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Schalke hauchdünn am Wunder vorbei
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Publiziert 11/03/2015 um 08:26 GMT+1 Uhr
Die Schalker Spieler hatten sich gerade vom restlos begeisterten Schalker Anhang verabschiedet, da passierte etwas Außergewöhnliches im Estadio Santiago Bernabéu. Das spanische Publikum erhob sich noch einmal von seinen Plätzen und feierte die "Königsblauen". Wenige Minuten zuvor hatten Reals Fans ihre eigene Mannschaft noch mit wütenden Pfiffen und wehenden Taschentüchern vom Feld gejagt.
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Aus dem Estadio Santiago Bernabéu berichtet Jan Wochner
"Diese Anerkennung tut unheimlich gut. Wir verlassen das Stadion erhobenen Hauptes", sagte Schalkes Kapitän Benedikt Höwedes, der wie viele seiner Mitspieler die Gefühle nach Abpfiff erst einmal gründlich ordnen musste. "Wir sind alle sehr stolz, dass wir Real teilweise die Grenzen aufgezeigt haben. Schade aber, dass wir das Wunder nicht geschafft haben. Das ist super ärgerlich", sagte der Weltmeister nach dem denkwürdigen Auftritt.
Schalke war nach den uninspirierten Auftritten der Vorwochen nicht wiederzuerkennen. Nach der 0:2-Hinspielniederlage von der spanischen Presse noch als "Mannschaft von Hinkenden" verspottet, spielte sie den Titelverteidiger phasenweise an die Wand und verpasste die Sensation nur hauchdünn.
In der Kabine angekommen herrschte Ratlosigkeit bei den Schalker Spielern. "Wir waren alle perplex", gab Marco Höger offen zu. "Wir wussten nicht, ob wir uns freuen oder ärgern sollten", sagte der erst 19-jährige Torschütze Leroy Sané.
Kroos: "Jetzt ist es richtig unruhig"
Keine Zweifel gab es an der Laune von Reals Spielern. Kapitän und Torwart Iker Casillas hatte es gewagt, direkt nach Abpfiff in Richtung der Fans zu applaudieren. Das brachte das erfolgsverwöhnte spanische Publikum endgültig in Rage. Kommentarlos und mit versteinerter Miene verließen die Superstars Cristiano Ronaldo und Karim Benzema das Stadion durch die Hintertür.
Nur Toni Kroos stellte sich den Fragen. "Schalke hat unsere schlechte Defensive ausgenutzt", sagte der Deutsche. Von Freude übers Weiterkommen keine Spur beim Nationalspieler. "Jetzt ist es richtig unruhig hier", sagte Kroos, dessen Mannschaft arrogant und überheblich spielte und seit drei Spielen sieglos ist.
Di Matteo kritisiert die Kritiker
Schalkes Taktik ging dagegen fast voll auf. Vor dem Spiel hatte Max Meyer noch davon gesprochen, sein Team habe überhaupt keine Chance auf ein Weiterkommen. Nach dem Spiel konnte sich der überragende Spielmacher in Reihen der "Königsblauen" ein Lächeln nicht verkneifen: "Das war meine Absicht. Ich wollte auf Understatement machen. Aber wir haben alle daran geglaubt, dass wir es schaffen können." Und so spielte Schalke auch.
Trainer Roberto Di Matteo sieht sich folglich in seiner Arbeit bestätigt. Er nutzte den großen Auftritt seines Teams, um sich im Anschluss direkt an seine Kritiker zu wenden. "Ihr habt mich und meine Mannschaft vom ersten Tag an für das Defensivverhalten kritisiert", sagte der Italiener mit ernster Miene - direkt an die Medienvertreter gewandt. Der Vorwurf, er lasse nur mauern und vernachlässige die Offensive, sei unzutreffend. "Ich will, dass die Mannschaft mutig nach vorne spielt. Das hat auch nichts mit dem System zu tun. Es hat mit den Spielern auf dem Platz zu tun, die die Ideen umsetzen."
Schalke zwischen Freude und Ärger
Eine so direkte Äußerung hatte Di Matteo in seiner mittlerweile rund fünfmonatigen Amtszeit auf Schalke noch nicht von sich gegeben. Ausgerechnet die phasenweise wacklige Defensive um den überforderten Torhüter Timon Wellenreuther verhinderte paradoxerweise am Ende das mögliche Wunder von Madrid.
In einem Punkt unterschied sich Di Matteo nach Spielende nicht von seinen Spielern. "Ich habe gemischte Gefühle", sagte der Trainer, der auch nicht wusste, ob er sich über den ersten Sieg einer Mannschaft über Real Madrid in einem Champions-League-Spiel im Bernabéu nach vier Jahren freuen sollte. "Wenn man hier vier Tore schießt und nicht weiterkommt, ist das unfassbar."
VIDEOS - Alle Tore zu Real Madrid - Schalke (3D)
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