Mit Euphoriewelle Schalke überrollen

Nach der Ankunft von Didier Drogba und Wesley Sneijder kochte die Stimmung in Istanbul hoch. Die einheimischen Medien überschlugen sich vor Begeisterung, Galatasaray wurde stellenweise sogar zum Champions-League-Mitfavorit hochstilisiert. Das in der Bundesliga schwächelnde Schalke sollte eigentlich kein Problem für die Türken sein. Doch das Team ist gewarnt.

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"Auch wenn Schalke in der Bundesliga momentan Probleme hat, sie waren immerhin Gruppensieger in der Champions League", mahnt der Ex-Schalker Hamit Altintop. "Chelsea zum Beispiel war in England letztes Jahr auch nicht stark, hat aber die Königsklasse gewonnen", so der Mittelfeldspieler der Türken.
Dennoch ist auch Altintop optimistisch. "Es wird wichtig sein, dass wir unser eigenes Spiel spielen. Wenn uns das gelingt, setzen wir uns durch", glaubt er.
Die Euphoriewelle, welche die Verpflichtung der Weltstars Drogba und Sneijder ausgelöst hat, treibt das Team auf dem Platz zu Höchstleistungen. Drei Siege in den letzten vier Spielen stehen zu Buche - davon zwei gegen den zum jeweiligen Zeitpunkt Tabellenzweiten der Süper Lig. Auf diese Weise setzte sich der amtierende Meister bis auf sechs Punkte von seinen Verfolgern ab. "Dass die Leute so viel über Drogba und Sneijder sprechen, tut uns gut", erklärt Altintop.
Drogba verhilft Sneijder zur Top-Leistung
Vor allem Drogba schlug sofort ein. Der Stürmer zeigte gleich im ersten Spiel gegen Schlusslicht Akhisarspor (2:1), wie unglaublich torhungrig er ist. Er kam zwar erst in der 63. Minute ins Spiel, war aber sofort da und sorgte mit einem Tor und einer Vorlage in nur acht Minuten für die 2:0-Führung. Anschließend ärgerte er sich maßlos, als es ihm nicht gelang, Burak Yilmaz in der Schlussphase auch noch das dritte Tor aufzulegen.
"Er hat auch Sneijder auf ein höheres Level mitgezogen", analysiert Eurosport-Türkei-Redakteur Onur Saygin. Sneijder hatte ohne Drogba in seinen ersten drei Spielen für Galatasaray noch nicht richtig in den Spielrhythmus gefunden. Am vergangenen Wochenende aber sah Saygin Sneijder sogar noch stärker, als seinen Teamkollegen von der Elfenbeinküste: "Auch wenn Drogba als Held gefeiert wurde, Sneijder war es, der beide Tore einleitete."
Gerade rechtzeitig zum wichtigen Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League scheint also auch der Niederländer endgültig angekommen zu sein. "Er ist hier glücklich und hat sich schneller ins Team eingefügt, als man nach vier Monaten ohne Spielpraxis erwarten konnte", meint Saygin und Trainer Fatih Terim stimmt zu: "Beide haben sich sehr schnell integriert."
Terim legt sich fest: Beide Stars in der Startelf
Deshalb legte sich der Coach schon am Wochenende fest: "Drogba und Sneijder werden gemeinsam auf dem Platz stehen", versicherte er im Bezug auf die anstehende Partie gegen Schalke. "Ich will all meine großen Talente aufbieten."
Der 59-Jährige betont, wie wichtig die neue Qualität in seinem Kader ist. "Es ist nicht möglich, einem Spieler Talent beizubringen. Aber es ist möglich, einen talentierten Spieler hart arbeiten zu lassen", so Terim.
Sneijder spricht die Sprache der Fans
Das Talent ihrer neuen Stars ist den Galatasaray-Fans sicher wichtig, doch für die Türken zählt auch die Identifikation mit und die Wertschätzung für den Klub. Umso bedeutender war, dass Sneijder im offiziellen Klub-Magazin vor zwei Wochen Honig um die Münder der Anhänger schmierte.
"Galatasaray ist immer noch einer der größten Klubs in Europa und ich bin hier, um Titel zu gewinnen", sagte der Niederländer und unterstrich auch, dass er die Bedeutung des Klubs einordnen kann. "Wie wichtig Galatasaray ist, habe ich schon in meiner Kindheit in Holland gelernt, weil dort viele Türken leben."
Heimrecht im Hinspiel ausnahmsweise ein Vorteil
Ein Türke, der lange Zeit in Mitteleuropa lebte, ist auch Altintop. Er wurde sogar in Gelsenkirchen geboren. "Ich habe vier Jahre auf Schalke gespielt und auch mein erstes Champions-League-Spiel für diesen Klub absolviert. Natürlich sorgt das für gemischte Gefühle und es ist ein spezielles Spiel für mich", gibt der 30-Jährige zu. "Aber auf der anderen Seite: Kein Spieler mit dem ich damals gespielt habe, ist noch in der Mannschaft. Es geht nur darum, mit Galatasaray in die nächste Runde einzuziehen."
Bei diesem Auftrag hoffen er und seine Teamkollegen auf die besondere Atmosphäre in der Türk Telekom Arena. Rund 50.000 Zuschauer verwandeln das Stadion in einen echten Hexenkessel - und der wird im aktuellen Stimmungshoch noch heißer brodeln als sonst. Deshalb betrachtet Altintop es als Vorteil, gleich im Hinspiel zu Hause antreten zu dürfen. "Mit unseren Fans im Rücken können wir ein gutes Ergebnis vorlegen", sagt er.
Und das, so hofft man bei Galatasaray, könnte den kriselnden Schalkern endgültig das Rückgrat brechen. Gelingt der Heimsieg jedoch nicht, so würde Schalke möglicherweise zum brutalen Wellenbrecher für die Euphoriewelle werden.
VIDEO: Galatasaray: Drogba beim Medizin-Test
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