Eurosport
Kylian Mbappé hält die Fußball-Welt in seinen Händen
Von
Publiziert 25/10/2019 um 18:34 GMT+2 Uhr
Ist er fit, zeigt Kylian Mbappé seine außergewöhnliche Klasse. In Rekordtempo. So wie im Champions-League-Spiel von PSG in Brügge. Der Franzose ist die größte Verheißung des Weltfußballs. Dass Trainer Thomas Tuchel den besten "U21-Torjäger" der Königsklassen-Historie trotzdem nicht immer von Beginn an ran lässt, zeigt Weitsicht. Bei PSG ist alles aufs ultimative Ziel, den Henkelpott, ausgerichtet.
Eurosport
Fotocredit: Eurosport
Lionel Messi hat ein Ritual. Erzielt der Weltfußballer drei Tore in einem Spiel, nimmt er nach Abpfiff den Ball mit nach Hause - wie jeder Dreierpacker. Auch Serge Gnabry sicherte sich das Spielgerät nach seinem Viererpack gegen Tottenham. Nun hat es auch Kylian Mbappé getan: Grinsend malte der 20-Jährige einen Kreis in die Luft und strahlte wenig später über beide Ohren, als er den Spielball von Teamkollege Thiago Silva überreicht bekam.
So geschehen kurz nach dem Schlusspfiff im Jan-Breydel-Stadion. Die Champions-League-Partie zwischen Club Brügge und Paris Saint-Germain war soeben zu Ende gegangen – und Kylian Mbappé hatte wieder einmal gezeigt, warum er die größte Verheißung des Weltfußballs ist. Warum er es ist, der in die Fußstapfen von Messi und Cristiano Ronaldo treten wird.
Es lief die 52. Spielminute, als Thomas Tuchel seinen Stürmer beim Stand von 0:1 für die Gäste einwechselte. Etwa 38 Minuten später prangte ein 0:5 auf der Anzeigetafel. Dreimal traf Mbappé, bei Mauro Icardis zweitem Tor des Abends assistierte er. Nicht minder beeindruckend war die Leistung von Angel di Maria: Seit Wochen spielt der schmale Argentinier in Top-Form, gegen Brügge legte der Linksfuß gleich vier Tore auf. Es läuft beim Tuchel-Team.
Mbappé will es Tuchel zeigen
Mit neun Punkten aus drei Spielen stehen die Franzosen auf Rang eins der Gruppe A. Gegentore? Bislang Fehlanzeige. Der Vorsprung auf Real Madrid beträgt bereits fünf Punkte. Trotz der vielen Verletzten. Zu denen zählte in der jüngeren Vergangenheit auch Mbappé. Der Oberschenkel bereitete dem Supersprinter Probleme. Grund genug für Trainer Tuchel, sein teuerstes Pferd auch mal länger im Stall, sprich auf der Bank, zu lassen. Der Deutsche, bei Fans, Vereinsführung und der Mannschaft nach wie vor beliebt, will den amtierenden Ligue-1-Torschützenkönig behutsam an die Maximalbelastung heranführen.
"Wir haben Kylian nicht ohne Grund zurückgehalten. Er hatte eine Muskelverletzung", erklärte Tuchel. "Er hat gegen Bordeaux und Galatasaray gespielt und danach etwas an seiner Narbe gespürt."
Mbappé selbst gab sich da schon forscher: "Ich wollte von Beginn an spielen und dachte auch, das würde ich. Aber der Trainer hat anders entschieden und das muss ich akzeptieren. Ich wollte zeigen, dass es schwierig ist, mich draußen zu lassen", sagte er nach seiner Gala.
Auf dessen Forderungen antwortete Tuchel nach dem historischen 38-Minuten-Auftritt diplomatisch: "Er will immer spielen und ich will, dass er immer spielt. Wenn er ganz fit ist, spielt er auch über 90 Minuten. Wir wissen, dass er ein entscheidender Spieler sein kann. Das muss er uns nicht mehr beweisen."
Auch als Edeljoker? Die Antwort auf diese Frage gab der Angreifer nicht nur in Brügge, sondern auch im Liga-Spiel bei OGC Nizza: Einwechslung in der 83. Minute, Tor in der 88. und Vorlage in der Nachspielzeit – beeindruckend. Überhaupt, Zahlen: Die sind beim gebürtigen Pariser in allen Belangen herausragend. In Brügge gelang ihm als erstem Spieler seit Villareals Joseba Llorente im Oktober 2008 ein Dreierpack nach Einwechslung.
Mbappé schneller als Messi und Raul
Mit nun 17 Toren ist Mbappé der mit Abstand beste Torjäger der Königsklasse, der noch keine 21 Jahre alt ist. Zum Vergleich: Messi war knapp 22, als er die 15-Tore-Marke knackte. Und klar: Weltmeister und Fußballer des Jahres darf sich der Ex-Monegasse auch nennen. Bundestrainer Jogi Löw zählte ihn übrigens, genauso wie Cristiano Ronaldo, auch in diesem Jahr zu den besten drei Fußballern des Planeten.
Für einen Ex-Mitspieler steht fest, dass Mbappé eher früher als später ganz oben auf diesem illustren Treppchen stehen und Weltfußballer werden wird. „Kylian hat die Welt in seinen Händen. Falls er sich sagt: 'Ich muss den Ballon d’Or in den nächsten zehn Jahren fünfmal gewinnen', dann wird er es schaffen“, verkündete Gianluigi Buffon kürzlich. "Alles hängt allein von ihm ab."
In Paris hoffen sie, dass Mbappé mit seiner außergewöhnlichen Qualität dazu beiträgt, im x-ten Anlauf das große Ziel zu erreichen. Nicht weniger als den Henkelpott soll das Starensemble endlich in die französische Hauptstadt holen. Klappt das – der Spielball aus Brügge wäre nur noch ein persönliches Andenken an ein großes Spiel im Oktober.
Ähnliche Themen
Werbung
Werbung