ManCity: Pep Guardiola kann mit dem Champions-League-Sieg die Saison retten

Keine Meisterschaft, kein FA Cup: Die Saison scheint für Manchester City zur absoluten Nullnummer zu werden, doch es steht ja noch die K.o.-Phase der Champions League vor der Tür. Der Klub wartet noch immer auf den ersten Königsklassen-Erfolg der Klubgeschichte und Pep Guardiola nun auch schon fast eine Dekade auf seinen nächsten Coup. Gerade jetzt bräuchte er den Triumph dringender denn je.

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Neun Jahre. Neun lange Jahre ist es her, dass Pep Guardiola letztmals die Champions-League-Trophäe in die Höhe stemmen durfte, mit einem FC Barcelona, bei dem der Coach des Finalgegners Manchester United öffentlich das Handtuch warf. "Es ist das beste Team, gegen das wir jemals gespielt haben", sagte Sir Alex Ferguson im Anschluss an die Finalniederlage 2011: "Niemand hat uns jemals so verprügelt." Ein Ritterschlag für den jungen Guardiola.
Es folgte ein Jahrzehnt, in dem der Spanier als mutmaßlich bester Trainer der Welt gehuldigt wurde, ohne dabei einmal in der Königsklasse überhaupt das Endspiel zu erreichen. National konnte er mit seinen Klubs hingegen stets überzeugen. Doch das blieb in der bisherigen Spielzeit weitestgehend aus.
Die Titelbilanz der Saison 2019/20: Der Gewinn des Carabao Cups – nach der Meisterschaft und dem FA Cup nur der drittwichtigste Wettbewerbs für Vereine von der Insel. Zu wenig für die Ansprüche des Weltklasse-Trainers. Doch es bleibt ja noch die Königsklasse.

Champions League als Trostpflaster-Deluxe

Mit der Verpflichtung von Guardiola im Jahr 2016 wollte man in Manchester endlich den Traum von dem ersehnten Champions-League-Triumph wahr werden lassen. Doch auch der Katalane scheiterte bisher an dieser Aufgabe. "Ich habe es im ersten Jahr versucht, im zweiten und im dritten. Und ich werde es im vierten Jahr versuchen", gab sich der frühere Bayern-Coach im "DAZN"-Interview tapfer.
Dieser vierte Versuch könnte sein wichtigster werden. Er entscheidet über Fluch oder Segen der Saison, eventuell auch über Guardiolas Zukunft. Denn auch der Coach weiß: "Wenn ich die Champions League nicht gewinne, bin ich gescheitert." Sollte er sie jedoch gewinnen, macht er sich auf einen Schlag unsterblich.
Doch kann es ausgerechnet in diesem Jahr klappen?
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Der Weg ins Finale: Einfacher als er scheint?

Wenn Manchester City Freitagabend im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen Real Madrid im heimischen Etihad Stadion antritt, erleichtert ein 2:1-Polster den Sprung ins Finalturnier in Lissabon.
"Wir haben im Hinspiel ein gutes Ergebnis erzielt. Wir sollten aber nicht zu viel über den Vorteil nachdenken, den wir haben, denn dann werden wir Schwierigkeiten bekommen", warnte der City-Coach vor dem heimtückischen Vorsprung.
Im Viertelfinale würden die Skyblues auf den Sieger der Partie zwischen Juventus Turin und Olympique Lyon treffen. Die Alte Dame verlor das Hinspiel in Frankreich mit 0:1. In der Serie A strauchelte die Bianconeri im Schlussspurt gewaltig, gewann nur zwei der letzten acht Ligaduelle (bei 4 Niederlagen). Kein Grund also für die Citizens, sich zu verstecken. Und gegen Außenseiter Lyon wäre das Guardiola-Team natürlich ohnehin haushoher Favorit.
Im Halbfinale wären der FC Bayern und der FC Barcelona die drohenden Schwergewichte. Die Münchner gelten zwar als Titelfavorit, das bisher letzte Pflichtspiel der Truppe von Hansi Flick datierte jedoch vom 4. Juli. In den Rhythmus können die Münchner zwar am kommenden Samstag (21:00 Uhr) im Achtelfinalrückspiel gegen den FC Chelsea kommen (Hinspiel 3:0 für den FC Bayern). Trotzdem haben die Citizens einen klaren Vorteil bei der Matchpraxis.
Der FC Barcelona offenbarte zuletzt Schwächen, gab im Ligaendspurt gegen Real Madrid noch die Meisterschaft aus der Hand. Zudem kam Barça im Achtelfinalhinspiel gegen den SSC Neapel nicht über ein 1:1 hinaus. Die Katalanen sind in diesem Jahr nicht in ihrer besten Verfassung.

ManCity in Hochform in das Turnier

Insbesondere, da die Mannschaft sich zum Saisonende hin in Hochform präsentiert hatte. Mit mehreren Kantersiegen – inklusive einem 4:0 gegen Meister Liverpool – fegte man die Gegner in der heimischen Liga reihenweise vom Platz.
Zudem ist "das Team, gegen das es in meiner Trainerkarriere am schwierigsten war", wie Guardiola den FC Liverpool erst kürzlich betitelte, bereits aus dem Wettbewerb ausgeschieden. Angstgegner Klopp kann somit nicht mehr in die Quere kommen. Doch ein entscheidender Faktor bleibt wohl Guardiola selbst.

Pep muss menscheln

Denn in den vergangenen Jahren ließ er gegenüber seinen Spielern bekanntlich häufiger die Menschlichkeit und das nötige Charisma vermissen. So urteilte Mario Götze im Interview mit "DAZN" zuletzt: "Die Empathie war nicht so ausgeprägt. Für einen Weltklasse-Trainer gehört auch die dazu." Götzes früherer Bayern-Kollege Xherdan Shaqiri erklärte ebenfalls: "In Bezug auf das, was auf dem Platz passiert, war Guardiola ein sehr guter Trainer. Aber seine Art, mit mir zu kommunizieren, war nicht gut."
Doch das scheint sich mittlerweile geändert zu haben. City-Spielmacher Ilkay Gündogan schwärmte noch im März im Gespräch mit der "Marca" von seinem Teammanager: "Pep hat so viel Charisma, dass man immer mehr als 100 Prozent gibt, nicht nur in Spielen, sondern auch im Training."
Auch Guardiola gab sich zuletzt feinfüliger. "Ich liebe mein Team", sagte er bei "Sky" Anfang Jahres, trotz eines massiven Rückstandes auf den FC Liverpool in der Liga, und nahm erst kürzlich öffentlich den Druck von seiner Mannschaft. Mit Blick auf den Champions-League-Titel betonte er, dass es vor allem "das Wichtigste ist, es zu versuchen."
Ganz neue Töne von dem sonst so verbissenen Fanatiker. Vielleicht die richtigen um den Traum nach neun Jahren wieder zu erfüllen.
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