3 Dinge, die auffielen: Schiri-Ärger, "König" Ronaldo, heroischer Fight

Der FC Bayern ist trotz großem Kampf im Viertelfinale der Champions League an Real Madrid gescheitert. Dabei übernimmt Schiedsrichter Viktor Kassai eine größere Rolle als ihm lieb sein dürfte. Cristiano Ronaldo profitiert vom Ungarn, stellt aber einmal mehr seine Extraklasse unter Beweis. Auf Bayern-Seite liefern Jérôme Boateng und Mats Hummels eine denkwürdige Partie. Drei Dinge, die auffielen.

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1. Unsicherer Ungar - Schiedsrichter Kassai im Blickpunkt

Eine oft bemühte Weisheit des Fußballs lautet: 'Der beste Schiedsrichter ist der, den man nicht sieht'. Nun war Viktor Kassai am Mittwochabend relativ oft im TV zu sehen. In Großaufnahme. Damit ist eigentlich schon alles gesagt.
"Das war vom Schiedsrichtern eine Serie von Fehlern, die auf diesem Niveau nicht passieren dürfen. Ich weiß, Fehlentscheidungen können passieren. Aber nicht in dieser Häufigkeit", tobte Bayern-Coach Carlo Ancelotti noch weit nach der Partie. Man muss wohl lange suchen, um jemanden zu finden, der dem Italiener hier widerspricht. Es spricht für Ancelotti, dass er nachschob:
Was war also passiert?
Nun, zynisch könnte man sagen, Kassai - eigentlich einer der weltweit Besten seines Faches - hatte in den 120 Minuten von Madrid kaum eine richtige Entscheidung getroffen. Zumindest bei den spielentscheidenden Pfiffen lag er in großer Regelmäßigkeit daneben.
Ancelotti gab dem Schiedsrichtergespann nach dem Spiel zu einem Handshake ein lapidares "Good Job!" mit auf den Weg.
Bei Bayerns erneutem Führungstreffer zum 2:1 durch das Eigentor von Sergio Ramos in der 77. Minute übersah er eine Abseitsstellung und leitete damit eine verhängnisvolle Serie ein. Denn auch die beiden Ronaldo-Treffer in der Verlängerung (104./109.) entstanden aus einmal mehr, einmal weniger klarer Abseitsposition.
Dazwischen der Unparteiische Artur Vidal nach einer sauberen Grätsche mit Gelb-Rot vom Platz gestellt. Schon zuvor - beim Elfmeterpfiff für Arjen Robben - hatte der Großteil aller Beobachter eher einen gewollten Fall des Bayern-Stars gesehen.
"Ich finde den Pfiff in diesem Tempo vertretbar", sagte Eurosport-Experte Matthias Sammer bei "Sky" zum Elfmeter, der zum ersten bayern-Tor geführt hatte. "Es ist müßig, da jetzt über jede Diskussion zu diskutieren." In diesem Sinne: Viktor Kassai hatte schon bessere Abende. Und er wird sie auch wieder haben.

2. "König" Ronaldo - Jetzt ist er Bayerns Alptraum

Lange Zeit galt Filipo Inzaghi als fleischgewordener Schrecken des FC Bayern. Insgesamt hatte der Italiener sechs "Königsklassen"-Tore gegen den deutschen Rekordmeister erzielt. Spätestens seit den diesjährgen zwei epischen Viertelfinalschlachten muss der FCB umdenken.
Fünf Mal jubelte ein gewisser Cristiano Ronaldo von Real Madrid innerhalb von nur sechs Tagen über ein Tor gegen Manuel Neuer. Zwei im Hinspiel, drei im Rückspiel. Insgesamt ließen sich die Münchner in der Champions League schon neun Mal vom 32-Jährigen vernaschen. Niemand schaffte das so oft.
"Es waren zwei tolle Spiele. Und es war über beide Partien gesehen, ein verdientes Weiterkommen. Wir sind momentan gut drauf und es ist immer ein guter Schritt, wenn man eine Mannschaft wie Bayern München schlagen kann“, analysierte Toni Kroos den Real-Einzug ins Halbfinale hinterher und ließ seinen Superstar-Kollegen dabei völlig außen vor.
Bayern-Verteidiger Jérôme Boateng meinte nur: "Er ist ein Ausnahmetalent!" Wie recht er doch hat, zeigt folgender Fakt: Ganz nebenbei hat Ronaldo nun als erster Spieler der Fußball-Geschichte 100 Tore in der Champions League erzielt. Was für ein Spieler!

3. Heroischer Fight - Hummels und Boateng quälen sich

"Ich bin sehr stolz auf meine Spieler. Die Mannschaft hat alles gegeben und wir waren sehr nah dran am Halbfinale." Die Worte von Coach Ancelotti klangen fast etwas lasch angesichts dessen, was seine Spieler auf dem Rasen des Santiago Bernabeu abgeliefert hatten. 120 Minuten quälten sich die Münchner, ehe sie schlussendlich doch mit leeren Händen dastanden.
Karl-Heinz Rummenigge sagte:
Besonders in Gegenwart von Boateng und Mats Hummels sollte Bayerns Boss den imaginären Hut lieber gleich in den Staub werfen. Die beiden Innenverteidiger lieferten gegen Real einen Fight ab, über den noch lange gesprochen werden dürfte.
Beide waren in der letzten Woche verletzt gewesen. Nach Spanien flogen sie dennoch mit, trainierten dort und absolvierten am Tag des Spiels einen letzten Härtetest. Als die Weltmeister-Defensive dann am Abend geschlossen in der Startformation des FC Bayern stand, rieben sich nicht nur vereinzelte Exerten in TV-Studios die Augen. Hummels und Boateng spielten. Und wie.
"Wir sind alle über die Schmerzgrenze gegangen. Wir können uns heute nichts vorwerfen. Wir haben alles versucht", schnaufte Boateng nach dem Spiel und gab zu, dass seine Adduktorenprobleme schon "Mitte der zweiten Halbzeit" wieder aufgebrochen waren.
Auch Hummels schleppte sich am Ende mehr schlecht als recht über den Platz. Die beiden Abseitstreffer Ronaldos hatten auch seine Kräfte erst in der Verlängerung schwinden lassen. Bis dahin stellte er sich dem Ansturm der Madrilenen heldenhaft gegenüber.
Am Ende brachte es nichts ein. Außer dem Respekt der Fans.
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