Das Gelbe U-Boot war noch vor einer Woche auf Tauchstation gegangen, hatte beim 0:2 an der Anfield Road keinen einzigen Schuss auf das gegnerische Tor abgefeuert. Im Vergleich zum Hinspiel riskierte Villarreal-Chefcoach Unai Emery etwas, brachte neben dem wieder genesenen Gerard Moreno auch Boulaye Dia für die Offensive.
Diese Maßnahme sollte sich nach bereits nach 180 Sekunden bezahlt machen: Eine scharfe Flanke von Pervis Estupinán segelte an den zweiten Pfosten, wo Etienne Capoue die Kugel selbstlos zum noch besser postierten Dia querlegte. Dieser erzielte aus kürzester Distanz seinen ersten Champions-League-Treffer (3.).
Die Hausherren blieben auf dem Gaspedal, kamen durch Moreno (14.) zu einer weiteren vielversprechenden Chance. Die Schulter von Reds-Verteidiger Andrew Robertson verhinderte Schlimmeres in dieser Szene.
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Villarreal-Star legt gegen Bayern nach: "Dachte, dass sie gelernt hätten"
UPDATE 26/04/2022 UM 08:04 UHR
Liverpool brauchte eine gute halbe Stunde, um in die Partie zu finden, musste aber kurz vor der Pause noch den Gegentreffer zum 0:2 durch den Ex-Freiburger Francis Coquelin hinnehmen.
Wieder war es Capoue, der einen starken Diagonalball von Pau Torres unter Kontrolle brachte. Die Hereingabe des Mittelfeldakteurs erreichte schließlich Coquelin am zweiten Pfosten. Weil auch Trent-Alexander Arnold geschlafen hatte, köpfte der Franzose zu seinem ersten Champions-League-Tor ein (41.).
Nach der Pause reagierte Jürgen Klopp, brachte Luis Díaz für den unauffälligen Diogo Jota. Der LFC erhöhte dann nach Wiederanpfiff sukzessive die Schlagzahl und belohnte sich schließlich in der 62. Spielminute.
Ein simpler Doppelpass zwischen Fabinho und Mohamed Salah hebelte die letzte Defensivreihe der Spanier aus. Aus spitzem Winkel tunnelte der Brasilianer Keeper Gerónimo Rulli - sehr unglücklich für den Villarreal-Schlussmann.
Nur fünf Minuten später war es der starke Díaz, der den Ausgleich bescherte. Alexander-Arnold durfte ungestört flanken und Díaz hatte keine Probleme, den Ball aus kürzester Distanz ins Tor zu köpfen (67.) - zwei weitere Liverpool-Spieler standen frei.
Eine Viertelstunde vor Schluss machte Sadio Mané schließlich alles klar. Nach einem weiten Schlag von Naby Keita stürmte Villarreal-Keeper Rulli aus dem Kasten. Statt dem Ball erwischte der Schlussmann nur Luft – Mané schob mühelos zum 3:2 ins leere Tor ein.
Der FC Liverpool trifft damit im Endspiel am 28. Mai im Stade de France auf Manchester City oder Real Madrid und darf weiter vom historischen Quadruple träumen. Bereits im Februar hat der Traditionsklub den Ligapokal gewonnen. Im FA Cup wartet im Endspiel am 14. Mai der FC Chelsea, in der Premier League liegen die Reds nur einen Punkt hinter Tabellenführer Manchester City.
Für Teammanager Klopp ist es nach der Niederlage 2018 (1:3 gegen Real Madrid) und dem Triumph 2019 (2:0 gegen Tottenham Hotspur) bereits die dritte Endspielteilnahme mit Liverpool in der Champions League und seine vierte insgesamt (2013 mit Borussia Dortmund 1:2 gegen den FC Bayern).
Europa-League-Sieger Villarreal darf dennoch mit Stolz auf die Saison in der Königsklasse zurückblicken. Vor dem FC Bayern München (1:0, 1:1) hatte die Mannschaft von Trainer Unai Emery im Achtelfinale den italienischen Rekordmeister Juventus Turin (1:1, 3:0) ausgeschaltet.

Die Stimmen zum Spiel:

Jürgen Klopp (Trainer FC Liverpool): "Villarreal war in der ersten Halbzeit unglaublich, sie waren aggressiv. Wir haben nicht gekämpft und haben nur den langen Ball gesucht. Wir haben den Druck gespürt, dann haben wir guten Fußball gespielt und das Spiel verdient gewonnen."
Unai Emery (Trainer FC Villarreal): "Die erste Halbzeit lief wie in unseren kühnsten Szenarien ausgemalt. Trotzdem brauchten wir noch mehr. Wir hätten defensiv das perfekte Spiel spielen müssen - das ist uns nicht gelungen. Ohne Gerard Moreno (früh angeschlagen, in der 70. ausgewechselt, Anm. d. Red.) war es schwer für uns. Liverpool hat in der zweiten Halbzeit wirklich beeindruckend gut gespielt."
Raúl Albiol (FC Villarreal): "Wir haben für die Fans gekämpft und es tut uns weh. Wir haben uns großartig verkauft. Es ist eine traurige, aber unvergessliche Nacht für den ganzen Verein."
Mohamed Salah (FC Liverpool): "Ich will Real Madrid im Finale haben. Sie haben uns 2018 im Finale geschlagen, also wäre es schön, unsere Revanche zu bekommen."
Gerard Moreno (FC Villarreal): "Ich denke, die Leute sollten stolz auf dieses Team, auf dieses Wappen, auf diesen Klub sein. Wir verabschieden uns erhobenen Hauptes aus diesem Turnier."
Trent Alexander-Arnold (FC Liverpool): "Wir haben uns in der Halbzeit neu formiert und dann das Spiel an uns gerissen. In der ersten Halbzeit war es schwierig für uns. Manchmal kannst du das Spiel nicht so steuern, wie du es möchtest. Aber wir haben es dennoch gepackt.!

Der Tweet zum Spiel:

Das fiel auf: Die taktischen Kniffe der Trainer sitzen

Nach diesem Spiel kann man sowohl Unai Emery als auch Jürgen Klopp ein Lob aussprechen. Der spanische Coach riskierte einiges, indem er Boulaye Dia von Beginn an brachte. Der Senegalese hatte im Viertelfinale gegen den FC Bayern nicht einmal im Kader gestanden, im Hinspiel in Liverpool kam er nur zu 18 Minuten Einsatzzeit. Im Rückspiel machte sich sein Startelfeinsatz bereits nach drei Minuten bezahlt. Auch Jürgen Klopp zog die richtigen Schlüsse in der Halbzeitpause. Nach einer erschreckend schwachen ersten Halbzeit kam Luis Díaz für einen sehr blassen Diogo Jota. Mit einem Treffer, 90 Prozent angekommenen Pässen sowie einer Zweikampfquote von 80 Prozent war er der Man of the Match für die Reds.

Die Statistik: 4

Jürgen Klopp steht zum vierten Mal als Trainer im Champions-League-Finale. Damit stellt er die Rekordmarke von Marcello Lippi, Sir Alex Ferguson und Carlo Ancelotti ein.
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Klopp von Reporter irritiert: "Wie kommen sie auf diese Frage?"

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