Drei Dinge, die bei Dortmund gegen Kopenhagen auffielen: BVB macht viel richtig, Süle empfiehlt sich
VonThomas Gaber
Publiziert 06/09/2022 um 23:12 GMT+2 Uhr
Borussia Dortmund gelingt gegen den FC Kopenhagen ein (nahezu) perfekter Start in die Champions League. Der BVB lässt sich von neuen Hiobsbotschaften nicht beeinflussen und überzeugt in allen Mannschaftsteilen. Auch Innenverteidiger Niklas Süle betreibt bei seinem Debüt CL-Debüt für Schwarz-Gelb Eigenwerbung. Es gibt allerdings auch ein Haar in der Suppe. Drei Dinge, die uns auffielen.
Jude Bellingham erzielte das 3:0 für den BVB
Fotocredit: Getty Images
Edin Terzic fasste die 90 Minuten prägnant zusammen.
"Super Leistung, super Auftakt", sagte der Trainer von Borussia Dortmund nach dem 3:0 (2:0)-Sieg seiner Mannschaft gegen den FC Kopenhagen bei "Amazon Prime".
Der BVB war in allen Belangen klar überlegen, hätte aber noch deutlich höher gewinnen müssen.
Drei Dinge, die uns aufflielen.
1.) Dortmund trotzt unheimlicher Verletztenmisere
Sebastien Haller, Mahmoud Dahoud, Karim Adeyemi, Mateu Morey, Donyell Malen, Jamie Bynoe-Gittens - das Lazarett des BVB war schon vor dem Spiel gegen Kopenhagen gut gefüllt. Nach dem Abschlusstraining am Montag war klar, dass auch Torhüter Gregor Kobel (Muskelfaserriss) passen muss. Alexander Meier kam so zu seinem Pflichtspieldebüt für den BVB und machte seine Sache sehr ordentlich.
Knapp 20 Minuten waren gespielt, da machte der nächste Schwarz-Gelbe Anzeichen, dass nichts mehr geht. Thorgan Hazard fasste sich an den Oberschenkel und musste runter, Giovanni Reyna ersetzte den Belgier.
"Ich bin eigentlich ein positiver Mensch, aber unsere Verletztenmisere ist irgendwann schwierig zu akzeptieren", sagte Kapitän Marco Reus bei "Amazon Prime". Reus' bittersüßes Fazit: "Aber auch das ist Fußball."
Terzic nannte die erneuten Ausfälle "brutal" und versicherte gleichzeitig, dass "wir jeden Stein umdrehen werden, um herauszufinden, warum wir immer wieder Spieler mit Muskelverletzungen ersetzen müssen". Noch wichtiger sei laut Terzic, "wie wir als Trainerteam darauf reagieren. Giovanni kam rein und hat ein sehr gutes Spiel gemacht".
Das hätte Terzic über die meisten BVB-Spieler sagen können. In einer Gruppe mit Manchester City und dem FC Sevilla war Dortmund zu einem Heimsieg gegen den vermeintlich schwächsten Gegner verdammt. Diese undankbare Aufgabe löste die Mannschaft mit Bravour.
"Wir haben ein Must-win-Spiel souverän gewonnen. Wir werden momentan dafür belohnt, dass wir gemeinsam verteidigen, dass sich keiner zu schade ist, dem anderen zu helfen. Das zeichnet uns derzeit aus", betonte Reus.
Die enorme Einsatzbereitschaft seiner Spieler fiel auch Terzic positiv auf. "Der Linksverteidiger von Kopenhagen war in den ersten 25 Minuten dreimal an der Seitenlinie beim Trinken. Die mussten wahnsinnig viel laufen, weil wir genau das umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen haben: Dominanz auf den Platz zu bringen."
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Der Nächste: Thorgan Hazard (l.) muss gegen Kopenhagen früh runter
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2.) Süle darf ran und empfiehlt sich für mehr
Seinen Start beim BVB hat sich Niklas Süle sicherlich anders vorgestellt. Die schon beim FC Bayern viel diskutierten (angeblichen) Gewichtsprobleme holten den Nationalspieler auch in Dortmund wieder ein. Süles Berater Volker Struth gab jüngst im Gespräch mit "Bild-TV" einen interessanten Einblick in die Verhandlungen mit dem BVB.
"Als wir unser abschließendes Gespräch mit den Verantwortlichen von Borussia Dortmund geführt haben im Januar dieses Jahres, wurde die Frage auch tatsächlich gestellt: 'Niklas, man sagt dir ja nach, dass du gerne mal einen Hamburger isst oder vielleicht auch mal ein Bierchen trinkst'", so Struth.
Süles von Struth verbriefte ehrliche Antwort: "Ja, mach ich schon mal. So wie das vielleicht auch manche andere Spieler machen. Bei mir wird halt ein bisschen öfter darüber gesprochen. Und bei mir sieht man die zwei Kilo, die ich mehr wiege, auch."
In der Innenverteidiger-Hierarchie des BVB liegt der 27-Jährige hinter Mats Hummels und Nico Schlotterbeck nur auf Rang drei. Meistens kam er von der Bank und stand beim Sechs-Minuten-Fiasko gegen Werder Bremen auf dem Platz. "Er kann zulegen und das erwarten wir von ihm auch", sagte BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl kürzlich bei "Sky90".
Gegen Kopenhagen durfte Süle das erste Mal von Beginn an ran, Hummels musste dafür auf die Bank. "Er hat richtig gut trainiert die letzten 14 Tage", bescheinigte ihm Terzic vor dem Spiel: "Bevor die Jungs durch die englischen Wochen jagen: Wenn wir die Möglichkeit haben, zu wechseln, dann werden wir das auch tun."
Süle bedankte sich beim Coach für die Chance mit einer konzentrierten Vorstellung. Er verteidigte nahezu fehlerlos und war gemeinsam mit Schlotterbeck Ausgangspunkt einiger gelungener BVB-Angriffe, wie vor dem 1:0 durch Reus, das Süle mit einem Ballgewinn, einem kurzen Sprint und einem Pass auf Julian Brandt einleitete.
"Alle Tore wurden von Innenverteidigern eingeleitet", bemerkte "Amazon"-Experte Matthias Sammer. Mit seiner Leistung hat sich Süle für mehr empfohlen und den Konkurrenzkampf in der Abwehrzentrale angeheizt.
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Niklas Süle spielte erstmals von Beginn an für den BVB
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3.) Chancenverwertung bleibt ein Manko
Es hat viel funktioniert an diesem Europapokalabend bei Borussia Dortmund, aber den Ball nach teilweise tollen Kombinationen auch im Tor unterzubekommen, bereitet dem BVB nach wie vor Schwierigkeiten.
Wie im ein oder anderen Bundesligaspiel vergab Schwarz-Gelb auch gegen Kopenhagen einen Vielzahl von Torchancen. Beim Stand von 0:0 bolzte Anthony Modeste die Kugel frei vor dem Tor in die Wolken, nach der Pause Julian Brandt gleich zweimal innerhalb von drei Minuten.
"Wir haben zwar drei Tore geschossen, aber es wäre noch deutlich mehr drin gewesen. Wir hätten uns zwischen den Linien besser bewegen, konsequenter den Platz über die Außen nutzen und vor allem unsere Chancen besser verwerten müssen", monierte Reus.
Gegen Kopenhagen konnte sich der BVB die Vielzahl an Fehlschüssen leisten, dafür war der Gegner einfach zu schwach. Doch bereits kommende Woche wartet mit Manchester City der ganz dicke Brocken in der Gruppe G.
"Wir werden weiter hart arbeiten, um besser zu werden und den nächsten Aufgaben gewachsen zu sein", sagte Terzic mit Blick auf das Duell mit den Skyblues und Ex-Spieler Erling Haaland.
Auch wenn der Saisonstart auch ohne den Norweger gelungen ist - so eine Tormaschine würde dem BVB gut zu Gesicht stehen.
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