Atlético-Real: Drei Dinge, die auffielen - kühler Modric, Saúl-Statistik, realer Alptraum
Real Madrid besiegt Atlético in der Champions League zum vierten Mal in Folge. Das Halbfinal-Rückspiel hatte für Real gleich mehrere Matchwinner parat - trotz der 1:2-Niederlage. Atléticos Saúl Ñíguez bastelt weiter an einer beeindruckenden Statistik und imitiert Jackson Pollock, kann die Pace von Luka Modric und Isco aber nicht mitgehen. Was uns auffiel.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
My name is Luka
Schöner Song von Suzanne Vega aus den 80er Jahren, da kam auch Luka Modric zur Welt. Am Mittwochabend zeigte er selbiger mal wieder, was für einen Ausnahmespieler sie an ihm hat und warum das Real-Mittelfeld mit ihm, Casemiro und Toni Kroos derzeit das mit Abstand beste der Champions League ist. Seit der Verletzung Gareth Bales kommt auch noch Isco dazu.
Kroos mag gegen Atlético mehr Pässe in die Spitze gespielt haben (7) und Isco mit seinem Abstauber zum 1:2 de facto das Duell entschieden und auch sonst ganz gut gespielt haben, wie auch Zinédine Zidane bemerkte:
Doch als Atlético im ersten Durchgang mit 2:0 im Rücken regelrecht Feuer fing, war es in erster Linie Modric, der Real zurück ins Spiel brachte, in dem er einfach keinen Fehlpass mehr spielte und filigran aus der Tiefe heraus das Spiel managte.
Als Ausgangspunkt jeder Spielverlagerung und Fixpunkt aller Angriffe hatte der 31-Jährige quasi bei jeder Aktion seine Füße im Spiel (59 Ballkontakte in Halbzeit eins, 103 am Ende). Atlético versuchte zwar, Modric an der Ballverarbeitung zu hindern, dem entzog sich der Kroate aber immer wieder mit flinken Dribblings durchs Mittelfeld (sechs im ersten Durchgang, drei im zweiten) und einer feinen Passauslese (75 Pässe, 93,3 Prozent kamen an - bei Kroos sogar 96 % seiner 75 Zuspiele).
"Modrić ist brillant, so unglaublich ruhig am Ball. Wir wissen, dass er niemals nervös wird, wenn er ihn hat. Seine Erfahrung war fundamental wichtig für uns", sagte Zidane.
So hatte Real am Ende mehrere Matchwinner: Den kühlen Modric, den feurigen Isco und ein bisschen auch Karim Benzema, der mit seiner Vorarbeit gegen drei Atlético-Verteidiger auf engstem Raum großen Anteil am Isco-Tor hatte, auch wenn er dafür offiziell nicht mal einen Scorerpunkt gutgeschrieben bekommt.
Marcelo sagte zum Finaleinzug:
Führungstormaschine Saúl taucht ab
Dass Saúl Ñíguez als Junge zwischen elf und 13 Jahren für Real Madrid spielte, verschweigt er mittlerweile gerne. Heute ist Ñíguez' Wert für das Spiel von Atlético Madrid wahrscheinlich nicht in Gold aufzuwiegen.
Seit drei Jahren ist er aus dem Team von Diego Simeone nicht mehr wegzudenken, mit 22 Jahren hat er schon beinahe 150 Pflichtspiele auf allerhöchstem Niveau auf dem Buckel.
Und dann ist da noch diese Statistik vom Abend: Sieben Champions-League-Tore hat Ñíguez nun in seiner Vita stehen - sieben Mal war es das 1:0, so wie nun sein wuchtiger Kopfball in Minute 12 als er höher sprang als, ja genau, Cristiano Ronaldo, und Atlético nach dem 0:3 im Hinspiel plötzlich Leben einhauchte.
Ñíguez' Spiel für Atlético ist gelinde gesagt unorthodox; er ist kein Zehner, kein Außen, kein Sechser, aber auch kein klassischer Achter. Seine Heatmap sieht nach Spielen dafür immer gerne so aus wie ein Gemälde von Jackson Pollock.
Unauffällig läuft er im Mittelfeld Löcher zu, greift gegnerische Spielmacher an und schaltet blitzschnell um, wenn Atlético in Ballbesitz kommt.
So schnell wie er am Mittwoch jedoch beim 1:0 auf der Bühne aufgetaucht war, tauchte Ñíguez wieder ab. In der ganzen Partie spielte der 22-Jährige nur 24 Pässe, von denen er nur 15 zum Mitspieler brachte, und gewann nur zwei von zwölf Zweikämpfen. Da hilft dann auch die schöne 1:0-Statistik nichts mehr.
Reales Trauma
Real Madrid ist für Atlético pures Kryptonit, Punkt. Seit sich Atlético 2013 aufmachte, die Champions League mit seiner einzigartig effektiven, energetischen und enervierenden Spielweise aufzumischen, war immer nur gegen einen einzigen Gegner Endstation: den verhassten reichen Stadtrivalen Real.
2013/14 verlor Atlético trotz Führung bis in die Nachspielzeit hinein das Finale von Lissabon 1:4 n.V., 2014/15 zog man im Viertelfinale mit 0:0 und 0:1 (Chicharito, 87.) knapp den Kürzeren. 2015/16 ging dann wieder das Finale, diesmal in Mailand, mit 4:6 nach Elfmeterschießen (und einem vergebenen Strafstoß von Antoine Griezmann in der regulären Spielzeit) in die Binsen.
Diesmal verspielte Atlético alle Chancen bereits im Hinspiel. Das hinderte das Team von Diego Simeone zwar nicht daran, am Mittwochabend von Minute eins an nochmal Vollgas zu geben und nach dem schnellen 2:0 durch Sául (12.) und Griezmann (16.) auch tatsächlich nur ein Tor vom Ausgleich des Duells entfernt zu sein.
Doch Real hatte den Vorteil des gegentorlosen Hinspiels auf seiner Seite. Und man konnte sich irgendwie sicher sein, dass der Titelverteidiger irgendwann (wie in den 60 Spielen zuvor) treffen und Atlético dann ein 5:1 zum Sieg brauchen würde. Mit Iscos Treffer war die Sache geritzt, Atlético hatte kaum mehr Power. Und am Ende lachte wieder Real.
Kapitän Gabi meinte trotz aller Enttäuschung über die Partie:
Atlético wird es 2017/18 wieder probieren. "Wir haben unser letztes gegeben", sagte Simeone:
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung
/origin-imgresizer.eurosport.com/2024/12/18/image-ec453673-a7e8-4c9b-a566-6689a5fb6276-68-310-310.jpeg)