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Juventus gegen FC Bayern - Giorgio Chiellini im Interview: "Ich bewundere Thomas Müller"
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Publiziert 22/02/2016 um 23:44 GMT+1 Uhr
Giorgio Chiellini spielt seit 2005 für Juventus Turin. Vor dem Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Bayern München verrät der angeschlagene italienische Nationalspieler im Interview mit Eurosport.de, welche Bayern er fürchtet, wieso er sich mit Kingsley Coman freut, warum er Arturo Vidal schätzt - und dass die Verletzungssorgen in der Bayern-Abwehr kein Vorteil für Juve sind.
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Fotocredit: Eurosport
Das Interview führte Antje Luz
Herr Chiellini, Sie mögen gerne Videospiele. Was ist einfacher: den FC Bayern auf der PlayStation zu besiegen oder auf dem Feld?
Giorgio Chiellini: (Lacht) An der PlayStation ist es einfacher, weil ich am Computer der Stärkste bin, da schlage ich sie! Auf dem Spielfeld wird das schwieriger - sie haben großartige Spieler. Wir müssen versuchen, ihre großen Meister einzuschränken - und davon haben sie wirklich viele.
Bayern hat vor allem starke Offensivspieler - wie groß ist der Respekt vor Robert Lewandowski, Thomas Müller und Co.?
Chiellini: Für mich ist Lewandowski derzeit mit Luis Suárez der beste Mittelstürmer der Welt. Müller ist ein Spieler, den ich sehr bewundere; er ist vielleicht - in Anführungszeichen - nicht so schön anzusehen, aber seine Effektivität ist unglaublich! Meiner Meinung nach ist er für die Mannschaft viel wichtiger als andere Spieler.
Andererseits muss der FC Bayern auf alle drei Stamm-Innenverteidiger verzichten. Welchen Vorteil hat Juventus dadurch?
Chiellini: Keinen. Bayern wird auch so eine starke Mannschaft aufbieten. Wichtiger wäre mir, dass wir selbst alle Spieler zur Verfügung haben. Aber leider sind auch bei uns einige, mich eingeschlossen, verletzt.
Wie sehen Sie die Entwicklung von Kingsley Coman, der bis 2017 von Juventus an Bayern ausgeliehen ist, und Arturo Vidal, der ebenfalls im Sommer von Turin nach München ging?
Chiellini: Coman hat sich stark entwickelt und ich muss sagen, dass es uns freut, ihn in so guter Form zu sehen. Er hat bei Bayern einen Stil vorgefunden, der besser zu seinen Qualitäten passt. Bayern spielt mit schnellen Außen, wir haben diese speziell definierte Position nicht. Vidal liegt uns allen bei Juve noch am Herzen. Er hat in Turin Spuren hinterlassen, auf und abseits des Spielfeldes. Für mich ist er ein Goldstück.
Auf welchen Empfang darf sich Vidal vorbereiten?
Chiellini: Ich hoffe auf einen großen Applaus - nichts anderes hat er verdient. Klar, für 180 Minuten werden wir Gegner sein, aber das, was Vidal für Juventus gemacht und gegeben hat, darf man nie vergessen.
Wie waren Juves schwacher Saisonstart und die Siegesserie zuletzt zu erklären?
Chiellini: Wir hatten viele Wechsel im Sommer. Nicht nur Vidal. Andrea Pirlo und Carlos Tévez - die halbe Mannschaft wurde ausgetauscht. Mit zehn oder zwölf neuen Spielern ist es schwierig, sofort voll da zu sein. Wir haben schlecht losgelegt, hatten Pech mit manchen Ergebnissen und sind in eine Negativspirale geraten. Aber wir sind zusammengewachsen, spielen jetzt kompakter und gewinnen. Das Derby gegen Torino war die Wende. Jetzt erleben wir eine unglaubliche Zeit.
Welche Rolle haben Sie und Gianluigi Buffon eingenommen, als es nicht lief?
Chiellini: Wir Älteren haben versucht zu helfen. Aber ich muss sagen, dass wir vor allem unsere eigene Einstellung überprüft haben. Und dann haben wir alle noch mehr gegeben und nicht versucht, die Verantwortung auf andere abzuschieben. Dieses neue Bewusstsein war der entscheidende Faktor.
Wofür steht Juventus?
Chiellini: Ich glaube, dass es kein Zufall ist, dass man hier Trainer und Fußballer mit einer gewissen Kontinuität auswählt. Wir haben stets ein Team, das vor allem aus vielen Italienern besteht und aus Personen mit einer gewissen Einstellung.
Und was fasziniert Sie am FC Bayern?
Chiellini: Neben der Spielstärke ist es diese innere Haltung, die sie in den letzten Jahren bewiesen haben. Es ist kein Zufall, dass sie ständig im Halbfinale der Champions League stehen. Bayern ist in Deutschland wie Juventus in Italien oder Manchester United in England ein Klub mit einer speziellen Botschaft, die den ganzen Verein durchzieht. Bei Traditionsklubs geht es um eine bestimmte Mentalität, die die Spieler haben müssen. Bayern ist sicher ein Paradebeispiel dafür.
Ihre Rückennummer ist die 3 - hat das etwas mit Paolo Maldini zu tun?
Chiellini: Jein. Ja in dem Sinne, dass Paolo seit meiner Kindheit immer mein Idol war. Er war ein unglaublicher Spieler. Nein, weil die 3 ganz automatisch meine Rückennummer geworden ist, da ich in der Jugendmannschaft als Linksverteidiger angefangen habe. Hätte ich innen begonnen, hätte ich die 5 gehabt. Aber so ist es eine angenehme Übereinstimmung.
Auch Jérôme Boateng spielte auf außen und ist jetzt einer der stärksten Innenverteidiger der Welt.
Chiellini: Boateng hat sich in den letzten Jahren enorm gesteigert und ist nun absolut unter den Besten der Welt. Er hat Mann- und Raumdeckung verbessert und ist jetzt ein kompletter Spieler. Wir waren beide gute Außenverteidiger, haben aber gezeigt, dass unsere Qualitäten innen noch besser zur Geltung kommen.
Welcher Stürmer ist am schwierigsten zu decken?
Chiellini: Zlatan Ibrahimovic! Er war in den letzten zehn Jahren hier in Italien der Stärkste.
Und international?
Chiellini: Die, die den Goldenen Ball gewinnen: Lionel Messi und Cristiano Ronaldo. Das sind zwei Außerirdische.
Wenn Sie wählen könnten: Champions-League-Sieger mit Juventus oder Europameister mit der Nationalmannschaft?
Chiellini: Ich sage immer: Es reicht, wenn man irgendetwas gewinnt! (lacht) Das sind zwei superschöne Ziele. Einen der beiden Titel zu gewinnen, wäre das i-Tüpfelchen meiner Karriere.
Juventus hat zuletzt 1996 die Champions League gewonnen - damals in Rom. Nun kann Juve 20 Jahre später in Mailand wieder ganz oben stehen.
Chiellini: Das wäre wahrlich ein sehr schönes Jubiläum, dieses Finale in Italien zu gewinnen! Wir wissen, dass wir es vorher schwierig wird, sind aber überzeugt, dass wir die richtigen Waffen haben, um gegen Bayern zwei große Spiele zu machen. Wenn wir einhundert Prozent abrufen, können wir es schaffen!
Wissen Sie noch, wer 1996 das Tor gegen Ajax Amsterdam (1:1, 4:2 i.E., Anm. d. Red.) geschossen hat?
Chiellini: Klar, Fabrizio Ravanelli! Ich erinnere mich auch noch gut ans Elfmeterschießen danach, Vladimir Jugovic schoss den letzten Elfmeter, der zum Sieg reichte. Hoffen wir mal, dass es diesmal wieder ein Juventus-Spieler sein wird, der im Finale das entscheidende Tor schießt!
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