Champions League | FC Bayern feiert Remis gegen FC Liverpool an der Anfield Road

Der FC Bayern wollte den FC Liverpool im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League tatsächlich nur am Toreschießen hindern und feiert das 0:0 an der Anfield Road deshalb als moralischen Sieg. Während Karl-Heinz Rummenigge vor der Duplizität vergangener Ereignisse warnt, muss sich Niko Kovac fürs Rückspiel einen etwas ausgeklügelteren Matchplan überlegen. Aber es sind ja noch drei Wochen Zeit.

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Aus Liverpool berichtet Florian Bogner
Joshua Kimmich ballte beide Fäuste und brüllte die Liverpooler-Fantribüne "The Kop" an. Was aussah wie die Reaktion auf ein Tor des FC Bayern, galt in Wahrheit einer klärenden Aktion im eigenen Sechzehner (80.). Zu einem Eckball für Liverpool.
Doch am Dienstagabend waren die Vorzeichen eben ein klein wenig anders gesetzt - und damit auch der Fokus der Bayern. Als knapp 15 Minuten später die Abwehrschlacht des FC Bayern München beim FC Liverpool erfolgreich geschlagen war, blickten sie alle ziemlich zufrieden drein.
Zwar zeigte die Anzeigetafel an der Anfield Road weiß auf rot "nur" 0:0 an. Für die Münchner war das torlose Remis im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League allerdings eindeutig mehr als die Abwesenheit von Zählbarem.

Der Plan ging auf

"Die Erkenntnis ist: Man darf Bayern München nicht unterschätzen", frohlockte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nach der Partie, was natürlich noch besser zu einem Ergebnis wie 1:0 oder 2:0 gepasst hätte. Doch einen Sieg hatten die Münchner nie wirklich im Sinn gehabt. Zu groß war der Respekt vor Liverpool, zu erdrückend die Tatsache, dass noch nie ein deutscher Verein an der Anfield Road gewonnen hat.
Plan A, den Trainer Niko Kovac aufgestellt hatte, war deshalb lediglich, kein Gegentor der offensivstarken Mannschaft seines Gegenübers Jürgen Klopp zuzulassen und damit im schlechtesten Fall 0:0 zu spielen. Das ging voll auf - und die Bayern freuten sich.
"Wir haben unser Ziel erreicht, wir haben ein Unentschieden", sagte der Bayern-Coach also auch recht unverhohlen und richtete den Blick aufs Rückspiel in drei Wochen:

Erinnerungen an 1981

Zufall oder nicht: Zur Halbzeitpause hatte der Stadion-DJ an der Anfield Road passenderweise den Bee-Gees-Klassiker "Stayin' Alive" gespielt. Darum ging es den Bayern letztlich ja auch: Überleben, irgendwie die Chance wahren fürs Rückspiel.
"Das Ergebnis lässt die Tür offen, das war unser Ziel", sagte Rummenigge:
Eine Erkenntnis, die vor allem aus eigener Erfahrung herrührt: 1980/81 waren die Bayern beim letzten Aufeinandertreffen im Landesmeistercup-Halbfinale nämlich ebenfalls mit einem 0:0 im Gepäck aus Liverpool abgereist, spielten im Rückspiel in München dann aber 1:1 und schieden aus.
"Wir haben damals den Fehler gemacht zu denken, dass nach dem Hinspiel schon das Schlimmste hinter uns liegt", erzählte der 63-Jährige deshalb belehrend und schlussfolgerte:

Klopp: "So gut musste Bayern nicht sein"

Womit man beim Plan B wäre, den die Bayern nun brauchen, um Liverpool zuhause zu besiegen. Gefährlich in die Nähe des gegnerischen Tores waren sie am Dienstagabend nämlich aufgrund der defensiven Marschroute nur selten gekommen.
Es war überhaupt ein seltsames Spiel - geprägt von hoher Intensität, aber auch von viel Unvermögen in den entscheidenden Offensivmomenten.
"Wir hatten so viele Momente, in denen wir es uns selbst kaputt gemacht haben", zauderte Klopp und konstatierte:
Im Endeffekt musste Bayern-Torwart Manuel Neuer so gerade mal zwei Schüsse parieren, sein Gegenüber Allison Becker nur einen.

The Hornberger Shooting

"Es war ein bisschen wie das 'Hornberger Schießen'", sagte Klopp und umschrieb den im angelsächsischen Kulturkreis doch eher unbekannten Begriff für die englischen Pressevertreter sogleich mit:
Davon, dass Liverpool optisch überlegen und auch mit einem Chancenplus ausgestattet war, konnte sich Klopp am Ende nichts kaufen. Ebenso wenig die Bayern von der Tatsache, zwar mehr Ballbesitz gehabt zu haben (53 Prozent), den aber vor allem tief in der eigenen Hälfte, fernab von gefährlichen Räumen.
"Es ging in erster Linie darum, die Stärken des Gegners herauszunehmen - das ist uns gelungen", erklärte Mats Hummels, der diesmal wirklich wie ein Abwehrchef auftrat und seine beste Saisonleistung zeigte: "Wir wollten das Tempo rausnehmen, die drei vorne nicht in Kontersituationen kommen lassen."

"Die Viererkette war eine Viererkette"

Das schlug sich vor allem in einem tempobefreiten Spielaufbau nieder, bei dem allein Niklas Süle 24 Rückpässe auf Neuer spielte, was dem Bayern-Torwart am Ende doppelt so viele Ballkontakte (70) wie Mittelstürmer Robert Lewandowski (34) einbrachte.
Zum anderen beteiligten sich die Außenverteidiger David Alaba (links) und Joshua Kimmich (rechts) nur mit maximalster Vorsicht an Offensivaktionen, um hinter sich keine Räume für das Liverpooler-Offensivtrio Mo Salah, Roberto Firmino und Sadio Mané zu gewähren. Bayern ließ wirklich äußerste Vorsicht walten - zu Lasten der Offensive.
"Die Viererkette war eine Viererkette - sie war nicht auf Angriff ausgerichtet", gab Hummels später auch unumwunden zu. So einfach, so wirkungsvoll – so minimalistisch der Ertrag.

Rummenigge warnt beim Bankett

Als die Spieler um kurz vor Mitternacht Ortzeit die in Rottöne getauchte "Rum Lounge" des Teamhotels "Titanic" betraten, brandete unter den 540 Bankettgästen dennoch warmer Applaus auf.
"Die Mannschaft hat sich dieses gute Ergebnis verdient. Da kann man nur herzlich zu gratulieren", flötete Rummenigge bei seiner obligatorischen Rede ins Mikrofon:
Weil es in München dann doch noch mehr braucht als Plan A wie Abwehrschlacht.
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