Union Berlin vor Champions-League-Debüt gegen Real Madrid: Zwischen "Belohnung" und "Genuss"

Der Mittwochabend könnte für den 1. FC Union Berlin wohl kaum besonderer sein: Die Köpenicker stehen vor ihrem Champions-League-Debüt - und das auf einer der größten Bühnen im Weltfußball. Doch vor dem Duell bei Rekordchampion Real Madrid sagt Trainer Urs Fischer: "Der Respekt muss da sein, aber er sollte auch nicht zu groß sein." Bei allem Genuss wollen die Berliner nicht nur "rumstaunen".

Underdog gegen Gigant: Union will bei Real nicht nur "rumstaunen"

Fotocredit: Getty Images

Urs Fischer schlenderte über den Rasen des legendären Santiago Bernabeu, die Hände locker in den Hosentaschen, und ließ den Blick über die noch leeren Tribünen schweifen. "Als Spieler und als Trainer, weißt du nicht, wie viele Male du hier noch spielen wirst", sagte der Trainer andächtig vor dem historischen Duell von Union Berlin mit Real Madrid.
Das erste Champions-League-Spiel in der Geschichte der Eisernen sei "eine Belohnung", die sich sein Team verdient habe, betonte der Schweizer. Dass es der Underdog aus Köpenick bei der Königsklassen-Premiere am Mittwochabend ausgerechnet mit dem Rekordchampion zu tun bekommt, sei schon etwas "Spezielles", sagte Fischer: "Der Respekt muss da sein, aber er sollte auch nicht zu groß sein."
Das sah auch Nationalspieler Robin Gosens so. "Wir dürfen jetzt nicht nach Madrid fahren, um irgendwie Zuschauer zu sein und nur rumzustaunen." Es gehe darum, "möglichst gut in die Champions-League-Saison zu starten."
Die Generalprobe am vergangenen Samstag beim VfL Wolfsburg (1:2) ging allerdings schief, ein Stimmungsdämpfer zur Unzeit. Davon war Fischer und Kapitän Christopher Trimmel im Bernabeu jedoch nichts mehr anzumerken. "Man ist schon ein Stück weit stolz, so etwas erreicht zu haben", sagte Trimmel. Ein solches Erlebnis nehme jeder Fußballer "gerne mit", so der Österreicher und lachte: "Ich hoffe, wir werden mit einem positiven Erlebnis nach Hause fliegen, von dem wir irgendwann mal unseren Kindern erzählen können".

Real bisher noch ungeschlagen

Die Herausforderung könnte dabei kaum größer sein. Die Mannschaft um Rio-Weltmeister Toni Kroos und Antonio Rüdiger marschiert auch ohne den nach Saudi-Arabien abgewanderten Torjäger Karim Benzema bislang ungeschlagen durch die noch junge LaLiga-Saison, der frühere Dortmunder Jude Bellingham läuft mit fünf Toren in fünf Spielen in La Liga heiß.
Und der 20-Jährige, der erst im Sommer für über 100 Millionen Euro vom BVB zum spanischen Rekordmeister gewechselt war, brennt auf die Königsklasse. Das Halbfinal-Aus gegen den späteren Champion Manchester City in der vergangenen Spielzeit, "gibt uns nur noch mehr Feuer, nächstes Jahr zurückzuschlagen", sagte Bellingham kämpferisch.

Bonucci vor Union-Debüt?

Während Madrid hochmotiviert und mit aller Routine den 15. Titel im Europapokal der Landesmeister bzw. der Champions League jagt, haben beim Neuling Union nur wenige Spieler Partien auf der höchsten europäischen Klubebene bestritten. Die meiste Erfahrung weist mit Abstand Bonucci auf. Und der italienische Europameister könnte durch den kurzfristigen, verletzungsbedingten Ausfall von Abwehrspieler Robin Knoche zu seinem Debüt im Union-Trikot kommen.
Auch Gosens weiß, wie sich die Königsklasse anfühlt, stand mit Inter Mailand vor drei Monaten noch im Finale. Er versuche deshalb "beruhigend" auf seine Teamkollegen einzuwirken und ihnen "Selbstvertrauen einzutrichtern". Denn vor vier Jahren feierte Union noch den Aufstieg in die Bundesliga, seitdem ging es fast schon märchenhaft immer weiter nach oben.
Fischer betonte deshalb: "Wir müssen auch versuchen, das Spiel ein bisschen zu genießen."

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Real Madrid: Kepa – Vazquez, Rüdiger, Alaba, Garcia – Tchouameni – Valverde, Bellingham, Kroos – Rodrygo, Joselu. – Trainer: Ancelotti
Union Berlin: Rönnow – Doekhi, Bonucci, Leite – Juranovic, Kral, Gosens – Laidouni, Tousart – Becker, Behrens. – Trainer: Fischer.
Schiedsrichter: Espen Eskas (Norwegen)
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Quelle: Perform

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