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Ganz Rom hofft auf Totti: "Francesco, ohne dich stirbt der Fußball“
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Publiziert 08/03/2016 um 14:39 GMT+1 Uhr
Das Spiel war schon lange entschieden, da wurde es im römischen Olympiastadion noch einmal richtig laut. Die Zuschauer erhoben sich am Freitag von ihren Plätzen und applaudierten, als ob ihre Roma soeben ein weiteres Tor erzielt hätte. Dabei stand nur eine Einwechslung an, in Minute 76, beim Stand von 4:1. An der Seitenlinie stand: Francesco Totti.
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Seine Einwechslung war der emotionale Höhepunkt des 4:1-Sieges gegen die Fiorentina, der für die Römer der siebte in Serie unter dem neuen Trainer Luciano Spalletti war. Frenetisch bejubelten die Romanisti jede Totti-Aktion, die letzten Spielminuten waren ein einziges Tribut an ihr Idol. Das Idol einer Stadt – wenn man die Lazio-Fans außen vor lässt.
Es sei schwierig, die Verbindung dieses Spielers mit diesem Verein zu beschreiben, sagt Fabio Caressa, Vorzeige-Kommentator bei Sky Italia. Es sei, als betrete der "Sohn der Stadt" das Feld, erklärt er. Tottis 15 Minuten gegen die Fiorentina waren deshalb so speziell, weil es seine ersten nach der "Causa Totti", die die ewige Stadt und Fußball-Italien erschüttert hatte, waren.
Totti hatte sich Ende Februar in einem Fernsehinterview über fehlenden Respekt beklagt, woraufhin Spalletti ihn mit den Worten "Ich muss auf die Roma schauen, nicht auf den Einzelnen" aus dem Kader für das Ligaspiel gegen Palermo gestrichen und damit ein Erdbeben in Italiens Fußballwelt ausgelöst hatte.
In Rom gab es nur noch dieses Thema, selbst ein Bestattungsunternehmen lancierte eine Werbekampagne mit dem Slogan "Francesco, ohne dich stirbt der Fußball". Tottis Rolle bei der Roma ist mit der keines anderen aktiven Spielers zu vergleichen. Der Kapitän hat auf dem Vereinsgelände ein eigenes Büro, das Ex-Trainer Rudi Garcia als ein "Totti gewidmetes Museum" empfand.
Es ist relativ simpel: Totti ist die Roma
Spalleti bekam in Form von Pfeifkonzerten und riesigen Transparenten mitten in der Stadt deutlich zu spüren, was es bedeutet, das lebende Denkmal Totti anzugreifen. Der Trainer, der die Roma bereits von 2005 bis 2009 erfolgreich geführt hatte, steht vor der riesigen Herausforderung, die Mannschaft weiterzuentwickeln und dabei Tottis letzte Karriereschritte so zu moderieren, dass sich der Volkszorn nicht dauerhaft über ihn entlädt.
Anfang März war Roma-Präsident James Pallotta in die ewige Stadt geeilt, um mit Totti über die Zukunft zu sprechen. Keiner wollte nach dem Treffen über selbiges sprechen, dem Vernehmen nach soll Pallotta dem 39-Jährigen ein hohes Funktionärsamt, womöglich sogar die Vize-Präsidentschaft, angeboten haben. Totti aber habe ihm erklärt, dass er noch eine Saison dranhängen möchte. Als Fußballer.
Marketing-Maschine
"Francesco muss sich Gedanken machen, was er möchte", sagte Pallotta am Ende seiner Woche in Rom. Alle würden über Tottis Zukunft mutmaßen, "aber er ist es, der eine Entscheidung treffen muss". Es heißt, dass Pallotta Tottis Wunsch nachkommen könnte. Das hat auch finanzielle Gründe. Von acht verkauften Roma-Trikots sind fünf mit der Nummer zehn und Tottis Namen beflockt. Nike, der Ausstatter Tottis und der Roma, hätte nichts dagegen, mit einer gezielten Marketingstrategie – angeblich sind spezielle Trikots für spezielle Spiele, wie Tottis letztes Derby oder sein letztes Europapokalspiel, angedacht – Tottis letzte Saison als Spieler genüsslich auszuschlachten.
Spalletti weiß um Tottis Gewicht in der Öffentlichkeit, er wird bei keiner Gelegenheit müde, den 39-Jährigen zu loben. Kürzlich erst erzählte er, er habe "sehr viele Dinge" von Totti gelernt und sich sogar bei einigen seiner Trainingsübungen von Totti inspirieren lassen. Spalletti betont aber auch, der Zustand belaste ihn, "weil viele seine Situation mit meiner verknüpfen wollen".
Das Thema wird die Roma noch länger begleiten. Jorge Valdano, Weltmeister 1986 mit Argentinien, der bei Real Madrid als Spieler, Trainer und Funktionär tätig war, sagte am Montag in der Repubblica, Totti müsse akzeptieren, dass er nun 40 werde. Die Fußballer, so Valdano, seien die letzten, die den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören fänden. "Wenn wir Fußballer uns hätten ausmalen können, wie schwer der Abschied ist", sagte er, "wären wir Maler oder Bildhauer geworden, um nie aufhören zu müssen."
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