Zwei Rote Karten, zwei Elfmeter, sechs Tore - Bayern nach Spektakel bei Ajax Gruppensieger

Dank Torjäger Robert Lewandowski und Kingsley Coman hat sich der FC Bayern München als Gruppenerster für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert. Zwei Treffer des Polen und das Tor des Franzosen sorgten für das dramatische 3:3 (1:0) der Münchner im letzten Vorrundenduell der Königsklasse bei Ajax Amsterdam. Thomas Müller flog mit Rot vom Platz.

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Fotocredit: Eurosport

So lief das Spiel:

Erstmalig seit Feburar 2013 unter Jupp Heynckes trat der FC Bayern wieder in drei aufeinanderfolgenden Pflichtspielen mit derselben Startelf an. Weltmeister Mats Hummels musste somit erneut mit einem Platz auf der Bank vorlieb nehmen.
Schon nach 13 Minuten versetzte Robert Lewandowski den leisen Ajax-Hoffnungen auf den Gruppensieg einen ersten Dämpfer. Auf Zuspiel des spielfreudigen Serge Gnabry versenkte der Pole das Leder ganz abgebrüht halbhoch zum 1:0 (13.). Es war Lewandowskis 20. Pflichtspieltor in dieser Saison – kein anderer Spieler in den Topligen Europas kann mehr vorweisen.
Nach knapp einer halben Stunde verpasste Lewandowski seinen zweiten Treffer und scheiterte nach einem Münchener Konter freistehend am starken Ajax-Schlussmann Andre Onana (27.).
In Hälfte zwei drängte ein angriffslustiges Ajax die Bayern tief in die eigene Hälfte zurück und belohnte sich mit dem nicht unverdienten Treffer zum Ausgleich. Dusan Tadic musste Danny van de Beeks Querpass aus einem Meter nur noch über die Linie drücken (61.) - es bedeutete zugleich der Auftakt zu einer spektakulären letzten halben Stunde.
Zunächst schwächten sich die Hausherren mit dem Platzverweis von Maximilian Wöber selbst. Die brutale Grätsche des jungen Österreichers gegen Leon Goretzka konnte mit nur einer Farbe geahndet werden (67.). Die Überzahl der Bayern sollte allerdings nur acht Minuten anhalten. Weil Thomas Müller Gegenspieler Nicolás Tagliafico mit der offenen Sohle am Kopf traf, musste der Weltmeister nach 75 Minuten ebenfalls mit Rot vom Feld.
Kurz darauf brachte Jérôme Boateng den eingewechselten Kasper Dolberg mit einem ungestümen Tackling im Strafraum zu Fall, den anschließenden Strafstoß versenkte Tadic eiskalt in den linken Winkel (82.). Die Euphorie über den bevorstehenden Gruppensieg sollte aber nur fünf Minuten anhalten. Matthijs de Ligt brachte Thiago im Sechzehner zu Fall und Lewandowski markierte vom Punkt den Doppelpack zum 2:2 (87.).
Doch damit nicht genug: Joker Kingsley Coman brachte die Bayern in der 90. Minuten mit einem platzierten Abschluss erneut in Führung, ehe Niklas Süle in der Nachspielzeit mit einem Eigentor den Schlusspunkt auf eine mitreißende Partie setzte (90.+5).

Die Stimmen:

Niko Kovac (Trainer FC Bayern): "Wir haben ein sensationell gutes Spiel gesehen, die Zuschauer sind auf jeden Fall auf ihre Kosten gekommen. Das war Werbung für den Fußball. Wir hatten die klareren Chancen und hätten den Sack viel früher zumachen müssen."
Hasan Salihamidzic (Sportdirektor FC Bayern): "Wir haben heute kein gutes Spiel gemacht. Natürlich sind wir erster in der Gruppe, das ist aber das einzig positive. Wir haben den Ball nicht laufen lassen und uns ganz selten befreien können. Wir haben das Spiel mit der Zeit aus der Hand gegeben und sind kaum aus der eigenen Hälfte gekommen."

Der Tweet zum Spiel: Rekordspieler Müller

Das fiel auf: Untypische Bayern

Gegen ein wild anrennendes Ajax sah sich der FC Bayern von Beginn weg tief in die eigene Hälfte gedrängt und gab den Versuch eines geordneten Ballbesitzspiels früh auf. Die Münchener überließen ganz untypisch dem Gegner das Spielgerät und bauten stattdessen um den eigenen Strafraum ihren Verteidigungswall auf, um bei Ballgewinn überfallartig zu kontern.
Bis zum Platzverweis von Wöber verzeichnete Ajax über 60 Prozent Ballbesitz gegen den deutschen Rekordmeister und deckte zugleich eine Schwäche im Bayern-Spiel auf. Nach Ballgewinnen tief in der eigenen Hälfte spielten die Münchener nur selten strukturiert nach vorne und gaben den Ball durch mangelnde Abstimmung bei Pass- und Laufwegen viel zu schnell wieder ab.

Die Statistik: 10

Erstmals seit 10 Jahren bleibt der FC Bayern in einer Champions-League-Gruppenphase ungeschlagen, letztmals gelang dies 2008/09 unter Jürgen Klinsmann.
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