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3 Dinge, die auffielen: Bayern fehlt der Matchplan

3 Dinge, die auffielen: Bayern fehlt der Matchplan

14/03/2019 um 01:28Aktualisiert 14/03/2019 um 09:27

Der FC Bayern München verliert das Rückspiel gegen den FC Liverpool mit 1:3 (1:1) und scheidet zum ersten Mal seit acht Jahren im Achtelfinale der Champions League aus. Den Münchnern fehlt offensichtlich der Matchplan gegen clevere Gäste, zudem erlebt das Mittelfeldzentrum um Thiago und Javi Martínez einen schwachen bis desolaten Abend. Außerdem: Robert Lewandowski und die K.o.-Spiele...

1. Kovac fehlt der Matchplan

Niko Kovac kündigte auf der Pressekonferenz am Dienstag-Nachmittag bereits an, nicht wie "Holla die Waldfee" nach vorne stürmen zu wollen. Das tat seine Mannschaft einen Tag später auch nicht. Absicherung war die oberste Devise - und scheinbar auch die einzige.

In eigenem Ballbesitz wirkte der FC Bayern überfordert, schaffte es nicht, einfachste Automatismen im Spielaufbau abzurufen. Die Angst vor Gegenpressingsituationen war jedem Einzelnen anzumerken. So wurde aus hinterster Reihe lieber der lange Ball nach vorne geschlagen, als mit schnellem Flachpassspiel die erste Reihe zu überspielen.

"Unsere Herangehensweise war halt so", erklärte sich Mats Hummels nach dem Spiel am "Sky"-Mikrofon etwas ratlos.

"Wir waren fußballerisch nicht gut genug, um uns Torchancen herauszuspielen. Wir haben es nicht geschafft, Druck aufzubauen."

In der Mixed-Zone konkretisierte er dies wenig später: "Wir haben eine gewissen Spielweise, die gegen pressende Mannschaften nicht immer zum 100-prozentigen Erfolg führt. Da täten uns dann ein bis zwei andere Begebenheiten in unserem Spiel gut." Was genau er damit meinte, ließ er offen.

Sadio Mané (l.) und Serge Gnabry bei FC Bayern - Liverpool

Sadio Mané (l.) und Serge Gnabry bei FC Bayern - LiverpoolGetty Images

Das Problem: Von der Bank kann der Coach in solchen Situationen kaum für neue Impulse sorgen. Einzig Kingsley Coman (kam in der 61. Minute für den schwachen Franck Ribéry) brachte etwas Schwung in die Offensive. Im weiteren Spielverlauf wurden Leon Goretzka (72.) und Renato Sanches (79.) eingewechselt.

Am Spiel änderten die Wechsel nichts. Das Problem war der fehlende Matchplan.

2. Bayern ohne Zentrum

Thiago Alcántara und Javi Martínez bildeten das defensive Zentrum auf der Doppelsechs. Davor sollte James Rodríguez den Kreativpart übernehmen. Gelungen ist das jedoch nicht. Vor allem Martínez nahm am Spielaufbau kaum teil, weil er entweder nicht anspielbar oder zugestellt war. Thiago bot sich hier und da als erste Anspielstation an, spielte in der Folge aber häufig den falschen Ball (Passquote: 83 Prozent).

In der hintersten Linie wurde der Ball meist quer auf Rafinha oder David Alaba gespielt, die ihrerseits jedoch auch keinen zentralen Spieler in freiem Raum finden konnten und so wieder zurückgeben mussten. Das Ergebnis waren jede Menge lange, mittelfeldüberbrückende Bälle von Hummels und Niklas Süle, die den einsamen Robert Lewandowski finden sollten, meist jedoch in Reihen der "Reds" landeten.

Champions League, FC Bayern, Thiago

Champions League, FC Bayern, ThiagoGetty Images

Warum sich Thiago und Martínez nicht in den Raum zwischen die beiden Innenverteidiger fallen ließen, erklärte Kovac so: "Der Gegner attackiert sehr hoch und im hohen Tempo. Man darf nicht in die Mitte spielen, weil dann bei Ballverlust sofort die Post abgeht. Wir wollten über die Außenverteidiger nach vorne spielen, das ist uns nicht so gut gelungen."

Es war also durchaus Vorgabe des Trainers, das Mittelfeldzentrum nicht zum zentralen Baustein im Spielaufbau zu machen. Allerdings beraubte sich Kovac damit auch einer eigenen Stärke und nahm seine Kreativspieler mehr oder weniger selber aus dem Spiel.

" Jürgen Klopp kann gegnerische Stärken hervorragend aus dem Spiel nehmen, das hat er heute wieder geschafft."

Und wie!

3. Lewandowskis erschreckende K.o.-Bilanz

Lewandowskis Name taucht seit Jahren in der Konversation um den besten "Neuner" der Welt auf. Berücksichtigt man die Torquote, die er in der Bundesliga hinlegt, ist das nachvollziehbar. Doch es gibt auch starke Gegenargumente.

Zwar zeigte sich der Pole in der Champions League in dieser Saison treffsicher, erzielte acht Tore in der Gruppenphase und führte damit die Torjägerliste an; in der K.o.-Phase geht der 30-Jährige jedoch meistens leer aus.

Robert Lewandowski bei FC Bayern - Liverpool

Robert Lewandowski bei FC Bayern - LiverpoolGetty Images

Seit nun sieben K.o.-Spielen ist Lewandowski torlos. In fünf Saisons bei den Bayern gelangen ihm erst elf Treffer in der heißen Phase. Dabei traf "Lewy" oft nur gegen vermeintlich kleine Gegner (ein Tor gegen Schachtjor Donezk, zwei Tore gegen Porto, zwei Tore gegen Besiktas).

Gegen Liverpool erwischte er erneut "einen dieser Abende". Keine Bindung zum Spiel, keine besonderen Momente, keine Torgefahr. Was auch an fehlender Unterstützung lag, wie Kovac zugab:

"Liverpool hat uns gut zugestellt, wir haben es nicht geschafft, da ruhig rauszuspielen und Lewy in Szene zu setzen."

Dennoch: Ein einziger Torschuss ist für Lewandowski zu wenig. Ein höchstunglücklicher Auftritt.

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