Domenico Tedesco bringt den FC Schalke 04 wieder auf Kurs
Publiziert 07/11/2018 um 12:10 GMT+1 Uhr
Domenico Tedesco hat die richtigen Reize gesetzt, um den FC Schalke 04 aus der Krise zu führen. Spätestens nach dem überzeugenden 2:0-Sieg in der Champions League gegen Galatasaray Istanbul ist sein Team wieder auf Kurs. Dafür hat sich Tedesco ein paar interessante Dinge einfallen lassen und ist sogar ein Stück von seinen Grundprinzipien abgerückt. Der Erfolg gibt dem 33-Jährigen recht.
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Aus Gelsenkirchen berichtet Andreas Morbach
Domenico Tedesco ging es am Dienstagabend wie einem Galopprennpferd, das in der Startbox ungeduldig darauf wartet, dass die Tür vor ihm aufschwingt und es endlich loslegen kann.
Nach jeder Frage zum rassigen 2:0 seiner Mannschaft gegen Galatasaray Istanbul wollte sich Schalkes Cheftrainer verbal austoben – merkte aber jedes Mal, dass erst mal der Übersetzer an der Reihe ist. Tedesco bremste regelmäßig ab, machte ein entschuldigendes Handzeichen zu dem Mann an seiner Linken. Bis er schließlich darlegen durfte, wie er den Königsblauen den Weg aus der Torwüste gewiesen hat.
Erste Verhaltensregel: Reize setzen
Nur abzuwarten, dass die grassierende Trefferarmut seiner Vizemeister von allein verschwindet, war für den schmalen Deutsch-Italiener keine Option. "Wir haben versucht, das Thema zu trainieren", erläuterte Tedesco. Das beinhaltete viele Einheiten vor dem Videogerät, aber auch Einfallsreichtum bei der praktischen Arbeit. Da rückte Tedesco zum Beispiel in eine Ecke des großen Fußballtors eines dieser winzigen Eishockeytore. Das sollten seine Spieler treffen. Der Motivationsgedanke, der laut S04-Coach dahinter steckt:
Zweite Verhaltensregel: Anpassung akzeptieren
Die größte Pein für einen ehrgeizigen Denker wie Tedesco ist es, in einer Ergebniskrise die eigenen Ideen bis auf Weiteres einmotten zu müssen. "Wenn der Erfolg nicht da ist, musst du einfache Pläne haben und dich am Gegner ausrichten", erkannte Tedesco in der zähflüssigen Startphase der Saison schweren Trainerherzens.
Die heißgeliebte Taktik der Vorsaison, die Gegner nach und nach zu zermürben, hatte erst mal ausgedient. Und soll nun, nach den jüngsten Erfolgen in Pokal (Köln), Meisterschaft (Hannover) und nun auch in der Champions League in überarbeiteter Form ihre Renaissance feiern.
"Mit jedem Erfolgserlebnis kannst du dich mehr und mehr auf dich verlassen. Das ist logischerweise ein besseres Gefühl", sagt Tedesco – der in diesem aufreibenden Herbst nicht zuletzt einen Weg finden musste, möglicherweise aufkeimende Selbstzweifel bei seinen Spielern geschickt wegzumoderieren.
Verhaltensregel drei: Fußballerseelen massieren
Gerade zarte Pflänzchen brauchen die richtige Wasserzufuhr – und Tedescos Geschick im Umgang mit der Gießkanne ist speziell bei den Angreifern Breel Embolo, Mark Uth und Guido Burgstaller zu erkennen. Allen dreien fiel der Gang in die Saison außerordentlich schwer, jetzt aber zahlt sich der Vertrauensvorschuss des Übungsleiters aus: Embolo und Uth offenbarten spätestens mit dem 3:1 gegen Hannover am Wochenende, wozu sie als Offensiv-Duo in der Lage sind. Und auch der österreichische Fußballfilou Burgstaller nimmt zunehmend Fahrt auf.
"Ein bisschen deprimierend" fand die Arbeitsbiene aus Kärnten die Monate August und September. Seit Oktober geht es nun aufwärts, gegen Istanbul brachte Burgstaller die Blau-Weißen dank einer geistesgegenwärtigen Aktion gegen den irrlichternden Gästekeeper Fernando Muslera früh in Führung. "Ein sehr intelligenter Spieler", lobt Teamkollege Daniel Caligiuri den Stürmer aus Austria und sagt:
Ausblick: Mit einem Fuß im Achtelfinale
Auch Neuzugang Salif Sané trägt als Mittelpunkt der Schalker Dreierkette immer mehr zum positiven Trend bei. "Vor allem das Vorwärtsverteidigen hatte er anfangs nicht so drin. Aber das lernt er nicht im Training, sondern auf dem Spielfeld", erklärte Tedesco die Dauereinsätze für den langen Senegalesen – der gemeinsam mit seinen neuen Mitspielern schon mal ein scharfes Auge Richtung Achtelfinale werfen kann.
In Europas Meisterklasse hat S04, am Sonntag zu Gast in Frankfurt, alles in der eigenen Hand: Bei einem Sieg im letzten Heimspiel gegen Schlusslicht Lokomotive Moskau ist das Ticket für die K.o.-Runde sicher gebucht. Für Mittelfeldmann Caligiuri ist das nach neuesten Erkenntnissen aber nicht mehr genug.
Spitzenreiter Porto steht aktuell noch zwei Punkte besser da, in drei Wochen geht’s an die portugiesische Atlantikküste – und der gebürtige Schwarzwälder Caligiuri kündigt an:
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