PSG - FC Bayern: Nagelsmann setzt im Achtelfinale in Paris auf Dreierkette - darum ging der Plan in Paris auf
VonLuca Baier
Publiziert 14/02/2023 um 23:51 GMT+1 Uhr
Gegen die Weltstars in der PSG-Offensive setzte Bayern-Trainer Julian Nagelsmann im Achtelfinalhinspiel der Champions League auf eine Dreierkette, die sowohl defensiv als auch offensiv für lange Phasen der Kontrolle und Dominanz sorgte. Ein Plan, der beim 1:0-Erfolg im Prinzenpark perfekt aufging. Eurosport.de analysiert im Taktik-Check, warum das 3-2-4-1 so gut funktionierte.
Effizienz in Paris: Nagelsmann zufrieden mit Chancenverwertung
Quelle: Perform
Klammert man die wilde Schlussphase aus, in der PSG durch die offensiven Wechsel, die individuelle Klasse und einige Abspielfehler der Bayern zu Chancen kam, lieferten die Münchener in Paris ein sehr gutes Auswärtsspiel (1:0).
Gegen das Pariser 4-4-2, in dem Lionel Messi und Neymar die Doppelspitze bildeten, passte Nagelsmanns 3-2-4-1 sehr gut. Die beiden Zehner Jamal Musiala und Leroy Sané rückten im Pressing im Wechsel an die Seite von Stürmer Choupo-Moting, um die Innenverteidiger zu stören. Ging der Ball dann nach außen, schob Joao Cancelo aggressiv auf PSG-Linksverteidiger Mendes - Kingsley Coman tat dementsprechend das gleiche bei Aktionen über die andere Seite.
Der große Vorteil an der Münchener Anordnung: Mit Goretzka und Kimmich war das Zentrum vor der Abwehrkette stets besetzt, sodass sich Neymar und Messi praktisch nie im Zehnerraum die Bälle abholen konnten. Folglich zog es die beiden Superstars aus dem Sturmzentrum immer wieder nach außen, um dort anspielbar zu werden.
De Ligt auf der einen und Pavard auf der anderen Seite verfolgten diese Wege konsequent. Dies konnten sie mit voller Intensität und einer gewissen Portion Risiko tun, weil Upamecano als zentraler Innenverteidiger ständig in vollem Tempo auf die Ballseite sprintete, um den Kollegen dort abzusichern – quasi als Libero 2.0.
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Mbappés Extraklasse verblüfft Salihamidzic: "Unfassbar"
Quelle: Perform
Überzahl im Zentrum befreit die Flügelspieler
Doch auch in Ballbesitz zeigten sich vor allem in der ersten Halbzeit die Vorteile des 3-2-4-1. Die von Defensivaufgaben offenbar komplett befreiten Messi und Neymar konnten über die Dreierkette leicht überspielt werden, sodass Bayern ohne Probleme ins Mittelfeld kam. Dort hatte PSG viel damit zu tun, gleichzeitig Druck auf Bayerns Doppelsechs auszuüben, gleichzeitig aber auch die Zehner Musiala und Sané im Auge zu behalten.
Die Hausherren versuchten dieses Problem über Kompaktheit zu lösen: Sowohl die Abwehrkette als auch die vier Mittelfeldspieler davor agierten in der Horizontalen sehr eng. Dies wussten Bayerns Flügelspieler mit hervorragenden Positionierungen zu nutzen, Coman und Cancelo lieferten Lehrbuchbeispiele für die richtige Höhe: Immer wieder zeigten sie sich genau so hoch, dass sie den Ball hinter der Mittelfeldkette von PSG aber weit von den Außenverteidigern empfangen konnten. Rückten die Pariser Außenverteidiger dann raus, liefen Musiala oder Sané in den Raum dahinter und konnten mit einem einfachen Pass in die Tiefe bedient werden.
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Jamal Musiala
Fotocredit: Getty Images
Blieben Hakimi oder Mendes passiver, wählte Cancelo meistens die (oftmals gefährliche) Flanke, Coman hingegen nutzte den Freiraum, um Tempo aufzunehmen. Bayern besetzte den Strafraum immer mit reichlich Spielern, meistens waren neben Choupo-Moting und den Zehnern auch noch Goretzka und der jeweils ballferne Flügelspieler mit in der Box. 10:1 Schüsse und knapp 60 Prozent Ballbesitz zur Halbzeit waren die logische Folge. Knapp zehn Minuten nach der Pause war es genau so ein Angriff, der Bayern in Führung brachte: Der eingewechselte Davies wurde links freigespielt, die PSG-Kette musste weit rüberschieben und wurde im Strafraum sowohl von Choupo-Moting als auch den beiden Zehnern gebunden - der Nutznießer hieß Coman und schob am zweiten Pfosten völlig frei ein.
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Nagelsmann lässt keine Zweifel zu: Bayern hat PSG lahmgelegt
Quelle: Perform
Dominanz über zweite Bälle und Rückpässe - Gegenpressing erstickt PSG-Konter
Weil Goretzka und Kimmich de facto ohne Gegenspieler waren, konnte Bayern vom Flügel auch immer zurückpassen und neu verlagern. Auch abgewehrte Bälle landeten oft bei Kimmich, der mit seinen mittlerweile berüchtigten Chipbällen auf den langen sofort wieder für neuen Druck sorgte.
Nach Ballverlusten zeigten die Bayern eine gute Intensität, gewannen den Ball mit den vielen Spielern um die Box herum oftmals direkt zurück. Und wenn nicht, konnte die Dreierkette weiterhin mutig in Überzahl gegen Messi und Neymar agieren. Dementsprechend näher waren die Münchener am zweiten Treffer als die Pariser am Ausgleich. Auch auf die Einwechslung von Kylian Mbappé hatten die Bayern eine Antwort: Nagelsmann beorderte Upamecano auf die rechte Innenverteidigerposition, Pavard rückte nach links und de Ligt verteidigte zentral. Upamecano konnte mit seinem Tempo am ehesten mit Mbappé mithalten, auch wenn gegen den Topstar natürlich nicht alles zu verteidigen ist.
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Dayot Upamecano (l.) und Kylian Mbappé im Zweikampf
Fotocredit: Getty Images
Eurosport-Check: Auch wenn die Schlussphase nochmal eng war, darf sich Nagelsmann in seinem Matchplan mehr als bestätigt sehen. Die Dreierkette war genau die richtige Wahl, um die Ausnahmekönner des Gegners aggressiv zu bekämpfen. Mit der Überzahl im Mittelfeldzentrum konnten die Flügel immer wieder freigespielt werden, wodurch letztlich auch das Siegtor fiel. Im Rückspiel wird Bayern jedoch von Beginn an drei statt zwei Weltstars kontrollieren müssen – Nagelsmann und sein Trainerteam werden die Schlussphase genau analysieren und daraus den Matchplan für den zweiten Teil des Achtelfinals schmieden.
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