Tuchel lachte ausgelassen und herzte seinen Abwehrturm Antonio Rüdiger mit einer dicken Umarmung. Sichtlich gelöst feierte der noch unbesiegte Teammanager des FC Chelsea den ersten Einzug unter die besten Acht Europas seit gefühlter Ewigkeit - und auch für ihn war es ein persönlicher Sieg: Mit dem besten Start eines Blues-Coaches überhaupt verwandelte Tuchel einen geldverbrennenden Krisenklub in einen Anwärter auf den Champions-League-Titel.
Verloren hat Tuchel in Blau noch nie und er ist nun sogar erfolgreicher als Luiz Felipe Scolari, der zu Beginn seiner kurzen Ägide 2008 zwölf Mal unbezwungen blieb. Obendrein führte Tuchel Chelsea erstmals seit sieben Jahren wieder ins Viertelfinale der Königsklasse.
Dort ist nun alles möglich, am Freitag steht die Auslosung an. "Wir sind jetzt im Topf und ich bin sicher, dass keiner gegen uns spielen will", sagte Tuchel: "Das ist ein großer Schritt, von hier an machen wir weiter und wir brauchen keine Angst haben." Eventuell winkt ein Duell mit Ex-Klub Borussia Dortmund oder - noch pikanter - mit Paris St. Germain, das Tuchel in der Gruppenphase selbst noch betreut hatte, bis er im Dezember geschasst wurde.
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Vielleicht war es Schicksal. Nur so konnte Tuchel im Januar Frank Lampard bei Chelsea beerben. Damals war der Klub bis auf Rang neun der Premier League abgestürzt und niemand träumte ernsthaft von Silberware in dieser Saison. Tuchel schaffte die Wende in Rekordzeit. Zuerst reparierte er die Abwehr, indem er unter anderem dem bei Lampard lange abgeschriebenen Rüdiger zu neuer Stärke verhalf.
Dieser dankte es ihm am Mittwoch gegen Atletico mit der nächsten Weltklasse-Leistung. Chelsea hat unter Tuchel bislang lediglich zwei Gegentore kassiert und steht gegen den Ball so stabil, dass es fast angsteinflößend ist.

Angriff im Aufwind gegen Atletico Madrid

Tuchel wolle dabei, so meinte er, "das Spiel auf ein physisches Level bringen, wenn wir uns nicht ständig offensiv Chancen herausspielen". Denn der Angriff ist durchaus noch ein Manko.
Kai Havertz (80 Millionen Euro/Bayer Leverkusen), Timo Werner (53 Millionen/RB Leipzig) und Hakim Ziyech (40 Millionen/Ajax Amsterdam) kämpften nach ihren Wechseln nach London im vergangenen Sommer mit ganz unterschiedlichen Problemen.
Gegen Atletico stellte Tuchel sie alle in die Startelf und nach gemeinsamer Vorarbeit von Havertz und Werner traf dann Ziyech (34.). Tuchel befand danach:
Es war natürlich schön zu sehen, dass unsere Offensivspieler in diesem Spiel wichtig waren."
Zur Wahrheit gehört aber auch, dass vor allem Pässe auf Werner und Havertz, wenn diese in die Tiefe starten, noch zu unregelmäßig ankommen - und daher aussichtsreiche Torchancen für das deutsche Duo gar nicht erst entstehen.
Tuchel, der anmahnte, dass sein Team Atletico auch 4:0 oder 5:0 hätte schlagen können, forderte:
Wir müssen in Sachen Entscheidungsfindung bei den Kontern präziser und abgezockter werden."
Für einen Trainer wie ihn gibt es eben immer Luft nach oben.
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(SID)

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