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Ganove befleckt FCB-Weste
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Publiziert 16/09/2010 um 14:20 GMT+2 Uhr
Es ist die unglaubliche Geschichte einer zwielichtigen Person, die sich das Vertrauen der Europäischen Fußball-Union erschlich und das Ansehen des FC Bayern ruinieren wollte: Laut "Stern"-Informationen hatte die UEFA allein auf Anraten von Robin Boksic Betrugsermittlungen gegen den FCB aufgenommen.
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Die Nachricht hatte für großes Erstaunen gesorgt. Der FC Bayern soll das Halbfinal-Rückspiel im UEFA-Cup im Mai 2008 bei Zenit St. Petersburg absichtlich mit 0:4 verloren haben. "Verkauft" an die russische Wettmafia, wie UEFA-Mitarbeiter Robin Boksic gegenüber Redakteuren des "Stern" betonte. Bei den Bayern reagierte man empört. Die Anschuldigungen seien "völlig aus der Luft gegriffen", teilte der deutsche Rekordmeister mit und stellte mittlerweile Strafanzeige gegen Peter Limacher, den Chef der UEFA-Disziplinarkommission sowie Chefermittler in Sachen Wettmanipulation, und dessen Mitarbeiter Robin Boksic.
UEFA beharrt auf Ermittlungen
Nach dem 2:0-Sieg gegen den AS Rom zum Auftakt der Champions League zürnte Bayern-Vorstand Karl-Heinz-Rummenigge. "Das Image und der Ruf des FC Bayern - die im wahrsten Sinne des Wortes weiße Weste - lassen wir uns von niemandem beflecken."
Die UEFA hatte lange Zeit auf ihren Nachforschungen beharrt und weiter auf Boksic gesetzt, der sich als BND-Mitarbeiter ausgibt und den sein Vorgesetzter Peter Limacher seinen "besten Mann" nennt. Der Schweizer Limacher ist Chef der UEFA-Disziplinarkommission und brachte in dieser Funktion auch den jüngsten Wettskandal ans Licht, den die Bochumer Staatsanwaltschaft bearbeitet.
Im Falle des Bayern-Spiels will Boksic ermittelt haben, dass russische Mafiosi für den Betrug achtstellige Beträge auf ein Bayern-Konto bei einer Privatbank überwiesen hätten. Des Weiteren habe es auf Anordnung einer kleinen Staatsanwaltschaft außerhalb Münchens Hausdurchsuchungen bei hochrangigen Bayern-Vertretern gegeben.
Eine Million Dollar und Kokain
Bei Präsident Uli Hoeneß seien die Ermittler genauso vorstellig geworden wie bei Finanzvorstand Karl Hopfner und einem Spieler, bei dem laut Boksic neben einer Million Dollar auch Kokain gefunden worden sei. Sein Chef Limacher stellte dem "Stern" die Belege dafür in Aussicht.
Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass diese Belege - sollten sie überhaupt existieren - gefälscht sind. Denn das Magazin stellte seinerseits Nachforschungen gegen den selbsternannten "Ermittler" an. Das Ergebnis: Boksic ist selbst in Spielmanipulationen verwickelt gewesen und wurde bereits wegen Betrugs angezeigt. In der berüchtigten Berliner Kneipe "Café King", wo der "Hoyzer-Skandal" seinen Anfang nahm, ging er ein und aus. Für die verurteilten Sapina-Brüdern übernahm er Botengänge.
"Bond" bricht Vernehmung ab
Bei der deutschen Polizei ist er aktenkundig. Von den Kommissaren in München wurde er bereits vernommen, wobei er diese Vernehmung vorzeitig abbrach. Seine Begründung: Er sei "eine Art James Bond vom Balkan".
Die UEFA wollte die zwielichtige Person Boksic bei der WM auch für den Fußball-Weltverband (FIFA) arbeiten lassen. Boksic habe vom chinesischen Geheimdienst erfahren, dass in Südafrika mehrere Mannschaften "gekauft" worden seien. Die FIFA lehnte jedoch dankend ab.
Eigene Unterwanderung finanziert
Sollte sich bewahrheiten, was der "Stern" aufgedeckt hat, hätte wohl auch die UEFA lieber auf die Dienste Boksics verzichten sollen. Denn, so heißt es in einem geheimen FIFA-Report: "Es könnte sein, dass die UEFA ihre eigene Unterwanderung finanzierte… Boksic hat die UEFA wahrscheinlich schwer beschädigt."
Seit zwei Jahren sieht sich der FC Bayern nun schon mit Manipulations-Vorwürfen rund um das deutlich verlorene Halbfinal-Rückspiel im UEFA-Pokal in St. Petersburg konfrontiert. "Es ist zu keinem Zeitpunkt Anzeige von der UEFA gegen Bayern München erhoben worden", hob Rummenigge hervor. Auch die UEFA bestätigte dies in einer Erklärung am Mittwoch. "Wir können voller Überzeugung sagen, der FC Bayern hat sich nie und nimmer etwas zuschulden kommen lassen."
Unterdessen hat der Verband interne Untersuchungen angekündigt. Man verstehe die Gründe, warum der deutsche Rekordmeister juristische Schritte wegen Diffamierung eingeleitet habe, hieß es aus der UEFA-Zentrale in Nyon.
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