FC Bayern München: Minjae Kim gegen Inter Mailand als Mahnmal - Sturheit, Überbelastung und Fehler kosten Titel
Update 17/04/2025 um 13:09 GMT+2 Uhr
Der FC Bayern München ist am Mittwochabend im Viertelfinale der UEFA Champions League an Inter Mailand gescheitert. Der deutsche Rekordmeister bäumte sich mit einer beherzten Leistung zwar auf, am Ende sollte es gegen die gnadenlosen Nerazzurri aber nicht reichen. Individuelle Fehler - auch neben dem Rasen - kosteten den deutschen Rekordmeister die Chance auf das ersehnte "Finale dahoam".
Kompany verteidigt Kim: "Kann nichts für den Fußballkalender"
Quelle: Perform
Es war ein Sinnbild.
Im altehrwürdigen Stadio Giuseppe Meazza war soeben die 61. Minute angebrochen, der FC Bayern wankte nach dem kurz zuvor kassierten Ausgleich zum 1:1 gegen Inter Mailand. Rechts im Strafraum kam Matteo Darmian völlig alleingelassen zum Abschluss, doch Eric Dier bewahrte die Münchner mit einer Monstergrätsche vor dem nächsten Nackenschlag.
Dann die anschließende Ecke - 1:2.
"Das war richtig plump, wie wir die kassiert haben", legte Thomas Müller im Interview mit "DAZN" nach dem Viertelfinal-Aus gegen die Italiener den Finger in die Wunde. Ausgerechnet im wichtigsten Spiel der Saison ließen sich die Bayern wieder einmal auf die Gratwanderung zwischen Genie und Wahnsinn ein. Nicht nur auf dem Rasen.
Kompany stellt sich vor Ex-Monster Kim
Minjae Kim wurde am Mittwochabend einmal mehr eine tragische Rolle zuteil.
Wie im Hinspiel handelte sich der Südkoreaner bereits in Halbzeit eins mit einer völlig unbeholfenen Aktion gegen Marcus Thuram eine Gelbe Karte ein, unnötige Ausflüge in Sphären außerhalb seines Terrains brachten die Hintermannschaft regelmäßig in arge Bedrängnis.
Beim 1:1 segelte er unter dem Eckball hindurch, drei Minuten später leistete er gegen Siegtorschütze Pavard keine Gegenwehr. Auf europäischem Parkett sind solche Schnitzer tödlich.
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Minjae Kim im Duell mit Federico Dimarco
Fotocredit: Getty Images
Auf der Pressekonferenz meldete sich schließlich ein Reporter aus Italien zu Wort. Das Land, in dem Kim in der Saison 2022/23 bei der SSC Neapel zum "Monster" mutiert war.
Warum davon nichts mehr zu sehen sei? "Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung - und ich stimme nicht zu", stellte sich Trainer Vincent Kompany vor Kim. "Minjae muss und wird uns helfen, dieses Jahr den Titel zu gewinnen. Darauf müssen wir uns jetzt konzentrieren."
Ex-Monster Kim ist natürlich nicht alleine für das Scheitern des FC Bayern verantwortlich. An seiner Personalie zeigt sich aber das Paradox, das sich der deutsche Rekordmeister selbst eingebrockt hat.
Sturheit in der Abwehr: Kim als Mahnmal
Jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, ist gerade nach emotionalen Abenden wie jenem in Mailand nicht immer die feinste Art. Und doch hat die Aussage "Minjae muss [...] uns helfen" etwas Entlarvendes an sich.
55 Spiele absolvierte Kim in dieser Saison, bei 20 internationalen Einsätzen für Bayern und Südkorea legte er 74.000 Kilometer zurück - fast den doppelten Weltumfang. Darüber hinaus spielt der 28-Jährige seit Beginn der Saison mit einer Entzündung der Achillessehne, die Resultat seiner Überbelastung ist.
"Minjae Kims Arbeitspensum wird immer höher. Seine Geschichte ist eine Warnung", alarmierte die Spielergewerkschaft FIFPro am Mittwoch in einem Post auf X. Überbelastung führt zu Defiziten, Defizite führen zu Fehlern, Fehler kosten Titel.
Bis vor rund einem Monat, als sich die bayerische Defensive noch nicht aufgrund des Verletzungspechs von alleine aufgestellt hatte, gab es beim FCB keine Notwendigkeit, sich selbst in diese Lage zu manövrieren.
Gerade nach Auftritten der dürftigeren Sorte hätten die Bayern Kim aus dem Kreuzfeuer nehmen, den einstigen 50-Millionen-Transfer auf die Bank setzen und ihm so Ruhe und vor allem die nötige Regenerationspause verschaffen können.
Bei Kompany galt jedoch das Duo aus Kim und Dayot Upamecano von Anfang an als gesetzt, ohne Wenn und Aber. Im Großteil der Fälle fuhr der belgische Trainer damit Erfolge ein. In der Champions League erhielt er für seine Sturheit nun die Quittung.
Bayerns Kaderpolitik: Wirtz? Abwehr!
Im Giuseppe Meazza sorgte schlussendlich ein gewisser Eric Dier dafür, dass das Fragezeichen in den bayerischen Gefilden nur noch größer wurde.
Wie in der Rückrunde der vergangenen Saison avancierte der 31-jährige Engländer in den entscheidenden Momenten zu einem Stützpfeiler in jener Abwehrkette, für die er außerhalb der Personalnot als Stammspieler nicht infrage kam.
Dabei erfüllt er durchaus die notwendigen Anforderungen, um Kim oder Upamecano ihren Platz streitig zu machen. Und trotzdem wartet Dier rund zwei Monate vor Ablauf seines Vertrages auf ein Angebot für eine Verlängerung.
In Zeiten, in denen der FC Bayern trotz angekündigter Sparmaßnahmen mit Wunschtransfer Florian Wirtz flirtet und mit nahezu allen Großverdienern - mit Ausnahme von Thomas Müller - verlängern will, sollte der Name Dier ein sogenannter No-Brainer sein. Vor allem mit Blick auf sein relativ niedriges Gehalt von knapp sieben Millionen Euro.
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Triumph über Bayern: "Lohn für all die Tage"
Quelle: Perform
Darüber hinaus stellt die Abwehr selbst im fitten Zustand eine Baustelle dar. Das Zentrum darf wie bereits ausgeführt hinterfragt werden, auf den Außenpositionen fehlen bei personellen Engpässen die Alternativen.
Berichten aus England zufolge wurden die Fühler aber zumindest schon ausgestreckt. Ins Visier von Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Christoph Freund sollen die beiden jungen Innenverteidiger Malick Thiaw (AC Mailand) und Dean Huijsen (AFC Bournemouth) gerückt sein.
Gegen Inter gab es für den FC Bayern nach den personellen Entwicklungen der vergangenen Wochen kein Zurück mehr. Auf eine derartige Gratwanderung zwischen Genie und Wahnsinn sollten die Münchner in Zukunft verzichten. Auch neben dem Rasen.
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