Unmittelbar nach dem Schlusspfiff des niederländischen Schiedsrichters Danny Makkelie dröhnten drei kurze, laute Jubelschreie durch den Borussia-Park. "Yeah, yeah, yeah!", kreischte Romelu Lukaku voller Begeisterung über den Sieg seiner Mannschaft in den niederrheinischen Nieselregen. Dabei stürmte der bullige Angreifer von Inter Mailand bereits Richtung Spielertunnel – und bekreuzigte sich noch rasch, ehe er im Stadioninneren verschwand.
Der 3:2-Erfolg in Gladbach bescherte den bis dahin sieglosen Lombarden in der Champions League eine Wiederauferstehung im allerletzten Moment. Schon bei einem Remis wären die stolzen Italiener ausgeschieden gewesen – und hätten im nächsten Jahr nicht mal in der Europa League, in der sie in der Vorsaison noch das Finale erreichten, weiterspielen dürfen.
Nun steht ihnen bei einem abschließenden Heimsieg über Schachtjor Donezk sogar das Tor ins Achtelfinale der Königsklasse wieder offen. Sofern sich Real Madrid und Gladbach im Parallelspiel nicht die Punkte teilen.
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UPDATE 02/12/2020 UM 09:33 UHR

Doppelter Showdown in Madrid und Mailand

Der Borussia genügt in der spanischen Metropole am kommenden Mittwoch definitiv ein Remis, um erstmals in der Klubgeschichte die K.o.-Runde in der Champions League zu erreichen. Die Königlichen aus Madrid hingegen, Rekordsieger des Wettbewerbs, wären in diesem Fall ausgeschieden, sollte Donezk in Mailand zeitgleich zumindest unentschieden spielen.
Die Ausgangslage für den doppelten Showdown in der nächsten Woche ist also knifflig. Oder wie Gladbachs Trainer Marco Rose es ausdrückte: "Fußballherz, was willst du mehr?!"

Gladbach: Qualitäten zeigen, wenn’s nötig ist

Das vorweihnachtliche Drama auf internationaler Bühne hätten sich die Borussen allerdings auch gerne erspart. Entsprechend engagiert diskutierte Rose nach Spielschluss mit Mijnheer Makkelie über den Treffer des Franzosen Alassane Pléa zum vermeintlichen 3:3, dem der Referee per Videobeweis die Anerkennung verweigert hatte. Nach Makkelies Einschätzung versperrte Gladbach-Stürmer Breel Embolo Mailands Torwart Samir Handanovic in dieser Szene auf unzulässige Weise die Sicht – oder nahm durch seine eindeutige Aktion wenige Meter vor der Torlinie Einfluss auf das Spiel.
Die Meinungen über Makkelies Entscheidung gingen naturgemäß auseinander. Unstrittig dagegen war, dass Gladbach einer europäischen Top-Mannschaft unterlag, die ihre Qualitäten zeigte, als es am dringendsten geboten war. In Madrid wird die Ausgangslage in der nächsten Woche dieselbe sein. Und darauf, dass Real seine jüngsten Schwierigkeiten in der Liga und in der Champions League auch in diesem Hopp-oder-top-Spiel nicht über Bord werfen kann, sollte sich die Fohlenelf auf keinen Fall verlassen.

Schmerzhafte Lektionen für Borussia

Schon beim 2:2 im ersten Duell waren die Madrilenen in einer vertrackten Lage, raubten der Rose-Elf mit zwei späten Toren aber trotzdem noch den Sieg. "Wir haben gegen eine große Mannschaft gespielt und wir wissen, dass große Teams niemals vor dem Ende aufhören zu spielen", kommentierte damals Marcus Thuram – der nun vor Lukakus 2:1 gegen Inters ebenso rustikal wie clever attackierenden Spieler im Mittelfeld den Ball verlor.
Die Gladbacher haben sich in den ersten fünf Partien in Europas Meisterklasse erkennbar weiterentwickelt, bekamen von den Großen der Branche aber auch einige schmerzhafte Lektionen erteilt. Die vom Dienstag gegen Mailand bezeichnete Florian Neuhaus als "wahnsinnig bitter", der Nationalspieler schwor seine Teamkollegen aber auch direkt auf einen finalen Kraftakt ein: "Wir haben noch ein Spiel. Da wollen wir alles raushauen, und dann machen wir es eben gegen Real fest."

Nach Pleite gegen Inter: Rose schießt gegen Schiedsrichter

Ärger, aber kein Selbstmitleid bei Gladbach

Einen Hinweis, wie sie ihre anspruchsvolle Gruppe tatsächlich auf Platz eins oder zwei abschließen könnten, gab nach der Niederlage bei Donezk gerade einer von Neuhaus' Mitstreitern in der DFB-Auswahl. "Es ist schwer für uns, wenn unsere Gegner den ersten Treffer erzielen", analysierte Real-Regisseur Toni Kroos nach der zweiten Pleite gegen Schachtjor.
Im Borussia-Park wünschte Marco Rose Schiedsrichter Makkelie zwei Stunden später leicht süffisant "Frohe Weihnachten", kontraproduktivem Selbstmitleid wollte sich der 44-Jährige aber nicht hingeben. "Wir haben wieder gezeigt, dass wir da sind in der Gruppe", betonte Gladbachs Chefübungsleiter deshalb auch – und blickte angriffslustig nach vorne:
Nun müssen wir halt in Madrid das Ding zumachen.
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