Manchester City - FC Bayern | Guardiolas Powerfußball birgt Gefahren: Das ist die große Chance der Tuchel-Elf

Der FC Bayern sieht sich im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League bei Manchester City der derzeit wohl besten Offensive Europas entgegen. Die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola ist aber auch verwundbar. Der FC Bayern offenbarte zuletzt Probleme im Angriff, doch die Voraussetzungen sind diesmal völlig anders. Die Münchner verfügen über genügend Qualität, City im Etihad richtig wehzutun.

Manuel Akanji (l.) und Ruben Dias

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21 Tore erzielte Manchester City in den letzten vier Pflichtspielen. Die Offensive um Kevin De Bruyne, Jack Grealish und Erling Haaland ist das Prunkstück der Mannschaft von Trainer Pep Guardiola und jederzeit in der Lage, gegnerische Abwehrreihen jeglichen Kalibers zu zerfleddern.
Die Wucht, mit der die Skyblues ihre Angriffe vortragen, ist derzeit einzigartig im europäischen Fußball. "Du kannst dich nie entspannen. Sie schnüren dir einfach die Luft weg", sagte Southamptons Innenverteidiger Jan Bednarek nach dem 1:4 gegen City letzten Samstag. Und Leipzigs Benjamin Henrichs musste nach dem 0:7 im Etihad Stadium zugeben, dass "wir mehr oder weniger aufgefressen" wurden.
Das Toreschießen war noch nie das Problem, seit Guardiola in Manchester arbeitet. Warum es in sechs Jahren Pep mit dem Gewinn der Champions League noch nicht geklappt hat, liegt laut frischen Aussagen des Trainers "an einer nicht immer soliden Defensive."
"Wir sind oft ausgeschieden, weil wir zu viele Tore kassiert haben. Gegen Real Madrid waren es letztes Jahr sechs, gegen Tottenham 2019 vier und gegen Monaco 2017 auch sechs", rechnete Guardiola am Montag auf der Pressekonferenz vor dem Duell mit dem FC Bayern (ab 20:30 Uhr im Liveticker) vor.

Manchester City: Spielstil birgt Gefahren

Vorne habe man stets Spieler gehabt, die "wissen, wie man Tore erzielt", so Guardiola. "Früher war es Sergio Agüero, jetzt ist es Erling Haaland. Aber hinten haben wir in entscheidenden Momenten zu viele Fehler gemacht."
Kritiker warfen Guardiola in der Vergangenheit gerne vor, große Spiele im Vorfeld "zerdenkt" und hinsichtlich System und Aufstellung unnötig experimentiert zu haben. Der Coach sieht die Diskussion pragmatisch. "Wenn meine Idee klappt, habe ich recht. Wenn nicht, lag ich eben falsch", sagte er.
Doch Guardiolas Philosophie der bedingungslosen Dominanz im Spiel nach vorne birgt per se die Gefahr, die Defensive etwas zu vernachlässigen. Die letzte Linie, ob Dreier- oder Viererkette mit sehr offensiven Außenverteidigern, steht extrem hoch. Der FC Liverpool war im Ligaspiel vorvergangene Woche gnadenlos unterlegen, erspielte sich dennoch in der ersten Halbzeit drei, vier größere Torchancen durch schnelles Umschalten nach dem Ballgewinn.
Beim Führungstor der Reds durch Mohamed Salah genügte ein hoher Ball von Trent Alexander-Arnold aus der eigenen Hälfte auf Diogo Jota, der auf der Höhe der Mittellinie startete. Der zentrale Innenverteidiger der Dreierkette, Nathan Aké, hatte seine Position verlassen und befand sich zum Zeitpunkt des Abspiels deutlich vor seinen Nebenleuten Manuel Akanji und Ruben Dias. In dieses Loch stieß Jota rein und hatte freie Bahn Richtung City-Torhüter Ederson. Der nachrückende Salah verwertete Jotas Ableger letztlich zum 0:1.
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Liverpools Mo Salah im Duell mit City-Verteidiger Nathan Aké

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Pep Guardiola hat Respekt vor Bayerns "Waffen im Angriff"

"Der FC Bayern stellt die größte Herausforderung, mit der Guardiola seit langer Zeit konfrontiert wird", schrieb der "Guardian". "City wird deutlich besser verteidigen müssen als in vielen K.o.-Spielen der Champions League der letzten Jahre."
Das weiß auch Guardiola. "Bayern viele Waffen im Angriff: Geschwindigkeit, Qualität, Mentalität. Das ist ein guter Test für uns", sagte er. "Aber egal, welche Qualität der Gegner hat: Es geht immer darum, wie wir uns verhalten. In diesen Spielen treten wir gegen uns selbst an."
Furchteinflößend waren die jüngsten Darbietungen des FC Bayern in der Offensive keineswegs. Tuchel sprach rund um die beiden Spiele gegen den SC Freiburg von eingeschränkter Leichtigkeit und mangelnder Kreativität. Die Münchner tun sich schon die ganze Saison über schwer, gegen diszipliniert verteidigende Gegner genügend Torchancen herauszuspielen.
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"Kreativer Trainer": Guardiola findet lobende Worte für Tuchel

Quelle: Perform

Gnabry passt in Manchester besser als Choupo-Moting

Doch die Voraussetzungen für den Auftritt im Etihad Stadium sind grundlegend anders. City wird kaum von seinem Stil abweichen, nur weil der Gegner der FC Bayern heißt. Der Plan, den Gegner mit Offensivpower zu erdrücken, hat schließlich oftmals sehr gut funktioniert.
Das wiederum dürfte den Münchnern Gelegenheiten geben, durch schnelles Umschalten City in die Bredouille zu bringen. So hat es Liverpool getan und so haben es in der Vergangenheit viele Mannschaften versucht. Den meisten fehlte dafür die Qualität. Der FC Bayern hat sie.
Kingsley Coman, Leroy Sané, Jamal Musiala, Sadio Mané, Serge Gnabry - Tuchel hat genügend Spieler im Kader, die beim Gegner Löcher aufreißen können. Die in der Lage sind, dank ihrer Geschwindigkeit mit und ohne Ball am Fuß Räume zu nutzen.
Der Ausfall von Eric Maxim Choupo-Moting fällt nicht so sehr ins Gewicht. Der Kameruner ist gegen tief stehende Mannschaften ideal als Anspielstation, um Bälle prallen zu lassen oder mit dem Rücken zum Tor festzumachen.
In einem Spiel mit voraussichtlich deutlich weniger eigenem Ballbesitz, dafür mehr Platz für Umschaltangriffe, passt Serge Gnabry auf der Neun besser. "Er hat mit beiden Füßen einen guten Abschluss, kann gut dribbeln und hat den nötigen Speed", sagte Tuchel am Montagabend über Gnabry, der bereits beim 1:0-Sieg in Freiburg im Sturmzenturm spielte.
Eine starke Abwehr ist die Basis gegen Manchester City. Doch auch der scheinbar übermächtige Kontrahent hat seine Schwächen und die liegen eindeutig in der Defensive. Die Bayern müssen nur das befolgen, was ihr Trainer am Montag vorgab: körperlich komplette Verausgabung, vor allem aber Mut im Spiel nach vorne.
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