Er hätte hadern können, sich über den Schiedsrichter aufregen, den Gegner verfluchen oder zumindest vor Wut und Enttäuschung ins TV-Mikro beißen können. Doch Jürgen Klopp zeigte sich nach dem Aus nicht als schlechter Verlierer, sondern ordnete die Situation sachlich ein.
Allen - und vor allem ihm - ist klar: Diese Saison ist extrem schwierig für den FC Liverpool. Und so war es fast schon folgerichtig, dass es im Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid (0:0, Hinspiel 1:3) zwar ein Aufbäumen gab, aber nicht mehr als das. Am Mittwochabend war da kein Wunder, kein Sturm, kein Sound. Anfield und sein Mythos wirken ohne Zuschauer wie eine leere Hülle. Liverpool schreibt aktuell wieder Geschichte.
Doch dieses Mal ist es keine mit Titeln, sondern eine verhältnismäßig traurige von mangelnder Chancenverwertung, Selbstkritik, Ratlosigkeit und müden Beinen.
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Einigermaßen gut gespielt, aber keine Tore. "Ja, das sind ein bisschen wir", gestand sich Klopp selbst ein, als er von Journalisten nach dem "roten Faden" der Saison gefragt wurde.

Zu wenig Torgefahr in der Offensive

Weder Mohamed Salah noch Sadio Mané oder Roberto Firmino, denen Klopp uneingeschränkt Vertrauen entgegenbringt, verströmen genug Torgefahr. Es ist das Kernproblem der Reds. Mané steht bei einem Tor aus den letzten zehn Spielen, Firmino bei einem aus den vergangenen 20. Salahs Quote ist zwar mit 28 Treffern in 44 Partien sehr gut, doch gegen Real versagten auch ihm in besten Situationen die Nerven, wie schon nach zwei Minuten.

Mohamed Salah

Fotocredit: Getty Images

"Wenn du eine dieser Chancen nutzt, dann hast du einen Schlüsselmoment, ein ganz anderes Spiel", weiß Klopp. "Und wir wissen alle, wie oft Mo diese Chancen eigentlich nutzt." Die Offensive scheint ausgebrannt.
Für den Rest der Saison gilt es für Klopp ein Klima zu erzeugen, in dem seine Angreifer noch mal in einen "Flow" kommen, Selbstvertrauen tanken können, um letztlich die für den Verein substanziell bedeutende erneute Qualifikation für die "Königsklasse" zu schaffen. Es wird ein Kraftakt. Ob dieser gelingt, lässt sich sehr schwer prognostizieren.
"Wir werden uns voll darauf konzentrieren. Wir lesen die Tabelle, wir wissen, wie viele Punkte wir haben. Ich denke nicht, dass wir eine schlechte Phase haben. Wir sind aber auch nicht verrückt. Wir bekommen, was wir verdienen", verdeutlicht Klopp.

Liverpool setzt zum Schlussspurt an

Seine Mannschaft ist sieben Begegnungen vor Saisonende auf Platz sechs in der Rolle des Herausforderers. Drei Punkte hinter dem ersehnten Tabellenplatz vier, der die Saison noch einigermaßen retten würde. Selbstläufer gibt es für die Reds nicht mehr, Leeds United - der kommende Gegner - führt in sämtlichen Laufdistanz- und Sprint-Statistiken die Tabelle an. "We will have to run our socks off", kündigte Klopp an, was frei übersetzt so viel heißt wie: Rennen bis die Socken qualmen.

"Wir sind nicht dumm": Klopp über Viertelfinal-Aus gegen Real

Von der Qualifikation für "Königsklasse" hängt wiederum die Planung für die Zukunft ab. Dringend benötigte neue Impulse durch punktuelle Verstärkungen sind nur dann wirklich möglich. Ein Stürmer, der wieder Tore garantiert und ein ebenso torgefährlicher Mittelfeldspieler stehen sicherlich ganz oben auf der Transfer-Wunschliste.
Einen Hauch von Optimismus gibt es immerhin für den finalen Schlussspurt in dieser Saison. Klopp hatte gegen Real einen klaren Plan, seine Spieler folgten diesem. Das spricht für eine intakte Beziehung zwischen Coach und Mannschaft. Und die zuvor belächelte Innenverteidigung mit den beiden ehemaligen Bundesliga-Spielern Ozan Kabak (VfB Stuttgart, FC Schalke 04) und Nathaniel Philipps (VfB Stuttgart) lieferte eindrucksvoll ab.
Während Thiago einmal mehr von Beginn an auf der Bank saß, zeigte James Milner, dass auf seine kämpferische Qualität weiterhin Verlass ist. Er kann das Team in den verbleibenden Spielen möglicherweise anführen.
Seine Mentalität passt zum Versprechen, das Klopp am Mittwochabend abgab: "Wir werden kämpfen, kratzen, beißen. Machen, was immer für die Champions League notwendig ist."
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