Das Königsklassenmatch zwischen Gladbach und Donezk war erst seit wenigen Minuten beendet, als sich einige Herren mit lauten, voluminösen Maschinen bereits daran machten, den Rasen im Borussia-Park zu bearbeiten.

Denn die Zeit drängt in diesen Tagen, das Grünflächenpersonal des Rautenklubs musste den Untergrund am Mittwochabend schon für die nächste Partie präparieren – am Samstag gegen Liga-Schlusslicht Schalke.

Champions League
Stindl und Co. wie im Rausch: Gladbach überrollt Donezk erneut
25/11/2020 AM 19:46

Für das Team von Marco Rose und den Gladbacher Rasen ist es nach dem glasklaren 4:0 gegen Schachtjor das dritte Heimspiel in einer Woche.

Und drei Tage später folgt mit Nummer vier das ultimative Highlight in dieser Reihe: Der Besuch von Europa-League-Finalist Inter Mailand. Kaum zu glauben: Gewinnt Gladbach das Heimspiel gegen Inter, ist das Achtelfinale fix.

Schnelldurchlauf in der Meisterklasse

Als die Borussen vor fünf Wochen zum ersten Duell mit den Lombarden über die Alpen reisten, war vor allem Hochachtung vor den Aufgaben in der Champions League mit im Gepäck. Rekordsieger Real Madrid, Inter und dazu Donezk – angesichts dieser herausfordernden Konstellation kommentierte Sportdirektor Max Eberl: "Die Plätze eins und zwei sind ambitioniert. Wir wollen das Beste herausholen und möglichst in Europa überwintern."

Zwei Stunden, nachdem die Rheinländer die Mannschaft von Schachtjor – das Hinspiel in der Ukraine endete 6:0 – dann zum zweiten Mal auseinandergenommen hatten, siegte Real mit 2:0 bei Inter. Damit steht fest, dass Eberls zunächst angepeiltes Ziel, Gruppenplatz drei, bereits nach vier Runden erreicht ist.

Mit einem derartigen Schnelldurchlauf konnte beim Start in Europas Meisterklasse keiner rechnen. Deshalb hat die Borussia, das einzige bislang ungeschlagene Team in der Gruppe, ihre internationalen Ziele nun auch überarbeitet.

Gladbacher DNA zeigt Wirkung

"Wir spielen noch gegen Inter und Real und wissen, was da auf uns zukommt. Aber wir haben es in der eigenen Hand, das Achtelfinale zu erreichen. Die Chance wollen wir wahrnehmen", betonte Cheftrainer Rose. Der gebürtige Leipziger war schon vor dem ersten Anstoß im Giuseppe-Meazza-Stadion von Mailand der angriffslustigste Gladbacher gewesen.

"Wir spielen, um weiterzukommen. Eine andere Zielsetzung würde unserem Charakter widersprechen", warf Rose vor der Jagd auf die Riesen auch die von ihm mitgeprägte DNA der Fohlenelf mit in den Ring.

Die Worte des 44-Jährigen fielen am Niederrhein auf fruchtbaren Boden, seit der ersten Partie bei Inter ist in seiner Mannschaft ein stetiger Reifeprozess zu erkennen. In der Liga gibt es in diesem Herbst, wie zuletzt gegen Augsburg durch viele verschenkte Siege, zwar immer wieder Rückschläge. Auf europäischer Ebene aber hat die Borussia dieses Manko inzwischen abgelegt.

In den ersten Duellen mit den Giganten Mailand und Madrid, die nach jeweils späten Gegentreffern beide 2:2 endeten, zahlte Roses Ensemble noch Lehrgeld. In den zwei Partien gegen Donezk waren die Gladbacher dann von Beginn an hochkonzentriert, ließen nie Zweifel an ihrem Siegeswillen aufkommen.

Breel Embolo trifft per Fallrückzieher gegen Schachtjor Donezk

Fotocredit: Getty Images

Auf die Führungsspieler ist Verlass

"Wir haben so viele Tore gemacht, dass auch keiner mehr ausgleichen konnte", ließ Sportchef Eberl das zentrale Borussen-Thema der vergangenen Wochen nach dem zweiten Kantersieg über Schachtjor mit feiner Ironie einfließen. Für den sicheren Sprung in die K.o.-Runde der Champions League braucht der Bundesliga-Siebte noch einen Sieg. Doch auch ein Remis am kommenden Dienstag gegen Inter dürfte schon weiterhelfen.

Fest steht, dass Gladbacher Führungsspieler wie Christoph Kramer oder Kapitän Lars Stindl ("Wir haben jetzt acht Punkte – warum sollen wir nicht nach dem Bestmöglichen streben?") ihrer Rolle gerade in der Königsklasse regelmäßig gerecht werden. Zudem beherbergt das Überraschungsteam von der niederländischen Grenze widerstandsfähige Typen wie Breel Embolo, die sich nicht so leicht aus der Fassung bringen lassen.

Wie schon gegen Augsburg, vergab der 23-Jährige auch gegen Donezk einige Topchancen – ehe ihm Sekunden vor dem Pausenpfiff ein technisch anspruchsvoller Fallrückzieher zum 3:0 gelang. Wieder typisch Breel, sagen sie jetzt in der Kabine: "Der Schwierigste geht rein, und die Einfachen wieder nicht", sagte Embolo schelmisch über sein Tagwerk. Und es klang, als spräche der frühere Schalker dabei auch im übertragenen Sinn – über Borussias anhaltenden Spagat zwischen nationaler und internationaler Bühne.

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