Pep Guardiola brach mit seiner eigenen Tradition der letzten Jahre und verzichtete in diesem wichtigen Spiel auf Experimente. Überraschend war dennoch die Hereinnahme von Fernandinho, der den starken Rodrigo auf die Bank verdrängte. Auf der linken Abwehrseite erhielt Oleksandr Zinchenko den Vorzug vor João Cancelo.
Die größte Überraschung gab es in der Startelf der Pariser. Kylian Mbappé wurde nach Wadenproblemen nicht rechtzeitig fit und nahm nur auf der Bank Platz. Der Weltmeister wurde durch Mauro Icardi ersetzt. Im Vergleich zum Hinspiel kamen zudem Abdou Diallo und Ander Herrera für Idrissa Gueye (Rotsperre) und Mitchel Bakker (Bank).
Der erste Aufreger auf schneebedecktem Rasen sollte nicht lange auf sich warten. Referee Björn Kuipers zeigte bereits nach sieben Minuten auf den Punkt, nachdem Zinchenko den Ball an die Schulter bekam. Nach Ansicht der Videobilder nahm der Niederländer die Entscheidung zurück.
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Paris agierte mit viel Leidenschaft, wurde jedoch eiskalt erwischt. Nach einem weiten Ball von Ederson war Zinchenko gegen die hochstehende PSG-Abwehr frei durch. Den Angriff vollendete Riyad Mahrez zum 1:0 (11.). Danach ließ es City überraschend ruhig angehen und hätte beinahe die Quittung dafür kassiert. Doch Marquinhos (17.) und Ángel Di María (19.) trafen nur die Latte bzw. setzten den Ball knapp daneben.
In der Folgezeit hatten die Franzosen mehr Ballbesitz, es fehlte jedoch an Durchschlagskraft und Präsenz im Zentrum. So mussten immer wieder Angriffe abgebrochen und über Keylor Navas neugestartet werden. So ging die Halbzeitführung für City, das viele Fehler im Spiel hatte und sehr passiv agierte, in Ordnung.
Auch in den zweiten 45 Minuten sah man ein ähnliches Bild: Beide Teams lieferten sich ein ausgeglichenes Duell mit vielen Fehlern und mehr Ballbesitz für PSG, das aus der optischen Überlegenheit kein Kapital schlagen konnte.
Ganz anders City: Die Hausherren machten mit einem Konter zum 2:0 durch Riyad Mahrez (63.) den Deckel drauf. Danach brannten bei den Franzosen die Sicherungen durch. Di María flog nach einer Tätlichkeit gegen Fernandinho, dem er am Spielfeldrand auf den Fuß trat, vom Platz (69.). Weitere Spieler bettelten in der Folge um eine Verwarnung, fünf Gelbe Karten folgten.
In Unterzahl kam von PSG gar nichts mehr. City ging in der Schlussphase auf das 3:0, Phil Foden traf nur den Pfosten (77.). So durfte auch noch City-Legende Sergio Agüero in den letzten Minuten ran. Der Argentinier verlässt den Verein nach zehn Jahren.
Manchester City steht damit zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte im Finale der Champions League. Dieses steigt am 29. Mai in Istanbul. Die Sky Blues können am Samstagabend (18:30 Uhr im Liveticker) zudem gegen Chelsea die Meisterschaft fix machen. Paris spielt am Sonntag (21:00 Uhr) bei Stade Rennes um wichtige Punkte in der Ligue 1, in der man hinter dem OSC Lille derzeit nur Zweiter ist.
Guardiola steht nach zehn Jahren mal wieder im Champions-League-Finale, dem er mit dem FC Bayern München (2013-2016) und in seinen ersten vier Spielzeiten bei ManCity erfolglos hinterher gelaufen war. Mit dem FC Barcelona hatte der Katalane 2009 und 2011 die Königsklasse gewonnen.

Stimmen zum Spiel:

Pep Guardiola (Trainer Manchester City): "Ich bin unglaublich stolz. Wir sind im Champions-League-Finale, wir sind kurz davor den Premier-League-Titel zu gewinnen. PSG hat Barcelona rausgeworfen, hat Bayern rausgeworfen. Wir haben viel gelitten, wir sind es nicht gewohnt, so tief zu verteidigen. Aber in der zweiten Halbzeit haben wir unser Pressingverhalten verändert, das hat mir besser gefallen. Dann hatten wir Neymar mehr im Griff, die Bälle kamen nicht mehr zwischen unsere Linien. Natürlich waren wir glücklich, dass Mbappé heute nicht gespielt ha​t. Wenn er in der Tiefe Platz hat, ist er nicht zu stoppen. Aber wir haben zusammen gelitten, zwei schöne Tore geschossen und sind im Finale. Wir hätten heute auch rausfliegen können, ganz ehrlich. Dieser Erfolg ist dadurch begründet, was wir in den letzten vier Jahren geschafft haben. Wir stehen verdient im Finale."
Mauricio Pochettino (Trainer PSG): "Wir haben das Spiel gespielt, das wir geplant hatten. Wir haben gut angefangen, wollten uns Chancen kreieren und haben City dominiert in der Anfangsphase. Wir hatten nicht das nötige Glück und dann waren sie unglaublich effektiv vor unserem Tor. Wir haben hoch gepresst, genau in dieser Situation spielen sie einen langen Ball und treffen. Glückwunsch an Manchester City. Ich bin auch stolz auf mein Team. Wir haben fantastische Arbeit geleistet, wir haben zu zehnt zwei Top-Spiele gemacht, waren 45 Minuten in Unterzahl. Wir waren immer im Spiel. Es war nicht unsere Nacht. Dass Mbappé nicht spielen konnte, kann keine Entschuldigung sein. Natürlich wollen wir alle Spieler auf höchstem Niveau haben, aber das ist keine Entschuldigung."
Riyad Mahrez (Manchster City): "Wir waren nicht so dominant, aber wieder so effektiv wie im Hinspiel. Wir haben in den wichtigen Momenten die Tore gemacht und waren sehr solide hinten. Ich weiß nicht, ob das meine beste Saison ist. Aber es stimmt, dass ich in den wichtigen Spielen in dieser Saison getroffen habe und es freut mich, dass ich der Mannschaft helfen kann. Nun wollen wir das Finale natürlich gewinnen."

Das fiel auf: Paris hat erneut die Emotionen nicht im Griff

Schon im Hinspiel gingen mit den Parisern die Gäule durch, als sie in Rückstand nicklig und unfair wurden und Gueye zu Recht die Rote Karte sah. Auch im Rückspiel hatten sich die Franzosen nicht im Griff. Di Marías Rote Karte nach dem 2:0 war dabei der Höhepunkt. In der Schlussphase bettelten zudem Marco Verratti, Presnel Kimpembe und Danilo Pereira um einen vorzeitigen Feierabend. Manchester machte in beiden Duellen den reiferen Eindruck und ließ sich nie aus der Ruhe bringen.

Tweet zum Spiel:

Riyad Mahrez war mit dem 1:0 der Dosenöffner für Manchester City. Ausgerechnet der Algerier, der im Pariser Vorort Sarcelles aufwuchs, war in beiden Matches gegen PSG der spielentscheidende Mann. Mahrez hat zudem einen absoluten Lauf: in den letzten fünf CL-Einsätzen für die Citizens erzielte er vier Tore und bereitete zwei weitere vor.

Die Statistik: 7

Das 2:0 über Paris ist gleichbedeutend mit dem siebten Sieg in Folge von Manchester City in der Königsklasse - ein neuer Rekord im englischen Fußball. Überhaupt spielen die Sky Blues eine überragende Champions-League-Saison mit insgesamt elf Siegen und einem Remis aus zwölf Spielen.

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