FC Bayern – Thomas Müller straft die Münchner Bosse am Achterbahn-Abend Lügen: Da ackert die Schilddrüse
Die vergangenen Tage standen beim FC Bayern ganz klar im Zeichen von Thomas Müller. Nachdem bekannt geworden war, dass die FCB-Bosse der Identifikationsfigur keinen neuen Vertrag offerieren, sah sich der Klub dem Vorwurf von mangelnder Wertschätzung ausgesetzt. Im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Inter brauchte Müller nur wenige Minuten, um die Verantwortlichen vorzuführen.
Kompany über Müller: "Wissen, dass er eine wichtige Rolle spielt"
Quelle: Perform
Thomas Müller hatte seine verbalen beziehungsweise verschriftlichten Spitzen bereits am vergangenen Samstag in Richtung Vorstandsetage des FC Bayern verschickt.
In einem persönlichen Statement, das Müller 41 Minuten vor der offiziellen Mitteilung des Klubs auf seinen Social-Media-Kanälen veröffentlichte, informierte die FCB-Klubikone seine virtuelle Gefolgschaft darüber, dass die Bayern nach der Saison nicht mit ihm weiterarbeiten möchten.
Er persönlich habe sich gut vorstellen können, noch ein Jahr dranzuhängen, dass der Verein ihm kein neues Arbeitspapier angeboten hatte, habe nicht seinen "persönlichen Wünschen" entsprochen.
Nach 25 Jahren endet im Sommer somit eine Ära beim deutschen Rekordmeister. Der Umgang der Verantwortlichen mit einer der größten Vereinsikonen überhaupt stieß vielen Fans sauer auf. Der Tenor: Von wegen Mia san Mia! Die Causa Müller wurde zum Politikum.
Müller wieder auf der Bank
Sportvorstand Max Eberl erklärte sich im "Doppelpass", deklarierte einige voreilig getroffene Aussagen in puncto Müller-Verlängerung als "vielleicht nicht so schlau", Ex-Teamkollege Toni Kroos bemühte ein altes Sprichwort, wonach zu viele Köche den Brei verderben (wen genau auch immer er meinte) und Jürgen Klinsmann, einst selbst beim FC Bayern unter Vertrag, kritisierte den Zeitpunkt der Entscheidung.
Am Dienstagabend, als das erste Fußballspiel nach dem Müller-Knall anstand, hatte sich der Staub freilich noch nicht gelegt. Als dann schließlich der weitestgehend fachfremde Raphael Guerreiro anstelle des "gelernten" Zehners Müller für den verletzten Jamal Musiala in die Startelf berufen wurde, war die ganze Geschichte um ein weiteres Kapitel bereichert worden.
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Saß gegen Inter zunächst nur auf der Bank: Thomas Müller
Fotocredit: Getty Images
Es sollte längst nicht der letzte Abschnitt gewesen sein. Als die Bayern gegen Inter kurz vor der Pause durch Lautaro Martínez ins Hintertreffen geraten waren und nach dem Seitenwechsel nicht zwingend den Eindruck erweckten, die Nerazzurri ins Wanken zu bringen, lahmte die Stimmung in der Allianz Arena merklich.
Müller weckt die Arena auf
Die Gesänge wurden behäbiger, das Aufstehen beim Appell "Steht auf, wenn ihr Bayern seid" mühsamer. Erst als sich Müller in der 74. Minute seines Aufwärmshirts entledigte und die Nummer 25 auf der Anzeigetafel auftauchte, ging ein Ruck durchs Rund – und damit auch durchs Team.
Müller war sofort da, kam nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung zu seinem ersten gefährlichen Abschluss (82.).
Diesmal hatte der überragende Inter-Verteidiger Alessandro Bastoni noch etwas gegen ein Müller-Tor einzuwenden, drei Minuten später war aber auch er machtlos, als der 35-Jährige eine Flanke von Konrad Laimer über die Linie drückte.
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Thomas Müller und Harry Kane bejubeln den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich gegen Inter Mailand
Fotocredit: Getty Images
Ungelenker Jubel in Müller-Manier, die Stimmung auf dem Siedepunkt. "Bei mir ist es meistens so, dass meine Finger und mein ganzer Körper in die verschiedensten Richtungen zeigen", sagte Müller im Nachgang in der Mixed Zone mit Blick auf seine Tor-Ekstase: "Ich habe da keine Kontrolle drüber, wenn ich ehrlich bin."
"Schilddrüse hat geackert wie blöd"
Was ihm denn im Moment des Treffers durch den Kopf gegangen sei, wurde er gefragt: "Was ging mir durch den Kopf? Die Schilddrüse hat geackert wie blöd. Ansonsten ging mir nicht viel durch den Kopf." Ein typischer Müller-Satz.
Grundsätzlich ging es aber freilich nicht bloß um sein Tor, das ja letztlich eine Geschichte war, die bekanntlich ausschließlich der Fußball schreibt – nein, es ging selbstredend um seine Quasi-Ausbootung, in jeder gestellten Frage schwang die Hoffnung mit, dass dieser bajuwarische Bajazzo doch endlich noch einmal gegen den Verein austeilen möge.
Doch Müller tat den anwesenden Reportern den Gefallen nicht. Stattdessen sprach er von großer Wertschätzung, die er erfahre, erklärte, dass sich die derzeitige Situation ganz und gar nicht nach "Abschiedstour" anfühle und gab das Mantra "volle Kraft voraus" aus. Kein böses Blut.
Müller zeigt es allen
An diesem Abend bedurfte es auch wahrlich keiner Verbalattacken. Müller hatte den Bossen in wenigen Minuten auf dem Platz gezeigt, dass die Entscheidung, ihn im Sommer vor die metaphorische Tür zu setzen, falsch ist. Einerseits aus sportlicher Sicht strafte er Coach Kompany und dessen Entscheidung pro Guerreiro doch in nur wenigen Minuten Lügen.
Vor allem jedoch unter dem emotionalen Aspekt. Niemand sonst ist imstande, die Allianz Arena derart mitzunehmen, kein anderer Bayern-Spieler hätte das Fröttmaninger Luftkissen noch einmal in dieser Form zum Beben gebracht.
Dass es am Ende trotz seines Tors wieder ruhiger wurde, Inter in Person von Davide Frattesi das entscheidende 1:2 aus Bayern-Sicht erzielte, passte schließlich zum Achterbahn-Abend des Thomas Müller. Ein Achterbahn-Abend ohne Happy End.
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Kompany unzufrieden: "Normalerweise schießen wir zwei, drei Tore"
Quelle: Perform
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