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Flick-Debüt geglückt: Bayern löst Achtelfinalticket gegen Olympiakos

Flick-Debüt geglückt: Bayern löst Achtelfinalticket gegen Olympiakos

06/11/2019 um 20:48Aktualisiert 06/11/2019 um 21:32

Bayern München hat als erste Mannschaft das Achtelfinale der Champions League erreicht. Im ersten Spiel unter Interimstrainer Hansi Flick gewann der deutsche Rekordmeister 2:0 (0:0) gegen Olympiakos Piräus und löste vorzeitig das Ticket für die nächste Runde. Allerdings offenbarten die Bayern spielerisch erneut Defizite und konnten kaum Selbstvertrauen für das Spiel gegen den BVB sammeln.

So lief das Spiel:

Spiel eins nach der Entlassung von Ex-Bayern-Coach Niko Kovac. Die Münchner traten in der Champions League gegen Olympiakos Piräus an. Von der Leistungs- und Ergebniskrise, die letztlich das Kovac-Aus bedeutete, war der deutsche Rekordmeister in der "Königsklasse" nicht betroffen - der FC Bayern München stand vor dem Heimspiel mit der vollen Punkteausbeute auf dem ersten Platz.

Im Rückspiel gegen die Griechen nahm Interimstrainer Hansi Flick erste personelle Änderungen vor: Javi Martínez, Leon Goretzka und Kingsley Coman rutschten in die Startelf, Philippe Coutinho und Thiago saßen nur auf der Bank. Auffällig war, dass Flick - wie zuletzt Kovac - auf eine Viererkette mit Alphonso Davies, Martínez, David Alaba und Benjamin Pavard setzte.

Die Münchner waren von Beginn an bemüht, gingen vor allem in Person von Thomas Müller sehr nachhaltig und aggressiv ins Offensiv- und Gegenpressing. Sie übernahmen die Spielinitiative und drängten Olympiakos tief in die eigene Hälfte. Das enge Feld spielte den Münchnern allerdings nicht in die Karten. Offensiv fehlte es an Durchschlagskraft: Das Zentrum war dicht, die Flügel nicht belebt genug. Coman und Serge Gnabry waren zumeist auf sich allein gestellt, da Pavard und Davies viel zu selten Offensivläufe anboten.

Insgesamt verzeichneten die Münchner in der ersten Halbzeit lediglich drei Torabschlüsse aus dem Strafraum. Der gefährlichste Versuch gehörte Pavard - sinnbildlich nach einem Standard. Der Außenverteidiger köpfte den Ball nach Hereingabe von Joshua Kimmich aus elf Metern an den rechten Torpfosten (45.).

Im zweiten Durchgang intensivierten die Hausherren das eigene Offensivspiel, suchten mit Pässen in die Schnittstellen den Erfolg. Die erste große Torgelegenheit in der zweiten Halbzeit verzeichneten die Münchner allerdings nach einem Freistoß: Kimmich brachte den Ball in die Mitte, Robert Lewandowski verlängerte und Goretzka scheiterte aus kurzer Distanz an Olympiakos-Torhüter José Sa. Auch Coman und Gnabry versuchten sich immer wieder mit Abschlüssen.

Das Führungstor fiel jedoch nicht und so wurde mit zunehmender Spielzeit auch der Rhythmus der Münchner wieder holpriger. In der Offensive kehrte die Ideenlosigkeit zurück - Piräus bekam weniger Druck und verteidigte das 0:0 deutlich entspannter.

In der 69. Minute schlugen die Münchner schließlich doch zu: Kimmich eröffnete mit einem starken Pass aus dem Zentrum auf die rechte Seite auf Coman. Der Franzose brachte den Ball in die Mitte und fand am ersten Pfosten Lewandowski, der ins kurze Eck einnetzte. Damit traf der Pole in seinem achten Champions League-Gruppenspiel in Folge (13 Tore). Dies gelang zuvor nur Cristiano Ronaldo (neun Gruppenspiele in Folge) und Lionel Messi (acht Spiele).

Mit der Führung im Rücken entspannte sich die Haltung der Münchner, der Ball lief flüssiger - der Zug zum Tor gelang leichter. Den zweiten Treffer legte der deutsche Rekordmeister erst in der 89. Minute nach: Der kurz zuvor eingewechselte Ivan Perišic kam nach Vorarbeit des ebenfalls eingewechselten Corentin Tolisso aus fünf Metern zum Abschluss und schoss den Ball in die Maschen. Das 2:0 - das die Münchner letztlich für das Achtelfinale der "Königsklasse" qualifiziert.

Die Stimmen:

Manuel Neuer (FC Bayern München): "Ich denke, wir haben eine gute Leistung gezeigt, haben unser Spiel hier durchgezogen über 90 Minuten und haben uns die Griechen so zurechtgelegt, wie wir sie haben wollten. Sie mussten viel arbeiten und am Ende sind ihnen die Kräfte ausgegangen, dann haben wir die eine oder andere Chance mehr bekommen und hier verdient gewonnen."

Alphonso Davies (FC Bayern München): "Ich persönlich bin mit meiner Leistung zufrieden. Ich glaube, dass ich defensiv gut gespielt habe. Auch als Team haben wir gut gespielt und uns eine Menge Chancen erarbeitet. Wir hätten nur mehr Tore schießen können."

Andreas Bouchalakis (Olympiakos Piräus): "Wir haben aus unseren Chancen nicht genug gemacht. Wir haben auch nach den Gegentoren nicht gut reagiert. Die Bayern sind ein starker Gegner."

Das fiel auf: Lahmes Flügelspiel

Der FC Bayern München und sein Flügelspiel: Seit Jahren eine Waffe. Gegen Piräus lahmten die Flügel allerdings gewaltig. Coman und Gnabry versuchten zwar immer wieder im direkten Duell den Weg in den Strafraum zu suchen, um das Zentrum zu bedienen oder selbst abzuschließen - scheiterten mit ihren Versuchen jedoch zu häufig. Das lag vor allem daran, dass sich keine Eins gegen Eins-Situationen entwickelten. Coman und Gnabry hatten zumeist mehrere Abwehrspieler gegen sich, da die Münchner Außenverteidiger keinen Gegner banden. Viel zu selten suchten sie Vorstöße über die Außen und hinterliefen ihre Teamkollegen, um den Flügeldruck zu erhöhen.

Mit Kimmich auf dem rechten und Alaba auf dem linken Flügel hat der deutsche Rekordmeister dieses Problem nicht. Beide Akteure sind mit einem Offensiv-Gen ausgestattet, bedienen die Seiten offensiv wie defensiv. Diese Eigenschaft ermöglicht Optionen für die Vordermänner. Gnabry und Coman haben zwangsläufig mehr Platz und weniger Gegnerdruck, können ihre gefährlichen direkten Duelle suchen und so vermehrt für Gefahr sorgen. Mit Davies und Pavard auf den Außenverteidiger-Positionen berauben sich die Münchner diesem spielerischen Mittel.

Der Tweet zum Spiel:

Die Statistik: 9

Die Münchner rissen wahrlich kein Offensivspektakel ab, doch wenn sie in die Offensive kamen, scheiterten sie sehr oft am Olympiakos-Schlussmann José Sá. Der Portugiese hielt insgesamt neun Torschüsse der Bayern. Es war der persönliche Rekord des Keepers, der zuvor maximal vier Torschüsse in der Champions League abwehrte.

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