Pep Guardiola küsste seine Medaille für den Zweitplatzierten, als er nachdenklich am Champions-League-Pokal vorbei schlenderte. Er war diesem vermaledeiten Henkelpott erneut vergeblich hinterher gejagt - und doch schien der Star-Trainer von Manchester City ganz mit sich im Reinen zu sein. Kritik an seiner Aufstellung fegte er selbstbewusst beiseite und flüchtete sich in positive Gedanken.
"Es ist eine außergewöhnliche Saison für uns. Heute sind wir traurig, aber mit der Zeit werden wir analysieren, wie außergewöhnlich das war", sagte der Katalane nach dem 0:1 (0:1) im englischen Finale von Porto gegen den FC Chelsea. Der von vielen Experten als bester Trainer der Welt verehrte Guardiola hat Europas Fußball-Thron seit zehn Jahren nicht mehr besteigen dürfen.
2009 und 2011 waren seine Triumphe in der Liga der Besten, beide mit dem FC Barcelona. Bei Bayern München und City sammelte er fleißig nationale Titel, in oberster Riege schielt aber jeder Trainer auf den Pokal mit den großen Ohren. Nach dem bitteren Abend erntete Guardiola folglich auch Kritik.
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"Der verrückte Dirigent sieht, wie der Champions-League-Traum zerfällt", schrieb der Guardian. The Independent titelte: "Ein umwerfender Thomas Tuchel lässt Guardiola mit sämtlichen Fragen zurück." Jene Fragen drehten sich nach dem Spiel vor allem um Citys Aufstellung. Mit Raheem Sterling, Kevin De Bruyne, Riyad Mahrez, Phil Foden und Bernardo Silva brachte Guardiola reichlich Offensiv-Power. Selbst Chelsea-Coach Thomas Tuchel war überrascht: "Wir haben erwartet, dass Fernandinho spielt. Er hat eine sehr offensive Aufstellung gewählt", sagte er.

Kein Durchkommen gegen Abwehrchef Rüdiger und Co.

Guardiolas Überfall-Idee zündete jedoch nicht. Im ersten Durchgang kamen die Citizens kaum hinter die von Chelseas Abwehrchef Antonio Rüdiger perfekt organisierten Linien, im Rückwärtsgang waren sie für Konter anfällig. Kapitän und Stabilisator Fernandinho kam erst in der 64. Minute. "Ich habe getan, was für das Team am besten ist", sagte Guardiola.
Trotz aller Erklärungsversuche steht am Ende die Niederlage. Und die Kritik. Schon beim FC Bayern (2013 bis 2016) musste sich Guardiola Ähnliches anhören, weil er nie über das Champions-League-Halbfinale hinaus kam. Ihn jedoch ausschließlich an der Königsklasse zu messen, wäre auch nicht fair: In fünf Jahren in Manchester gewann er acht Titel, davon dreimal die Premier League.
Gerade erst kürten sich die Citizens mit zwölf Punkten Vorsprung erneut zum Meister, mit erdrückendem Fußball trieben sie ihre Gegner zur Verzweiflung. "Es war eine Saison mit 62 Spielen, wir haben 61 gespielt. Wir sind ins Champions-League-Finale gekommen, für uns ist das wirklich gut", sagte er.
Was Guardiola fehlt, ist ein echter Torjäger. Im Finale gab der später weinend ausgewechselte Kevin De Bruyne die falsche Neun - es war keine Offenbarung. Dass mit dem starken Ilkay Gündogan (17 Pflichtspieltore) ein Mittelfeldspieler Citys bester Angreifer ist, spricht Bände.

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Dazu verlässt Klub-Ikone Sergio Aguero nach zehn Jahren den Verein. Erling Haaland von Borussia Dortmund und Tottenham Hotspurs Kapitän Harry Kane gelten als Wunschkandidaten. Doch damit beschäftigt sich Guardiola erst nach dem Urlaub: "Ich will mit meiner Familie nach Hause gehen, ich habe sie lange nicht gesehen."
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(SID)

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