FC Bayern: Betriebsunfall bei Feyenoord Rotterdam - Fehler im System des Rekordmeisters oder Kader zu schwach?

Auf die 0:3-Pleite in der Champions League Rotterdam folgt die Aufarbeitung. Vize-Kapitän Joshua Kimmich sagt: "Am Ende hab' ich's lieber so, dass jemand individuelle Fehler macht, als dass wir das ganze System hinterfragen." Zeigen die Münchner diesen Samstag in Freiburg eine Reaktion - und wieder ihr, zuletzt so erfolgreiches, Bundesliga-Gesicht? 

Kompany nach Feyenoord: Antwort kommt auf dem Platz

Quelle: Perform

Das Warten, Rechnen und Zittern dauert noch genau eine Woche. Am Freitag, den 31. Januar wird der Gegner des FC Bayern in den Playoffs, dem Sechzehntelfinale der Champions League, feststehen.
Laut der Daten-Analyse von "Football Meets Data" mit 10.000 Simulationen des letzten Vorrunden-Spieltags am kommenden Mittwoch landen die Münchner, den zu erwartenden Heimsieg gegen den bisher punktlosen Tabellenvorletzten Slovan Bratislava vorausgesetzt, auf Rang zehn der Abschlusstabelle. Die Chance auf das Erreichen der Top acht, also der direkten Qualifikation für das Achtelfinale im März, werden auf lediglich acht Prozent kalkuliert.
Der ungewollte Umweg über die Playoffs steht quasi fest. Einmal Nachsitzen, bitte! Diese Bayern, in der Bundesliga mit nur einer Niederlage in 18 Spielen Spitzenreiter, sind in Europa nur mehr Durchschnitt. Auswärts sogar unterdurchschnittlich. Das hat das 0:3 bei Feyenoord Rotterdam erneut bewiesen.
Besonders bitter ist die zusätzliche Belastung für die Bayern mit den dann zwei K.o.-Spielen im Februar angesichts der ohnehin schon zwei zusätzlichen Königsklassen-Partien in der Ligaphase gegenüber dem früheren Gruppenformat mit je vier Teams. Mit einer Auswärtspleite weniger hätte man sich Luft verschafft im Februar, vier nicht-englische Wochen zum Durchatmen und Trainieren.
Nun aber droht eine ganz heiße Februar-Woche mit einem knackigen Sandwich. Erst das Playoff-Hinspiel (als Gegner sind neben vielen anderen Manchester City, PSG oder Titelverteidiger Real Madrid möglich), am 15. Februar folgt der Titelshowdown bei Meister Bayer Leverkusen, drei oder vier Tage später das Hopp-oder-Top-Rückspiel.

Kompany: "Ich bleibe in solch einer Situation ruhig"

Daher konnte es Vincent Kompany kaum erwarten, dass es diesen Samstag zum SC Freiburg geht (15:30 Uhr im Liveticker), der Alltag Bundesliga seine Mannschaft wieder hat. Doch Draufhauen, der Mannschaft die Schuld geben, einzelne Spieler anzählen – das ist ganz und gar nicht die Art des Belgiers.
"Ich werde es wie immer machen: Ich bleibe in solch einer Situation ruhig", sagte der 38-Jährige am Freitagvormittag an der Säbener Straße und erklärte: "Wir haben auch mal sieben, acht Spiele in Folge gewonnen. Es ist wichtig, dass wir darüber reden, was wir besser machen müssen. Damit wir wieder ganz oben dabei sein können, müssen wir unseren Weg gehen. Hoffentlich kommt die Antwort auf dem Platz."
Eine Reaktion, etwa wie nach der 1:4-Pleite im Oktober beim FC Barcelona, die von Kompany tatsächlich sieben gewonnenen Partien hintereinander, wünscht sich auch Joshua Kimmich. "Ich erwarte schon eine Reaktion", forderte der Vize-Kapitän noch am späten Abend der Pleite von Rotterdam. Kimmich mache dabei Mut, "dass die Gruppe zusammenhält und wie wir nach der Barça-Niederlage reagiert haben. Da haben wir zehn Spiele in Folge gewonnen. Das muss auch jetzt das Ziel sein, dass wir auf keinen Fall an uns zweifeln."
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Zweikampf bei Feyenoord gegen FC Bayern

Fotocredit: Getty Images

Wenn auch Kimmich die exakte Anzahl nicht mehr im Kopf hatte, ist die Stoßrichtung, mit der die Bayern in die folgenden Spiele in Freiburg und gegen Bratislava gehen, klar: Wiedergutmachung!
Damit geht die Frage einher: War das 0:3 in den Niederlanden ein weiterer Betriebsunfall wie mehrmals im Herbst (neben der Barcelona-Blamage gab es ein 0:1 bei Aston Villa) oder ein grundsätzlicherer Fehler im System von Kompany bzw. eine Frage der Qualität des Kaders? Sind nur die Ergebnisse in Europa ungenügend?

Für Eberl war Rotterdam ein "richtiger Hieb auf die Nase"

Der in Rotterdam bediente Sportvorstand Max Eberl nannte die dritte Pleite im siebten Spiel der Ligaphase dieser Champions-League-Saison "richtig bescheiden", einen "richtigen Hieb auf die Nase". "Zu weit weg, zu fragil, nicht reif und abgezockt genug", nannte Joshua Kimmich die ungenügende Leistung. Optisch überlegen, dennoch auf der Verliererstraße. Patzer in der Defensive mit individuellen Aussetzern wie von Min-jae Kim vor dem 0:1 und Raphael Guerreiro, der mit einem plumpen Foul den Elfmeter verursachte, der zum 0:2 führte. Die Gegentore nach Umschaltsituation haben ein altes, doch noch nicht abgelegtes Muster.
Und vorne? Chancenwucher. 30 Abschlüsse, neun Großchancen, keine verwertet. Torjäger Harry Kane, der seit November nicht mehr aus dem Spiel heraus getroffen hat, steckt in der Krise. Ganz schön viele Baustellen. Die Underdogs von Feyenoord spielten einfach und effizient: Drei Schüsse aufs Tor, alle drin.
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Harry Kane nach einer vergebenen Torchance des FC Bayern gegen Feyenoord Rotterdam

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Sind die Vorgaben von Vincent Kompany also zu komplex und die Spielweise (zum wiederholten Male) zu Risiko-anfällig? Das Risiko seines so pressingintensiven und hochriskanten Systems nimmt der Bayern-Trainer in Kauf. Er bleibt bei seiner Linie, das ist konsequent und kommt bei den Profis gut an. Auch, dass er seine Philosophie nach Rücksprache mit dem Trainerteam und den Führungsspielern nach dem Barcelona-Erlebnis, einer Art heilsamen Schock, marginal angepasst hat. Die letzte Verteidigungslinie mit den flinken Innenverteidigern Kim und Dayot Upamecano wurde um Nuancen nach hinten verschoben.
Dennoch hilft das beste System nicht, wenn Akteure wie Kim und Guerreiro in den entscheidenden Momenten wie in Rotterdam patzen. Haben sie kein Bayern-Niveau? Der Transfermarkt wird von Eberl und Sportdirektor Christoph Freund analysiert und gescannt, um die Mannschaft weiter zu verbessern. Um den Fokus der Medien, sprich die Kritik an einzelnen Spielern wegzulenken, sagte Eberl über das 0:3 bei Feyenoord: "Das hat nichts mit individueller Qualität zu tun, sondern mit dem Kollektiv."
Nun ja, Ansichtssache.

Die wiederkehrende Frage: Ist die Spielweise zu riskant?

Die Spielweise wird von den Profis mitgetragen, hat jedoch ihre Falltüren. Das Risiko ist bewusst einkalkuliert. Angesprochen auf die wieder aufgeflammte Konter-Anfälligkeit meinte Kapitän Manuel Neuer: "Ich glaube, dass wir das in letzter Zeit kontrolliert und im Griff gehabt haben. Ich kann nur ein großes Kompliment an unsere Defensive aussprechen, was die in der letzten Zeit geleistet hat. Dass es solche Tage gibt, das ist so im Fußball und bei uns allen ganz normal und menschlich."
Klar, dass der Torwart seine Vorderleute in Schutz nimmt, für den Routinier lag es an etwas anderem: "In den entscheidenden Situationen in der Offensive und Defensive sind wir nicht dagewesen. Da sind wir nicht gallig genug gewesen."
Für Kimmich liegt es generell an der "mangelnden Chancenverwertung". Das sei "ein Problem, das wir in diesem Jahr haben. In der Hinrunde war es oft so, dass wir mit der ersten Chance in Führung gehen konnten. Vielleicht gehen wir nicht mit der letzten Entschlossenheit mit den Chancen um. Weil man schon das Gefühl hat, dass aufgrund des Stils, den wir spielen, die nächste Chance schon kommt, und dass wir dann halt die nächste Chance reinmachen. Das ist schlecht."
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Manuel Neuer vom FC Bayern München reagiert auf die Pleite in Rotterdam

Fotocredit: Getty Images

Kimmich weiter: "Ich habe das Gefühl, dass wir uns auf einem guten Weg befinden, dass die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, die richtige ist. Aber egal wie du Fußball spielst, wenn du so viele Fehler machst und so viele Spiele verlierst, dann bist du natürlich kein Topteam." Seine Analyse führt zur Einschätzung, "dass das nicht an einem riskanten Spielstil liegt, sondern es tatsächlich individuelle Fehler waren."
Kimmichs Schlussfolgerung: "Am Ende hab‘ ich‘s lieber so, dass jemand individuelle Fehler macht, als dass wir das ganze System hinterfragen."
Der Weg ist das Ziel.

Kompany: "Wir wissen, wo wir hinwollen"

Folgt eine sofortige Reaktion in Freiburg? Kompany sagte am Freitagvormittag dazu: "Unsere ganze Saison muss eine Reaktion sein, auch in der Art und Weise, wie wir alles angehen wollen. Was die Jungs bis jetzt gezeigt haben, ist voller Hingabe. Das wollen wir auch weiter sehen, das verdienen die Fans. Wir wussten, dass nicht alles auf einmal perfekt sein wird." Der Weg ist das Ziel – und auf diesem Weg wolle man, so betonte Kompany, "jedes Spiel gewinnen! Es ist das Ziel. Es wäre ungewöhnlich, dass man Preise gewinnt, ohne dass man in einer Saison etwas Negatives durchlebt. In den entscheidenden Momenten musst du da sein." Man habe in dieser Saison "ganz oft gewonnen" und sei "sehr dominant" aufgetreten. Kompanys Forderung: "Das wollen wir in jedem Spiel durchziehen, in der Bundesliga und in Europa. Wir wissen, wo wir hinwollen."
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SotipptderBoss: Leverkusen fügt Leipzig empfindliche Pleite zu

Quelle: Eurosport


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