Die erste Spielertraube bildete sich um Stürmer Breel Embolo.

Am Spielfeldrand stellte der Schweizer seinen Smartphone-Bildschirm zur Verfügung, doch je mehr Spieler und Betreuer sich dem Pulk anschlossen, umso sichtbarer wurde das Problem: Mit einer Bildschirmdiagonale von 15,40 Zentimetern (iPhone 11) wird das nix.

Champions League
Nervenkrimi in Madrid: Gladbach trotz Pleite bei Real im Achtelfinale
09/12/2020 AM 22:06

Doch wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. So dauerte es nicht lang, bis irgendjemand zum Held des Abends avancierte, ein iPad samt Stativ-Halterung aufgetrieben und vor der Gladbacher Ersatzbank platziert hatte. Endlich eine Mattscheibe, die dem, was folgen sollte, rein von der Größe her schon eher gerecht wurde.

Denn auf dem Bildschirm war das Livebild aus dem Giuseppe-Meazza-Stadion zu sehen. Im Parallelspiel der Gruppe B duellierten sich Inter Mailand und Schachtjor Donezk und entschieden über das Schicksal der in Madrid eigentlich geschlagenen Gladbacher.

Kramer: "Supergeiler Moment für die ganze Mannschaft"

Die Ausgangslage war also klar: Bringt diese Partie einen Sieger hervor, spielt die Borussia im kommenden Kalenderjahr Europa League, bei einem Remis ziehen die "Fohlen" zum ersten Mal in ihrer Geschichte ins Achtelfinale der Champions League ein. Spoiler-Alert: Es reichte. Inter und Donezk spielten 0:0 - und in Madrid brachen sämtliche Dämme.

Christoph Kramer schildert die bangen Minuten im Kreise der Kollegen vor der Ersatzbank so: "Auf dem Platz haben wir es gar nicht mitbekommen. Ich bin dann ausgewechselt worden in der 86. Minute, da habe ich gehört, dass es noch 0:0 steht. Klar hoffst du dann, das ist ganz normal. Als dann vier Minuten Nachspielzeit angezeigt wurden, dachte ich: 'Oh, das ist aber lang'. Am Ende wurden es sogar acht. Als dann endlich Schluss war, das war ein supergeiler Moment für die ganze Mannschaft. So Momente bleiben hängen. Und dann bricht es halt mal so aus, wie es ausgebrochen ist."

Als sich die kollektive Anspannung löste, stand die Borussia ganz offiziell zum ersten Mal seit der Saison 1977/78, damals noch im Europapokal der Landesmeister, wieder in der K.o.-Runde des wichtigsten europäischen Vereinswettbewerbs. Zum ersten Mal also seit Bestehen der UEFA Champions League. Für Trainer Marco Rose war die enttäuschende Leistung, die seine Mannschaft beim 0:2 in Madrid soeben dargeboten hatte, daher zweitrangig.

Gladbacher Jubeltraube nach Achtelfinal-Einzug

Fotocredit: Getty Images

"Der Abend war lange sehr zäh, weil wir heute schon viel Lehrgeld gezahlt haben. Wir haben gegen ein starkes Real Madrid wenig auf den Platz bekommen und sehr verdient verloren", gab der 44-Jährige nach dem Spiel unumwunden bei "DAZN" zu, schob dann aber den entscheidenden Punkt seiner Analyse nach: "Wir sind absolut verdient im Achtelfinale. Wir haben acht Punkte geholt, konnten gegen jede Mannschaft in der Gruppe punkten. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, freue mich unglaublich für Fans und Verein, dass wir so etwas schaffen konnten als Borussia Mönchengladbach."

Stindl spricht von "kleinem Wunder"

Kapitän Lars Stindl befand sich ebenfalls im siebten Himmel, wirkte im Interview fast ungläubig. "Wahnsinn, Wahnsinn", begann er seine Gefühle mit beseeltem Blick zu schildern. "Wir machen heute unser schlechtestes Spiel in der Vorrunde und kommen trotzdem weiter. Ich glaube, das haben wir uns verdient. Wir hatten ein iPad mit Liveschalte nach Mailand - da ging's dann noch mal sieben, acht Minuten. Wir haben alle mitgezittert und uns riesig gefreut, als der Schiri abgepfiffen hat. Dass wir uns in einer Gruppe mit diesen Topmannschaften fürs Achtelfinale qualifiziert haben, ist herausragend. Wir sind alle froh, dass wir das kleine Wunder geschafft haben."

In der Tat hatten die allermeisten Experten den Gladbachern in einer Gruppe mit Real, Inter Mailand und Schachtjor Donezk lediglich Außenseiterchancen auf den Einzug in die K.o.-Runde eingeräumt. Die gezeigte Leistung zum Gruppenabschluss hinterließ dann auch eben diesen Eindruck. "Wenn man gegen Real nicht mit Überzeugung gegen und mit dem Ball arbeitet, dann wird’s schwierig", kritisierte Rose und verdeutlichte, wo die Probleme im Spiel der Gladbacher lagen:

"Wir hatten zu große Abstände, haben uns zu oft verlagern lassen. Wir waren immer in Unterzahl auf den Flügeln und haben dann in der Box zwei einfache Gegentore bekommen. Wir können die Leistung heute sehr gut einordnen, sind alles andere als zufrieden mit dem, was wir auf den Platz gebracht haben."

Rose richtet den Blick schon aufs Achtelfinale

Natürlich wusste auch Kramer, dass Gladbach "unterm Strich heute keine Chance" hatte, allerdings ließ sich der Weltmeister von 2014 die Laune dadurch nicht verderben: "Wir haben acht Punkte in einer unfassbar schweren Gruppe geholt, haben Borussia Mönchengladbach sehr teuer verkauft - mit Leistungen und Ergebnissen. Wir können sehr stolz darauf sein, was wir erreicht haben."

Am kommenden Montag, am 14. Dezember (ab 12:00 Uhr im Free-Livestream bei Eurosport.de), werden die Achtelfinal-Paarungen traditionell im schweizerischen Nyon ausgelost. Eine Kugel wird dann das Zettelchen mit dem Namen Borussia Mönchengladbach in sich tragen. "Wir bekommen jetzt noch einmal die Chance, uns auf diesem hohen Niveau zu messen, uns zu beweisen", freute sich Rose auf das, was kommt und schärfte zum Abschluss gleich schon mal die Sinne.

"Wir wollen gut vorbeireitet sein. Das heute nehmen wir in die Zukunft mit. Ich wünsche mir, dass wir uns weiterentwickeln und daraus lernen."

Wer weiß, was für diese Gladbacher dann noch drin ist!?

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