Real Madrid - Atlético Madrid: Atleti gegen das reale Trauma - verdammter Chicharito!
Atlético Madrid scheidet in der Champions League immer gegen Real Madrid aus. Warum sollte es jetzt anders sein? Genau auf diese Einstellung bauen die Mannen von Diego Simeone, die nach den sisyphosartigen Versuchen der letzten Jahre niemand als Titelkandidat auf der Rechnung hatte. Dabei ist die Effizienz beinahe beängstigend. Zinédine Zidane warnt derweil fast schon panisch vor dem Stadtrivalen.
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Chicharito.
Atlético-Fans wenden sich immer noch mit Grausen ab, wenn sie diesen Namen hören. Er steht stellvertretend für das reale Trauma, dass Atlético in den letzten Jahren widerfahren ist: dreimal raus in der Champions League gegen den verhassten Erzrivalen, gegen die Königlichen, die Günstlinge, gegen Real Madrid.
Am meisten beachtet natürlich: die Finalpleiten 2014 und 2016. Jeweils auf Messers Schneide, vor drei Jahren nach Atlético-Führung bis in Minute 90, bis Sergio Ramos' Kopfball und mit dem Elfmeterschießen vergangenen Frühling.
Aber 2015, vor allem da hätte es Atlético packen können, im Viertelfinale. Sieben Duelle lang hatte Real den Stadtrivalen zuvor nicht besiegen können, 0:0 und 0:0 stand es nach 90 und nochmal 87 Minuten. Dann traf Chicharito. Und Atleti starrte wieder mal ins Nichts.
Atlético: Diesmal Abschlusstraining im Bernabéu
Nun also das vierte Duell in vier Jahren (20:45 Uhr im Liveticker). Halbfinale Champions League, das ist neu und auch: Hinspiel bei Real, im Estadio Santiago Bernabéu. Atlético hat in acht Tagen Heimvorteil.
Anders als im verlorengegangenen Viertelfinale 2015 hielt Atlético diesmal das Abschlusstraining im Estadio Santiago Bernabéu ab. Diego Simeone lässt nichts unversucht, Atleti so einzustellen, als wäre es ein unbelastetes, ein jungfräuliches Duell.
"Wir wissen, wer wir sind und dass wir es mit jedem aufnehmen können. Wir haben vor niemandem Angst", sagte Fernando Torres am Montag entschlossen.
Zidane warnt vor Atlético
Für Atlético spricht, dass es der Underdog aus dem Südwesten der spanischen Hauptstadt möglicherweise mehr will als Real Madrid. Die Schmach der letzten Jahre tilgen, endlich den Titel erringen, das treibt sie an, während der Rivale aus dem Norden der Stadt doch noch ein kleines bisschen mehr auf den LaLiga-Titel schielt, den man seit 2011/12 nicht mehr gewinnen konnte.
"Es bedeutet nichts, dass wir gegen sie in diesem Wettbewerb bereits gewonnen haben", sagte Trainer Zinédine Zidane, als ob er die Seinen warnen wolle:
Atléticos Gerüst steht
Während Real Madrid auf Gareth Bale und Pepe verzichten muss, hofft Atleti auf die Einsätze von Yannick Carrasco und Sime Vrsaljko. Nicht spielen können Juanfran und José Giménez.
Das Gerüst aber steht; über Keeper Jan Oblak, Abwehrkante Diego Godín, dem so effizienten Saúl Ñíguez, Koke, Kapitän Gabi, bis hin zu Antoine Griezmann, der in LaLiga immerhin schon fünfmal gegen Real Madrid traf, zuletzt beim 1:1 im Bernabéu neulich - aber nie in Cup-Wettbewerben.
Dafür war der Franzose seit Beginn letzter Saison an exakt der Hälfte aller Atlético-Treffer in der Champions League beteiligt (zwölf Tore, drei Assists).
Fernando Torres, ein weiteres wichtiges Utensil, sagt:
Real kämpfte, Atlético kam weiter - einfach so
Während sich Real Madrid gegen den FC Bayern ins Halbfinale durchkämpfte, kam Atlético einfach so weiter: Souveräner Erster in der Gruppenphase vor Bayern, souveräne Siege über Bayer Leverkusen im Achtelfinale (4:2, 0:0) und Leicester City (1:0, 1:1) im Viertelfinale.
Eine Niederlage gab's nur im unbedeutenden letzten Gruppenspiel in München (0:1). Real ist aber noch gänzlich unbesiegt (weil das 4:2 n.V. gegen Bayern statistisch nach 120 Minuten zählt, nicht nach 90 - da stand es 1:2).
Als Titelkandidaten hatte Atlético nach den sisyphosartigen Versuchen der letzten Jahre - Stichwörter: großer Stein, Berg - kaum einer auf der Rechnung. Außer vielleicht der Real-Coach.
Zidane hält große Stücke auf Atlético
"Sie spielen seit vier, fünf Jahren auf höchstem Niveau uns sie verbessern sich immer weiter", sagte Zidane am Montag: "Sie haben uns immer wieder Probleme bereitet. Sie geben nie auf. Sie kämpfen, teilen aus und nutzen ihre Waffen. Aber wir haben auch Waffen."
Für den Real-Coach steht außerdem fest:
Die pure Effizienz
Atléticos Trumpf: Die pure Effizienz. 13 Tore in zehn Champions-League-Spielen sind dürftig. Wenn man aber bedenkt, dass dieses Team in 46 Königsklassen-Auftritten unter Simeone seit 2013/14 27-mal zu Null spielte (59 Prozent), bekommt man einen Eindruck davon, wie tödlich Atlético sein kann.
"Wir wissen, wer wir sind und dass wir es mit jedem aufnehmen können. Wir haben vor niemandem Angst", sagt Torres.
Die ewige Derby-Bilanz mit nur 66 Atlético-Siegen in bislang 266 Duellen (Real: 137 Siege) würde ein Triumph im Bernabéu zwar nicht aufpolieren. Wohl aber die Fan-Seele der Atleti-Anhänger. Und Chicharito ein wenig vergessen machen.
So wollen sie spielen:
Real Madrid (4-4-2): Navas - Carvajal, Sergio Ramos, Nacho (Varane), Marcelo - Casemiro - Modric, Kroos - Isco (Asensio) - Benzema, Ronaldo
Atlético Madrid (4-4-2): Oblak - Savic, Godín, Lucas, Filipe Luis - Saúl, Gabi, Koke, Carrasco - Griezmann, Gameiro (Torres)
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