FC Liverpool: Dritte Niederlage wirft Fragen auf, scharfe Kritik an Florian Wirtz - doch wie viel Panik ist erlaubt?

Der FC Liverpool hat am Dienstagabend gegen Galatasaray seine zweite Niederlage in Folge kassiert (0:1). Zwar lässt sich die Ausbeute der bisherigen Saison nach wie vor sehen, der Dämpfer in Istanbul offenbarte jedoch einmal mehr, dass beim Tabellenführer der Premier League trotz eines beispiellosen Transfersommers noch lange nicht alles glänzt. Doch wie viel Panik ist eigentlich erlaubt?

Liverpool-Trainer Slot sauer über Nicht-Elfmeter in Istanbul

Quelle: Perform

Bereits in der 2. Minute zeichnete sich am Dienstagabend im Rams Park zu Istanbul ab, welche Fallhöhe dem Gastauftritt bei Galatasaray innewohnte.
Mit einem einfachen Steilpass durch die Mitte hebelte Yunus Akgün sowohl Mittelfeld als auch Abwehr des FC Liverpool aus, Flügelstürmer Baris Yilmaz lief schließlich alleine auf Torhüter Alisson zu. Eine Fußparade des Keepers verhinderte den frühen Nackenschlag im Hexenkessel der türkischen Metropole.
"Das war etwas schlampig", zog Reds-Kapitän Virgil van Dijk nach der 0:1-Niederlage ein knappes Fazit - und bezog sich damit nicht nur auf jene Großchance von Yilmaz.
Die zweite empfindliche Pleite in Folge offenbarte nämlich, dass Liverpool an Kinderkrankheiten leidet, die man sich eigentlich vor einem Jahr erwartet hatte. Trotz der Probleme führt der LFC die Premier League als Spitzenreiter an - wie viel Panik ist also erlaubt?

Liverpool wird für sein Risiko bestraft

Vor allem im eigenen Ballbesitz - bei dem Liverpool übrigens auf 66 Prozent kam - agierten die Engländer teils zu kopflos. So auch in der 54. Minute, als Ibrahima Konate den hellwachen Victor Osimhen mit einem missratenen Rückpass alleine in Richtung Tor schickte. Glücklicherweise war erneut auf Alisson Verlass.
"Wir sind mit dem Ballbesitz ein Risiko eingegangen", merkte van Dijk an. Doch auch in der Offensive griffen die Zahnräder nicht ineinander.
picture

Virgil van Dijk vom FC Liverpool

Fotocredit: Getty Images

"Wir sind oft bis zur letzten Linie vorgedrungen und müssen uns dort vielleicht verbessern. In diesen Momenten haben wir falsche Entscheidungen getroffen, sie haben uns überrannt und sind gefährlich geworden", so van Dijk.
Für Unruhe sorgen will Europas Fußballer des Jahres 2019 aber nicht. "Ich hasse es zu verlieren", unterstrich er. "Aber wir brauchen keine Panik zu bekommen."

Istanbul, London und die letzte Saison

In dieselbe Kerbe schlug Trainer Arne Slot. Seine Enttäuschung über den erneuten Dämpfer und den strittigen Elfmeter, der zum 0:1 durch Victor Osimhen führte, versteckte der Niederländer zwar nicht. Dennoch wollte er nichts von einer drohenden Krise wissen.
"In der ersten Halbzeit haben wir ziemlich gut gespielt und eine große Chance gehabt, 1:0 in Führung zu gehen", hob er hervor. Der Auftritt sei im Vergleich zur vorangegangenen 1:2-Pleite bei Crystal Palace ein Fortschritt gewesen. "Für mich war das heute eine andere Leistung mit und ohne Ball."
Zum Vergleich: In der vergangenen Spielzeit, in welcher sich Liverpool in souveräner Manier zum Meister krönte, kassierten die Reds erst Ende Januar ihre dritte Saisonniederlage. Ein Transferfenster und 480 Millionen Euro später dauerte es nur zehn Spiele bis zu dieser Marke.
Los ging es mit dem verlorenen Community Shield gegen Crystal Palace - gefolgt von der Ligapleite gegen die Londoner und das 0:1 bei Galatasaray.
"Wir sind nicht so weit weg von vergangener Saison", nahm Slot etwaigen Kritikern den Wind aus den Segeln. "Die Unterschiede sind klein, zum zweiten Mal in Folge stehen wir auf der falschen Seite."

Ausreden schützen nicht vor Tatsachen

Klar: Slot und van Dijk sind alles andere als daran interessiert, Unruhe in den Klub zu bringen. Doch auch den beiden Protagonisten wird klar sein, dass Ausreden nicht vor Tatsachen schützen.
In der Defensive unterlaufen dem LFC regelmäßig fatale Fehler, nur allzu oft läuft ein gegnerischer Stürmer allein auf das Tor zu. Insgesamt kassierte Liverpool bereits 13 Gegentreffer in dieser Saison - mehr als in den ersten vier Monaten der vergangenen Spielzeit zusammen.
Noch besorgniserregender ist das Zusammenspiel im Angriff: Trotz der Verpflichtungen von Alexander Isak (145 Mio.), Florian Wirtz (125 Mio.) und Hugo Ekitiké (95 Mio.) ist der erhoffte Offensivzauber noch nicht zu sehen.
Vielmehr kränkelt Liverpool an Problemen, die im Premierenjahr von Slot nur allzu logisch gewesen wären: Abstimmungsprobleme vorne und hinten, dramatische statt kontrollierte Spielverläufe.
Gegen Bournemouth, Newcastle United, Arsenal, Burnley, Southampton und Atlético Madrid - also bei sechs seiner sieben Saisonsiege - entschied der LFC die Partie erst nach der 82. Minute.

Liverpool: Wirtz scharf kritisiert

Ins Kreuzfeuer der Kritiker geriet zuletzt vor allem Wirtz. Der deutsche Nationalspieler blieb seit seinem Wechsel von Bayer Leverkusen an die Anfield Road weit hinter den Erwartungen zurück, in neun Pflichtspielen steuerte er nur einen Assist bei.
"Im Moment denke ich nicht, dass die Balance im Team stimmt, und der offensichtlichste Fall ist Florian Wirtz", richtete Ex-Profi Jamie Carragher in seiner Analyse bei "CBS Sports" den Fokus auf den 22-Jährigen: "Er ist einfach nicht auf der Höhe. Er ist ein junger Kerl, der in eine neue Liga kommt."
picture

Florian Wirtz gerät beim FC Liverpool in die Kritik

Fotocredit: Getty Images

Wirtz habe noch viel Zeit bei den Reds vor sich, aber "er muss jetzt aus der Mannschaft genommen werden", forderte Carragher.

Liverpool ohne Alisson und Ekitiké

Dennoch befindet sich Liverpool nach wie vor in einer Situation, nach der sich mancher Konkurrent die Finger lecken würde.
"Im Moment sind sie noch nicht da", ordnete der ehemalige Reds-Star Daniel Sturridge bei "Prime Video" ein. "Wenn man sich anschaut, wie sie derzeit spielen, sind sie nicht dieselbe Mannschaft wie letztes Jahr. Man sieht, dass die Chemie im Moment nicht stimmt."
Doch auch der 36-Jährige, der 2018/19 mit Liverpool die Champions League gewonnen hatte, sieht seinen Ex-Klub noch weit von einer Krise entfernt. "Aber sie haben noch genügend Zeit, das hinzubekommen. Es gibt keinen Grund zur Panik."
picture

Alisson Becker wird im Spiel gegen Galatasaray behandelt

Fotocredit: Getty Images

Vorsicht ist im Nordwesten Englands trotzdem geboten. Am kommenden Samstag wartet das Duell mit Klub-Weltmeister Chelsea (ab 18:30 Uhr im Liveticker), im November folgend schließlich die Herausforderungen Real Madrid (4. November) und Manchester City (9. November).
Da kommt das jüngste Update der Reds zur Unzeit: Alisson und Ekitiké fallen verletzungsbedingt mindestens für den Kracher am Wochenende in London aus - und damit ausgerechnet jene beiden Spieler, welche in Istanbul die Fahne hochgehalten hatten.
(mit SID)
picture

Alonso lobt Superstar Mbappé: "Macht den Unterschied"

Quelle: Perform


Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung