Drei Dinge, die bei PSG gegen FC Bayern München im Champions-League-Halbfinale auffielen: Fußball vom anderen Stern
Paris Saint-Germain und der FC Bayern lieferten sich im Halbfinal-Hinspiel der Champions League ein historisches Neun-Tore-Spektakel. Während der 90 aufregenden Minuten brillierten insbesondere die hochkarätig besetzten Offensivreihen auf beiden Seiten, die Münchner Hintermannschaft hatte aus dem vorherigen Duell mit Real Madrid die falschen Erkenntnisse gezogen. Drei Dinge, die auffielen.
Kompany fordert Support: "Wucht der Allianz Arena mitnehmen"
Quelle: Perform
Ein Spiel wie eine 90-minütige Naturgewalt, ein Duell der beiden mutmaßlich besten Mannschaften der Welt, das selbst die höchsten Erwartungen übertraf.
Was Paris Saint-Germain und der FC Bayern am Mittwochabend im Prinzenpark darboten, war insbesondere offensiv ein Griff ins oberste metaphorische Fußballregal. Ein Champions-League-Endspiel - getarnt als Halbfinal-Hinspiel.
Mit 5:4 (3:2) behielten die Franzosen dank der Tore von Khvicha Kvaratskhelia (24., 56.), Joao Neves (33.) und Ousmane Dembélé (45.+5, 58.) die Oberhand. Mit Blick auf das Rückspiel (Mi., 21:00 Uhr) nur bedingt zufriedenstellend aus PSG-Sicht, immerhin hatte sich die Mannschaft von Trainer Luis Enrique zwischenzeitlich mit drei Toren abgesetzt.
Auch, weil die Münchner Abwehr nicht aus ihren Fehlern gegen Real Madrid gelernt hatte. Am Ende bewies der deutsche Rekordmeister, für den Harry Kane (17.), Michael Olise (41.), Dayot Upamecano (65.) und Luis Díaz (68.) trafen, aber einmal mehr Charakter.
Drei Dinge, die bei PSG vs. FC Bayern auffielen.
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Kimmich: "Früher wären wir weggebrochen"
Quelle: Perform
1.) Ein Spiel vom anderen Stern
"Das war vielleicht das beste Spiel in meiner Karriere als Coach", schwärmte Luis Enrique im Anschluss am "Prime"-Mikrofon, Bayern-Sportvorstand Max Eberl hatte eine "grandiose Partie" gesehen. Joshua Kimmich kramte die Plattitüde namens "Werbung für den Fußball" aus der Mottenkiste. Und Vincent Kompany? Der ordnete das Erlebte freilich wieder einmal völlig nüchtern ein.
Dabei entglitten - so fingen es zumindest die Kameras ein - selbst dem pragmatischen Belgier, der aufgrund einer Gelbsperre von der Tribüne aus zusehen musste, ein ums andere Mal die Gesichtszüge. Wer wollte es ihm denn angesichts der Umstände auch verdenken?
PSG und Bayern lieferten sich nach anfänglichem Abtasten ein Spektakel auf allerhöchstem Niveau, beide agierten mit dem viel zitierten offenem Visier und schrieben mit dem torreichsten Halbfinale der Champions-League-Historie sogar nebenbei noch Geschichte.
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Champions League: Luis Díaz überragte im Halbfinal-Hinspiel für den FC Bayern bei Paris Saint-Germain
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"So ein Spiel habe ich wirklich noch nie in meinem Leben gesehen", sagte der merklich mitgenommene "Prime"-Experte Christoph Kramer anschließend. Er schob nach: "Das war Wilder Westen. Das kann ja - ohne Scheiß - auch 9:9 ausgehen."
Man konnte dem Weltmeister von 2014 nur beipflichten, insbesondere die Offensivstars Olise, Kane und Díaz aufseiten der Gäste sowie das PSG-Duo Dembélé und Kvaratskhelia stellten ihre herausragende Technik und Abschlussstärke eindrucksvoll unter Beweis und bewarben sich allesamt für eine aussichtsreiche Ballon-d'Or-Kandidatur.
2.) Ein Scheunentor namens Bayern-Abwehr
Während die Angreifer Begeisterungsstürme auslösten, lief es für die jeweiligen Hintermannschaften eher mäßig.
Insbesondere die Bayern-Abwehr schien aus ihren augenscheinlichen Konter-Problemen im Viertelfinal-Duell mit Real Madrid keine Erkenntnisse gezogen zu haben.
Immer wieder klafften zwischen Mittelfeld und letzter Kette eklatante Lücken, immer wieder sahen sich Upamecano und Jonathan Tah, Münchens Innenverteidiger, mit dem heranrauschenden Dreigestirn Kvaratskhelia, Dembélé und Désiré Doué konfrontiert.
Dabei waren Upamecano und Tah häufig allein auf weiter Flur - Linksverteidiger Alphonso Davies, der für Konrad Laimer in die Startelf gerückt war und bisweilen bei seiner Interpretation der Position im Halbraum etwas auf verlorenem Posten stand, sowie Josip Stanisic auf der rechten Seite kamen regelmäßig bei Ballverlusten nicht mehr rechtzeitig hinter den Ball.
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Champions League: Die Defensive des FC Bayern um Josip Stanisic (l.), Joshua Kimmich (m.) und Dayot Upamecano mussten fünf Gegentore bei PSG hinnehmen
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Doch nicht nur bei Kontern gaben die Gäste aus der bayrischen Landeshauptstadt kein gutes Bild ab. Auch bei gegnerischen Standardsituationen offenbarte der FCB zum wiederholten Male Unzulänglichkeiten.
Nach einer Ecke durfte der 1,74-Meter-Mann Neves zum 2:1 einköpfen, nachdem er von Jamal Musiala lediglich alibimäßigen Begleitschutz erhalten hatte. Ein klarer Zuordnungsfehler, der in dieser Saison nicht zum ersten Mal auffiel. Von nun 57 Pflichtspielgegentoren resultierten 22, also knapp 39 Prozent, aus einem ruhenden Ball.
3.) Sie nannten ihn Kvaradona
Die Stadt Neapel gilt als Wiege der Pizza, ist bekannt für ihre Lage am Fuße des Vesuvs und die Umtriebe der Camorra. Der eigentliche Herrscher in der Mittelmeer-Metropole ist aber der Fußball, die SSC Neapel und ihr berühmtester Ex-Spieler Diego Maradona.
Der argentinische (Halb)-Gott ziert Häuserfassaden und ist in den unzähligen Souvernirläden allgegenwärtig, eine unantastbare Ikone.
Nachdem Il Dio gegangen war, darbte Napoli in puncto Titeln - bis sich ein junger, unbekannter Georgier 2022 anschickte, die leidenschaftlichen Tiffosi von ihrem Leid zu erlösen und die Partenopei nach 33 Jahren Wartezeit zum Meistertitel zu schießen: Khvicha Kvaratskhelia. Oder eben Kvaradona, wie er fortan liebevoll genannt wurde. Was für eine Ehre.
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Champions League: Khvicha Kvaratskhelia brillierte mit zwei Treffer für Paris Saint-Germain im Halbfinal-Hinspiel gegen den FC Bayern
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Nun dürfte Kvaratskhelia niemals an Maradonas Denkmal rütteln, alleine schon, weil er deutlich biederer im positiven Sinne daherkommt, Eskapaden nicht zum Portfolio des 25-Jährigen zählen. Aus rein sportlicher Sicht ist der 25-Jährige, der seit Januar 2025 die Schuhe für PSG schnürt und einen erheblichen Beitrag zum Champions-League-Sieg 2025 lieferte, allerdings in der Weltspitze angekommen.
Gegen die Bayern gehörte er zu den auffälligsten Parisern, spielte die Münchner und insbesondere Stanisic etliche Male schwindelig. Vier seiner sechs Dribblings gestaltete Kvaratskhelia erfolgreich, im Eins-gegen-Eins war gegen den pfeilschnellen und trickreichen Linksaußen kein Kraut gewachsen.
PSG ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass die ganz großen Namen (vor wenigen Jahren spielten Messi, Neymar und Mbappé noch gemeinsam im Pariser Sturm) nicht zwingend Erfolgsgaranten sind, sondern viele große Egos auch als Hemmschuh wirken können.
Kvaratskhelia lässt einfach die Allüren weg - und steht allein deshalb sinnbildlich für ein PSG, das ohne die Großkopferten besser funktioniert.
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Enrique völlig buff: "Wie viele Tore müssen wir noch schießen?"
Quelle: Perform
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