im Kraichgau zwischen 2013 und 2015 selbst auflief.
Das Hinspiel vor 11.500 Zuschauern in San Sebastián verloren die Spanierinnen um Specht 0:1 (0:1). Für das Rückspiel am Donnerstag in München stehen demnach "noch alle Türen offen", meint die 25-Jährige exklusiv bei Eurosport.de.
Im Interview spricht die Innenverteidigerin über das Rückspiel am Campus, den Schiedsrichterstreik am ersten Ligaspieltag sowie die Unterschiede zwischen dem Fußball in Deutschland und Spanien und verrät: "Spanische Fans sind wirklich verrückt."
Das Interview führte Pascal Steinmann.
Frau Specht, im Hinspiel der Champions-League-Qualifikation haben Sie mit Real Sociedad 0:1 gegen den FC Bayern München verloren. Wie blicken Sie zurück auf das Duell in San Sebastian?
Michaela Specht: Wir haben ein bisschen Zeit benötigt, um uns an das internationale Tempo und die Härte zu gewöhnen. Wenn man die Chancen betrachtet, ist unsere Niederlage verdient gewesen. In der zweiten Halbzeit standen die Bayern tiefer, wodurch wir unseren spanischen Ballbesitzfußball besser ausspielen konnten. Da hätten wir durchaus auch ein Tor erzielen können. Aber unter dem Strich können wir zufrieden und stolz auf die Leistung sein.
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Innenverteidigerin Michaela Specht wechselte im zurückliegenden Sommer nach Spanien

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Wie ordnen Sie dieses Resultat ein?
Specht: Es ist ein Ergebnis, mit dem uns - mit dem nötigen Glück und der nötigen Effizienz - für das Rückspiel in München noch alle Türen offen stehen. Dafür, dass es unser erster internationaler Auftritt war, haben wir uns teuer verkauft und den Zuschauern ein schönes Fußballspiel geboten.
11.500 Fans haben die Begegnung in der Reale Arena verfolgt, ein neuer Rekord in der Champions-League-Qualifikation. Wie haben Sie diese Atmosphäre in San Sebastián erlebt?
Specht: Die Stimmung war der Wahnsinn. Spanische Fans sind wirklich verrückt. (lacht) Es war zweifelsohne ein besonderes Spiel. In den letzten 15 Minuten war es unheimlich laut - sogar so laut, dass ich meine Mitspielerinnen neben mir nicht mehr verstanden habe. Ich denke, auch dem FC Bayern hat der Auftritt vor der Kulisse Spaß gemacht.
Sie sprechen die besondere Fankultur in Spanien an: Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung in der Bevölkerung?
Specht: Da ist man hier einen Schritt weiter. Aber auch in Deutschland tut sich aus der Ferne betrachtet seit der Europameisterschaft eine Menge, in Frankfurt wurde zuletzt ein neuer Bundesliga-Zuschauerrekord aufgestellt. Sicherlich muss man die Spiele gezielt auswählen, aber wenn man Highlight-Spiele setzt, ist schon eine gewisse Resonanz bemerkbar. Wie sich das auf die gesamte Liga auswirkt und wie sehr gerade die kleineren Vereine davon profitieren, wird sich zeigen müssen. Es geht aber auch um die Strukturen.
Wie meinen Sie das?
Specht: Die Diskussion, wann ein Verein wie der SV Werder Bremen nicht mehr um 19:00 Uhr trainiert und alle Spielerinnen in unterschiedlichen Klamotten herumlaufen, wird ja schon lange geführt.
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Michaela Specht spielte von 2015 bis 2022 für die TSG 1899 Hoffenheim im Kraichgau

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Wie sieht die Situation in Spanien aus?
Specht: Hier hat man mit einem Mindestgehalt und verschiedenen Mindeststrukturen ein Konzept geschaffen, das sich von außen sehr gut liest. Aber auch da ist nicht alles Gold, was glänzt. Betrachtet man die nackten Zahlen, kann man von dem Gehalt kaum leben. Finanziell ist die Bundesliga für viele Spielerinnen attraktiver.
Man hört häufig, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern - auch Spanien - hinterherhinkt, was die Entwicklung im Frauenfußball betrifft. Sie würden das also nicht unterschreiben?
Specht: Man verkauft sich hier sehr gut nach außen. Wenn man etwas genauer hinschaut, sieht man aber, dass auch noch viel zu tun ist, wenn man die Spielstätten und die Trainingsanlagen der Klubs betrachtet. Viele Plätze sind hier deutlich schlechter als in Deutschland. Das hängt sicher auch mit dem Wetter zusammen, da es wärmer ist und seltener regnet. Trotzdem ist das eine Grundvoraussetzung, damit man Fußball spielen kann.
Die Trainingsbedingungen sind hierzulande also besser?
Specht: Genau, da hinkt Spanien der Bundesliga in der Entwicklung hinterher. Das ist etwas anderes als in Deutschland. Aber die Mühe ist erkennbar und es wurde der Grundstein gelegt, indem man beschlossen hat, dass man eine professionelle Liga anstrebt. Aber das braucht noch Zeit. Voraus ist man dagegen, was die Akzeptanz und die Unterstützung in der Bevölkerung anbelangt.
Wie äußert sich das?
Specht: Die Leute nehmen den Klub als einen Verein wahr, egal ob Männer oder Frauen. Das ist ein Unterschied, der aber auch kulturell verankert ist. Die Spanier sind in dem Sinne verrückter als die Deutschen. Wenn sie für eine Sache brennen, dann deutlich emotionaler und dann unterscheiden sie innerhalb der Klubs nicht. Hier wird man auf der Straße auch erkannt und angesprochen.
Auch Sie als neue Spielerin sind also schon angesprochen worden?
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Start in der Frauen-Bundesliga: EM-Heldin Magull im XXL-Interview

Quelle: Eurosport

Specht: Genau.
Welche Begegnung ist Ihnen dabei im Kopf geblieben?
Specht: In meiner ersten Woche hier hatte ich noch keine Kaffeemaschine und musste morgens in ein Café. Und dort hat mich der Inhaber dann beim Vornamen genannt - und er wusste auch sehr schnell, was ich immer bestelle. Das war wirklich lustig.
Und das, obwohl Sie erst vor wenigen Monate zu Real Sociedad gekommen sind - nach sieben Jahren bei der TSG Hoffenheim. Was waren Ihre Beweggründe, die Bundesliga zu verlassen und nach Spanien zu wechseln?
Specht: Ich hatte den Gedanken, mal etwas anderes zu sehen, schon sehr lange. Ich habe eine persönliche Herausforderung gesucht und wollte eine neue Sprache und Kultur kennenlernen. Der spanische Stil mit dem Kombinationsfußball passt sehr gut zu meiner Spielweise. Und als dann die Anfrage aus San Sebastián kam, musste ich nicht lange überlegen.
Worin bestehen die größten Unterschiede zwischen der TSG Hoffenheim und Real Sociedad San Sebastián?
Specht: Das Mitarbeiterteam ist riesengroß. Hier arbeiten zwei festangestellte Physiotherapeuten, die immer vor Ort sind. Wir haben eine Ernährungsberaterin und eine Psychologin in Vollzeit, dazu vier Trainer und einen Torwarttrainer in Vollzeitanstellung. Es sind deutlich mehr Leute gerade für den sportlichen Bereich zuständig.
Sie haben zuvor den Kombinationsfußball in Spanien angesprochen. Worin unterscheiden sich der spanische und der deutsche Fußball?
Specht: Die Spielerinnen hier in Spanien sind technisch besser ausgebildet, das merkt man in jeder Trainingseinheit. Andererseits ist man in Deutschland deutlich weiter, was Fitness, Krafttraining oder Prävention anbelangt. Da kann Spanien noch eine Menge von lernen.
Ihr Eröffnungsspiel in die neue Saison vor zwei Wochen gegen Atlético Madrid musste wegen eines Schiedsrichterstreiks ausfallen, Sie waren bereits vor Ort. Wie haben Sie das wahrgenommen?
Specht: Wir haben am Freitagmorgen nach dem Training die Nachricht erhalten, dass es möglich ist, dass das Spiel aufgrund des drohenden Schiedsrichterstreiks nicht stattfindet. Ich konnte mir das überhaupt nicht vorstellen, aber nach den Gesprächen mit den Spanierinnen wurde klar: Die Sache ist ernst und es wird keinen Anpfiff geben. Trotz allem mussten wir nach Madrid reisen und uns so verhalten, als würden wir spielen.
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Michaela Specht (m.) gegen Linda Dallmann vom FC Bayern München

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Sie haben sich sogar auf dem Feld warmgelaufen.
Specht: Genau. Wir mussten nach der angesetzten Anstoßzeit eine Viertelstunde warten, damit war das Spiel offiziell annulliert. Dann haben wir noch vor Ort trainiert - wir auf der einen Hälfte und Atlético auf der anderen. Das war ein surrealer Tag, das würde in Deutschland nicht passieren.
Was hat zu dieser Eskalation geführt?
Specht: Die Primera División hat erst vor kurzem offiziell bekannt gegeben, dass sie eine professionelle Liga ist. Die Schiedsrichterinnen haben sich davon ausgegrenzt gefühlt, weil sie eben keinen Profi-Status innehaben. Aber die Referees haben dadurch jetzt einen Mega-Deal gemacht und sind nun auch bessergestellt als sehr viele Spielerinnen.
Wie bewerten Sie das?
Specht: Es ist durchaus streitbar, wie sinnvoll es ist, dass viele der Protagonistinnen schlechter entlohnt werden als die Schiedsrichter. Aber grundsätzlich war und bin ich froh, dass man sich zeitnah geeinigt hat und wir in der darauffolgenden Woche unser erstes Ligaspiel absolvieren konnten.
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Michaela Specht im Zweikampf mit Maximiliane Rall

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Sie haben einen starken Auftakt hingelegt, zu Hause gegen den FC Villarreal 2:0 gewonnen. Was sind Ihre Ziele bei und mit Real Sociedad San Sebastian?
Specht: Kurzfristig wäre es schön, am Donnerstag in München ein gutes Spiel zu absolvieren, um dann in der Gruppenphase der Champions League antreten zu können. Auf die Saison bezogen möchte ich einen der beiden Pokalwettbewerbe gewinnen. In der Liga wollen wir erneut auf einem der ersten drei Plätze landen, um wieder die Champions-League-Qualifikation zu erreichen. Das ist mit unserem Kader ohne Frage möglich.
Sie stammen aus Bayern, das Rückspiel am Donnerstag ist für Sie auch eine Rückkehr zu Ihrem ehemaligen Verein. Wie groß ist Ihre Vorfreude auf die Begegnung am FC Bayern Campus?
Specht: Das ist für mich natürlich ein ganz besonderes Spiel. Ich liebe es, am Campus zu spielen. Dort habe ich persönlich auch immer gute Partien absolviert. Meine Familie und Freude werden zuschauen, es ist also ein Heimspiel für mich. Insofern ist die Vorfreude riesengroß. Ich hoffe, dass wir an die zweite Halbzeit in San Sebastian anknüpfen und für eine Überraschung sorgen können.
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Michaela Specht im Trikot der Reserve des FC Bayern München 2014 gegen Kölns Yvonne Zielinski

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Baijings macht den Robben: "Schöner kannst du den nicht reinzirkeln"

Quelle: Eurosport

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