Bayern-Klatsche bei Manchester City im Taktik-Check: So ging Pep Guardiolas Plan mit dem falschen Sechser auf

Ein Hinspielergebnis als Kampfansage: Manchester City untermauert mit dem 3:0 (1:0)-Sieg über den FC Bayern München den Status als Titelfavorit in der Königsklasse. Pep Guardiola zauberte einen "falschen Sechser“ aus dem Hut und stellte die Bayern-Defensive so vor große Probleme. Eurosport.de analysiert im Taktik-Check, warum der Schachzug mit John Stones im Etihad Stadium so gut funktionierte.

Goretzka bringt's auf den Punkt: "Miserable Ausgangsposition"

Quelle: Perform

Ein Traumtor aus der Distanz, ein früher Ballverlust nach individuellem Fehler und ein zweiter Ball nach einer Ecke: Beim ersten Blick auf die Gegentore der Bayern denkt man nicht zwingend an eine taktische Meisterleistung des Gegners.
Doch auch wenn die Tore tatsächlich wenig mit taktischen Aspekten zu tun hatten, kann Pep Guardiola vollends mit seinem Matchplan zufrieden sein.
Gerade ein taktischer Kniff mit Abwehrspieler John Stones stellte den Rekordmeister dabei vor große Probleme.
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Halbfinale trotz Debakel gegen City? So reagiert Tuchel

Quelle: Perform

Vom 4-3-3 ins 4-4-2 und 3-4-3: Citys Flexibilität

Das 4-3-3 der Citizens existierte nur auf dem Papier: Gegen den Ball schob Kevin De Bruyne vor und presste gemeinsam mit Erling Haaland in vorderster Front. Mit diesem 4-4-2 konnten die Gastgeber die Bayern schnell unter Druck setzen, da sie die Viererkette in Gleichzahl anlaufen konnten.
In Ballbesitz zog Guardiola seinen Innenverteidiger John Stones nach vorne: Der Engländer agierte zusammen mit Rodri als eine Doppelsechs. Die beiden boten sich ständig links und rechts hinter Bayerns Zehner Jamal Musiala an.
Die nominellen City-Achter rückten dafür in höhere und breitere Positionen, sodass man in einem 3-4-3 mit gleich vier zentralen Mittelfeldspielern agierte.
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Traumtor gegen Bayern! Rodri über seinen ersten CL-Treffer

Quelle: Perform

Gündogan und De Bruyne stellen Bayerns Doppelsechs vor unlösbare Aufgabe

Für die Bayern-Defensive war Citys Raumaufteilung eine schwer zu lösende Aufgabe: De Bruyne und Ilkay Gündogan positionierten sich so hoch und breit, dass sie leicht hinter der Münchener Doppelsechs standen - aber gerade noch flach genug, um nicht im direkten Zugriffsbereich der Innenverteidiger zu sein.
Leon Goretzka und Joshua Kimmich mussten also ständig auf die Seiten verschieben, um die Außenverteidiger nicht allein gegen Citys breiten Achter und den jeweiligen Flügelstürmer verteidigen zu lassen. Weil die Doppelsechs derart mit der Querverschiebung beschäftigt war, konnte sie kaum einmal Druck im Pressing ausüben - Rodri und Stones beherrschten das Zentrum ohne große Mühe gegen Musiala.
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Joshua Kimmich vom FC Bayern München

Fotocredit: Getty Images

Problematisch wurde es vor allem dann, wenn City über die linke Seite eröffnete, wo Gündogan zusammen mit Jack Grealish die Kette bedrohte: Weil Kimmich weit rüberschieben und Goretzka die entstehende Lücke füllen musste, konnten die Hausherren einfach über ihre Sechser auf die andere Seite verlagern.
So schnell konnten Goretzka und Kimmich natürlich nicht wieder zurück verschieben, sodass De Bruyne in halbrechter Position gleich mehrfach ohne jeglichen Gegnerdruck an den Ball kam.
Der Belgier durfte sich zwischen seinen gefürchteten Flanken aus dem Halbfeld und einer Zwei-gegen-eins-Situation mit Rechtsaußen Bernardo Silva gegen Alphonso Davies entscheiden. City kam so zwar nicht zu Großchancen, konnte das Tempo der Partie aber bestimmen und war ordentlich gegen Konter abgesichert.

Bayerns Antwort funktioniert nur wenige Minuten

Um das Problem in den Griff zu bekommen, verordnete Tuchel seiner Mannschaft in der Halbzeitpause offenbar ein höheres Pressing. Musiala und Sturmspitze Serge Gnabry liefen nun aggressiver an, bevor sich Stones auf die Sechserposition schieben konnte.
Mit Unterstützung der Flügelspieler konnte Bayern so mehr Druck ausüben, auch die Doppelsechs war in der Reihe dahinter stets auf dem Sprung nach vorne.
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Dayot Upamecano (l.) und Erling Haaland

Fotocredit: Getty Images

Durch den höheren Druck kam der deutsche Rekordmeister zu mehr Ballgewinnen und Spielkontrolle. Die Chancen in der Druckphase bleiben jedoch ungenutzt, bis City auch auf Bayerns höheres Pressing Antworten fand: Über Torwart Ederson verschaffte man sich etwas mehr Ruhe in Ballbesitz. Weil der Brasilianer die wohl besten langen Flugbälle im Weltfußball spielt, konnte City das Pressing öfter überspielen.
Sowohl Erling Haaland als auch die Flügelstürmer zeigten gute Freilaufbewegungen, machten Bälle fest und City kam wieder in die geplante Struktur in Ballbesitz.

Eurosport-Check

Bayern verlor das Spiel durch ein Traumtor, einen individuellen Fehler und eine Unaufmerksamkeit nach einer Standardsituation. Doch Bayern verlor auch das taktische Duell. Tuchel konnte keine passende Antwort auf das überflutete Zentrum der Citizens finden. Durch Guardiolas Maßnahme, Stones in Ballbesitz als zusätzlichen Mittelfeldspieler aufzubieten, konnte City die Überhand im wichtigsten Bereich gewinnen, das Tempo bestimmen und sich weitestgehend gegen Konter abzusichern. Weil Stones auch defensiv im Verbund mit seiner Abwehrkette eine Glanzleistung bot, brachte City den komfortablen Vorsprung leicht über die Zeit und geht mit einer herausragenden Ausgangslage ins Rückspiel.
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Quelle: Perform

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