Harry Kane und sein Start beim FC Bayern München: Auftrag erfüllt - aber noch Luft nach oben

Harry Kane oder nix - der FC Bayern legte sich im Sommer mächtig ins Zeug, um seinen Wunschstürmer an die Isar zu holen und damit eine zentrale Lücke im Kader zu schließen. Die Bayern erwarten von ihrem 100-Millionen-Mann Tore am Fließband, was in den ersten vier Spielen schon mal gut funktioniert hat. Kane selbst ist mit seinem Start bei den Roten zufrieden, auch wenn er noch ein wenig fremdelt.

Tuchel: "Zwei sehr fragwürdige Entscheidungen gegen uns"

Quelle: Perform

Harry Kane hat mittlerweile seine ersten knapp 350 Bundesligaminuten hinter sich. Gemessen an seinem Auftrag hat der Engländer voll eingeschlagen.
Er schießt Tore am Fließband - vier in den ersten vier Spielen. Damit hat er sich auf Rang drei in der Torjägerliste schon mal in Lauerstellung gebracht. Nur der Wolfsburger Jonas Wind (fünf Treffer) und der alles überragende Stuttgarter Serhou Guirassy (acht) liegen vor ihm.
Im Interview mit "Sports Illustrated" zeigt sich der 30-Jährige zufrieden: "Bis jetzt war alles fantastisch. Ich hatte natürlich viel zu tun, sowohl auf als auch neben dem Spielfeld, bei der Suche nach einem Haus und so weiter. Der ganze Verein, das Team, die Mitarbeiter: Alle haben mich sehr freundlich aufgenommen und mir geholfen, mich so schnell wie möglich einzuleben."
"Und was mich am meisten überrascht hat, waren die Fans. Seit meiner Ankunft spüre ich ihre extreme Unterstützung. Ich sehe so viele Kane-Jerseys und Trikots der Nationalmannschaft. Ich freue mich darauf, diese Beziehung auszubauen und alle noch besser kennenzulernen, aber bis jetzt war es ein guter Anfang."

Kane funktioniert noch nicht als Zielspieler

Kane hat Fahrt aufgenommen in München, allerdings ist da noch Luft nach oben. Der 30-Jährige hat bereits drei Großchancen ausgelassen, zuletzt gegen Leverkusen (2:2), als er in der 57. Minute aus sechs Metern Torentfernung am langen Bein von Bayer-Keeper Lukas Hradecky scheiterte.
Es war Kanes zweite und gleichzeitig letzte erwähnenswerte Szene in diesem Topspiel. Nach sieben Minuten stand er goldrichtig, als er nach einer Ecke am langen Pfosten lauerte und zur Führung einköpfte. Im Anschluss rieb er sich in Zweikämpfen auf, verlor die meisten (66 Prozent) und kam von allen Bayernspielern auf die schwächste Passquote von 52 Prozent.
Mit 27 Ballkontakten hatte er die wenigsten aller Startelfspieler auf dem Platz. Als Zielspieler funktionierte Kane gegen Leverkusen nicht, seine beide Torabschlüsse kamen eher zufällig zustande.
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Steht da, wo ein Stürmer stehen muss: Harry Kane macht das 1:0 gegen Leverkusen

Fotocredit: Getty Images

Kane fremdelt noch mit der Bundesliga

"Wir müssen ihn noch besser in unser Spiel integrieren und werden dafür alles tun", hatte Tuchel bereits vor dem Spiel angekündigt. Auch wenn seine Torquote den Erwartungen entspricht, nach 37 Tagen in der Bundesliga fremdelt der mit 209 Treffern zweiterfolgreichste Torschütze der Premier-League-Geschichte noch ein bisschen.
Für einen direkten Vergleich mit der "alten Liebe" sei es noch zu früh, schließlich habe man erst vier Partien absolviert. Das Tempo in Deutschlands Fußball-Oberhaus sei hoch und es werde viel guter Fußball gespielt, meint Kane bei "Sports Illustrated".
Kane ist kein großer Sprinter, hat seine Qualitäten neben seinem Torabschluss vor allem im Bällefestmachen und Weiterleiten auf in die Tiefe startende Mitspieler.

Kane und der FC Bayern noch keine Einheit

Das klappt beim deutschen Rekordmeister noch nicht wie gewünscht. In seinen drei Startelfeinsätzen bereitete er noch keinen Torschuss vor. Zum Vergleich: In der vergangenen Premier-League-Saison kreierte er 14 Großchancen seiner Teamkollegen - Bestwert in England.
Gegen Leverkusen fiel auf, dass Kane sehr häufig zwei Gegenspieler bindet, gerade dann, wenn er sich fallen lässt und die Verteidiger dadurch aus der Kette zieht. Doch noch profitiert der FC Bayern nicht davon. Das Zusammenspiel zwischen Kane und den übrigen Offensivspielern krankt noch etwas - die Bindung fehlt.
Viel Zeit für intensive Trainingseinheiten haben die Münchner quasi bis Weihnachten nicht mehr. Mit dem Champions-League-Duell gegen Manchester United (Mittwoch, 21:00 Uhr im Liveticker) fällt in der Allianz Arena der Startschuss für die englischen Wochen, hinzukommen zwei Länderspielpausen im Oktober und November.

Kane warnt vor Manchester United

Kane erwartet "ein schweres Spiel" im Klassiker gegen United. Die Red Devils seien zwar momentan in einer schwierigen Phase, aber manchmal seien genau solche Mannschaften gefährlich, "weil sie immer darauf aus sind, im großen Stil zurückzukommen."
Der Weltklassestürmer hofft auf einen positiven Verlauf seines ersten Auftrittes im Trikot von Bayern München in der Königsklasse, auf ein besonderes Spiel, das ihm in Erinnerung bleibe: "Wir müssen also auf sie vorbereitet sein, und natürlich wollen wir vor heimischer Kulisse die Zuschauer so früh wie möglich hinter uns bringen und das Spiel mit viel Intensität angehen."
Rio Ferdinand, Experte beim britischen TV-Sender "TNT Sports", erwartet Kane im Duell mit Manchester United "motiviert bis in die Haarspitzen". Der ehemalige Innenverteidiger in Diensten des englischen Rekordmeisters glaubt indes nicht, dass irgendjemand in der United-Kabine den Kapitän der englischen Nationalmannschaft "unterschätzen" oder gar "selbstgefällig" an die Sache rangehen wird. Immerhin stand Kane 2019 mit den Spurs im Finale der Champions League. "Er hatte noch kein Tafelsilber in Händen, also wird er mit den Hufen scharren", so Ferdinand weiter.
"Er ist ein phänomenaler Spieler, seine Statistiken sprechen für sich. Er weiß, wo das Tor steht und wie man Tore erzielt. United muss versuchen, ihn zu stoppen", so der 44-Jährige weiter, der an die Versuche der Verantwortlichen erinnerte, den Stürmer ins Old Trafford zu lotsen: "Viele Manchester-Fans hätten ihn liebend gerne im United-Trikot gesehen."
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Harry Kane nach dem Remis gegen Bayer Leverkusen

Fotocredit: Getty Images

Kane bereut Bayern-Wechsel keineswegs

Seinen Wechsel in die bayerische Landeshauptstadt hat Kane noch keine Sekunde bereut: "Letztlich habe ich mich dazu entschieden, weil ich mich selbst pushen will, um besser zu werden. Das ist das Entscheidende, wenn man zu einem Verein wie Bayern München kommt", sagte der 30-Jährige.
Da kommt das Duell mit jenem Klub, der Rothosen im Champions-League-Finale von Barcelona im Jahr 1999 eine der schmerzhaftesten Niederlagen der Vereinsgeschichte zufüge, gerade recht. Schließlich befinde sich Kane "auf der ganz großen Bühne" und müsse "entsprechend Leistung zeigen."
Vorhang auf!
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Tuchel: "Minimale Probleme" verzögern Neuer-Comeback

Quelle: Perform

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