Drei Dinge, die beim BVB gegen Juventus Turin auffielen: Wie Dortmunds Unheil in der Champions League seinen Lauf nahm
Borussia Dortmund hat zum Start in die neue Champions-League-Saison einen sicher geglaubten Sieg bei Juventus Turin verspielt. Beim 4:4 (0:0) führte der BVB in der vierten Minute der Nachspielzeit noch 4:2, bekam dann aber das große Nervenflattern. Wie das Unheil seinen Lauf nahm, acht Tore in 45 Minuten fallen konnten und was den BVB trotzdem hoffnungsfroh stimmt.
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Quelle: Perform
Der BVB hatte sie eigentlich schon sicher: drei Punkte zum Champions-League-Auftakt bei Juventus Turin.
In der vierten Minute der Nachspielzeit sah der Bundesligist beim Stand von 4:2 wie der sichere Sieger aus, setzte dann aber wie schon zum Bundesligaauftakt beim FC St. Pauli (3:3 nach 3:1-Führung) die Schlussphase gehörig in den Sand und stand letztlich beim 4:4 mit nur einem Punkt da.
Zwei späte Gegentore durch Dusan Vlahovic (90.+4) und Lloyd Kelly (90.+6) verwandelten einen Königsklassen-Traumstart binnen zwei Minuten in kollektive Fassungslosigkeit.
Drei Dinge, die bei Juventus Turin gegen Borussia Dortmund auffielen.
1. Wie das Unheil seinen Lauf nahm
Als Ramy Bensebaini in der 86. Spielminute einen blitzsauberen Elfmeter zum 4:2 ins linke untere Toreck setzte, war die schwarzgelbe Welt schwer in Ordnung - trotz eines fast tumultartigen Streits um den Schützen im Vorfeld.
Serhou Guirassy, der zuletzt gegen St. Pauli vom Punkt scheiterte, hatte den Elfer herausgeholt und seiner Meinung nach dadurch auch das Recht, ihn auszuführen.
Nach zwei Minuten hitziger Diskussionen - unter reger Beteiligung eines sichtlich erregten Trainers Niko Kovac - trat schließlich Bensebaini an, verwandelte sicher und feierte anschließend zusammen mit Streithahn Guirassy den vermeintlich sicheren Auftaktsieg. Oder?!
Bis zur Nachspielzeit hielt die Zwei-Tore-Führung, dann nahm das Unheil seinen Lauf – und Bensebaini stand erneut im Mittelpunkt. Statt einen gewonnenen Ball auf der linken Abwehrseite kompromisslos zu klären, versuchte der Algerier, João Mario anzuschießen. Der Ball landete bei Pierre Kalulu, der im Fünfmeterraum Vlahovic fand - nur noch 4:3 (90.+4).
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Dusan Vlahovic war mit seinem Doppelpack einer der Helden für Juve
Fotocredit: Getty Images
"Du hast den Ball, haust ihn nach vorne, spielst die Zeit runter. Wir müssen das erwachsener zu Ende spielen, ganz einfach", echauffierte sich Torhüter Gregor Kobel über Bensebainis Nachlässigkeit. "Klar kann man mit dem Finger auf Ramy zeigen, das machen wir nicht", meinte Kovac nach Spielende bei "Prime Video", denn: "Hinten ist keine Playzone, da darf einfach nichts mehr passieren."
Es wurde noch schlimmer: Auch vor dem 4:4 (90.+6) unterliefen dem BVB jugendliche Leichtsinnsfehler. Yan Couto hätte rechts vorne nur zur gegnerischen Eckfahne durchsprinten müssen, machte aber kehrt und vertändelte den Ball planlos. Juventus konterte, der überragende Vlahovic (zwei Tore, ein Assist) flankte auf Lloyd Kelly, der per Kopf zum im Juventus Stadium frenetisch gefeierten 4:4-Endstand traf.
Für die Alte Dame fühlte sich der Punkt wie ein Sieg an - für Dortmund wie eine Niederlage. Kovac wollte seiner Mannschaft dennoch "ein Kompliment aussprechen. So eine gute erste Halbzeit zu spielen, ist nicht einfach vor diesen heißblütigen Fans." Am Ende aber überwog die Enttäuschung: "Was nicht gut war, waren die letzten vier Minuten. Das tut weh."
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Kehl nach wildem BVB-Remis: "Kein Rückschritt heute"
Quelle: Perform
2. Vogelwilder CL-Auftakt: Acht Tore in 45 Minuten
In der Halbzeit-Analyse fachsimpelten die Weltmeister Christoph Kramer und Mats Hummels über sich neutralisierende Teams und ein Spiel, ohne viele Abschlüsse. "Es ist ein typisches Spiel zweier Mannschaften im gleichen System. 3-4-3 gegen 3-4-3 neutralisiert sich immer", analysierte Kramer beim Stand von 0:0 - Hummels stimmte zu.
Tatsächlich hatten die 44.000 Zuschauer bis zur Pause nur eine echte Torszene gesehen: Khéphren Thurams Abschluss in der 4. Minute, den Kobel sensationell aus dem linken Winkel fischte. Der BVB selbst brachte dagegen keinen einzigen Ball aufs Tor.
Nach dem Seitenwechsel zeigte sich dann ein völlig anderes Bild. "Wir haben klar gesagt, dass wir in der zweiten Halbzeit mehr nach vorne spielen und Tore schießen wollen", verriet Kobel.
Der BVB erhöhte das Risiko, schob die Außenverteidiger Yan Couto und Daniel Svensson weiter nach vorne und spielte vertikaler. Dass dadurch bei Ballverlusten auch Räume für Juventus entstanden, war die Kehrseite der Medaille und sorgte letztlich für das Scheibenschießen im zweiten Durchgang.
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Borussia Dortmund und Juventus Turin trennen sich im irren Remis 4:4
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Vier Tore in zwölf Minuten ließen Kenan Yildiz (1:1, 63.), Felix Nmecha (1:2, 65.), Vlahovic (2:2, 67.) und Couto (2:3, 75.) nach Adeyemis Führungstreffer (52.) folgen. Dann trafen auch noch Bensebaini (2:4, 86./Handelfmeter), erneut Vlahovic (3:4, 90.+4) und Kelly (4:4, 90.+6) und machten so den Acht-Tore-Wahnsinn perfekt.
"Es war ein Spiel, das schwer zu greifen ist, weil es abgehakt war", bilanzierte Hummels sichtlich mitgenommen nach Abpfiff und fügte an: "Vielleicht war genau das das Problem."
3. Adeyemi nutzt den Aufwind
Schon am vergangenen Wochenende in Heidenheim stach Karim Adeyemi heraus. Vor dem Treffer zum 2:0-Endstand zeigte er Größe, als er frei vor Keeper Diant Ramaj den besser postierten Maximilian Beier bediente, anstatt selbst sein erstes Saisontor zu erzielen.
Auch zum Königsklassen-Auftakt in Turin stellte sich der Nationalspieler auffällig konsequent in den Dienst der Mannschaft. Adeyemi war erster Pressingauslöser und unnachgiebiger Anläufer. Er machte weite Wege (ja, auch nach hinten) und überzeugte mit starker Körpersprache.
Sein Treffer zum 1:0 (52.) war nicht nur der Lohn für seinen tollen Auftritt, sondern auch der Zündfunke für die gesamte BVB-Offensive.
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Karim Adeyemi (l.) und Felix Nmecha feiern das zwischenzeitliche 1:0 von Borussia Dortmund bei Juventus Turin
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Besonders auffällig: Adeyemi harmoniert bestens mit Guirassy und Beier. Der "AGB"-Sturm versprüht Spielfreude, kombiniert mitunter spektakulär und sorgt für in Dortmund lange vermisste Vollgas-Momente.
Schon gegen Heidenheim hatte Kovac die drei gemeinsam starten lassen - dort agierte der BVB allerdings 68 Minuten in Überzahl. Ein echter Gradmesser war die Partie daher nicht.
Dass die Offensive nun auch in Turin funktionierte, dürfte die BVB-Fans mit etwas Abstand trotz des bitteren Endes hoffnungsvoll stimmen.
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Kobel schimpft: "Da muss man auch mal dreckig spielen"
Quelle: Perform
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