Thierry Henry über das Champions-League-Finale des FC Arsenal gegen Paris Saint-Germain: "Wird ein schrecklicher Abend für mich"

Acht Jahre spielte Thierry Henry für den FC Arsenal und erlebte 2006 mit den "Gunners" ein denkwürdiges Champions-League-Finale, das sein Klub nach Roter Karte und Führung noch gegen den FC Barcelona verlor. Im Interview mit Eurosport Frankreich spricht der "CBS"-Experte über das diesjährige Endspiel, den Werdegang von Trainer Mikel Arteta, die Spielweise von PSG und einen "schrecklichen Abend".

Thierry Henry.

Fotocredit: Imago

Wenn der FC Arsenal kommenden Samstag gegen Paris Saint-Germain (21:00 Uhr im Liveticker) im Duell um den Henkelpott antritt, fiebert Thierry Henry ganz besonders mit.
2006 war er dabei, als die Gunners in ihrem bislang einzigen Champions-League-Finale am FC Barcelona (1:2) scheiterten.
"Meine Mannschaft ist normalerweise nicht bei Champions-League-Endspielen dabei, das wird ein schrecklicher Abend für mich", sagte der Franzose dem Kollegen Maxime Aubin von Eurosport Frankreich.
Im Interview spricht der Franzose außerdem spricht über die Unterschiede zwischen den "Schönen" (PSG) und dem "Biest" (Arsenal).
Thierry Henry, was werden Sie fühlen, wenn Sie am Samstagabend über dieses Spiel berichten, das so entscheidend ist für ihren ehemaligen Verein, den FC Arsenal?
Thierry Henry: Ich scheue mich nicht zu sagen, dass es ein schrecklicher Abend für mich werden wird. Meine Mannschaft ist normalerweise nicht bei Champions-League-Endspielen dabei. Da mache ich meinen Job, schaue mir das Spiel normal und ohne Hintergedanken an. Diesmal wird es anders sein. Ich werde natürlich professionell bleiben bei dem, was ich tue. Aber um ehrlich zu sein, werde ich mich nach dem Spiel ganz anders fühlen, je nachdem, ob sie gewonnen oder verloren haben.
Kann man von einem Gegensatz zwischen der "Schönen" und dem "Biest" sprechen, zwischen diesem offensiv so fulminanten PSG und einem eher pragmatischen und defensiven Arsenal?
Henry: Das hängt davon ab, wen man als die Schöne oder das Biest betrachtet. Manche lieben es, das Spiel ohne Ball zu kontrollieren, andere kontrollieren es lieber mit dem Ball und reagieren sofort, wollen ihn zurückgewinnen, sobald sie ihn verlieren. Ich habe Mannschaften gesehen, die mit beiden Stilen erfolgreich waren. Es ist alles eine Frage der Vorliebe.
Und welches System präferieren Sie?
Henry: Meine Meinung interessiert niemanden.
Könnte PSG, der Titelverteidiger mit seinem spektakulären Spiel, im Falle eines erneuten Titels den Anspruch erheben, der größte europäische Verein der Geschichte zu sein?
Henry: Ich verstehe nicht, warum die Leute so gern Vergleiche anstellen und den Größten unter den Großen suchen. Worin ich zustimme: PSG hat eine Mannschaft, der man sehr gern zusieht und die immer konkurrenzfähig ist. Es war eine schwierige Saison für sie, sie hatten viele Verletzte und hatten Mühe, Konstanz zu finden. Aber wenn alle Spieler fit sind und die Mannschaft ihr volles Potenzial entfalten kann, ist das, was Luis Enrique erreicht hat, bemerkenswert. Ich überlasse es Ihnen zu entscheiden, wer der Größte in der Geschichte ist. Aber ich erkenne an, dass PSG in seiner Spielweise außergewöhnlich ist.
Mikel Arteta wurde seit seinem Amtsantritt als Trainer von Arsenal im Jahr 2019 kritisiert, und manche bezweifelten, dass er der Richtige für diesen Job sei. Sind Sie froh, dass er nun endlich bewiesen hat, dass sich Geduld auszahlt, nachdem er den Gunners gerade ihren ersten englischen Meistertitel seit 22 Jahren beschert hat?
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Trainer Mikel Arteta vom FC Arsenal

Fotocredit: Getty Images

Henry: Es geht nicht darum, die Kritiker zum Schweigen zu bringen. Die Leute haben das Recht zu beurteilen, was sie sehen. Wir haben sieben Jahre und erhebliche Investitionen gebraucht, um erfolgreich zu sein. Wenn man sich heute manche Vereine ansieht, geben sie ihrem Trainer nicht diese Zeit, um zu zeigen, was er kann. Nichts entsteht von heute auf morgen. Mikel Arteta hatte diese Zeit und das nötige Geld, um die Spieler zu holen, die er wollte. Man hat ihm die Mittel gegeben. Heute liefert er ab. Die Leute erkennen das an, das ist gut.
Inwieweit wurde der Spieler, der Sie einmal waren, von diesen beiden Kulturen geprägt: der Ihrer Anfänge in Vereinen im Großraum Paris und der Ihrer beruflichen Entfaltung bei Arsenal in der englischen Liga?
Henry: Meine DNA ist französisch, dort hat alles begonnen, dort habe ich das Fußballspielen gelernt. Ich habe Clairefontaine durchlaufen, und man weiß ja, wie gut diese Ausbildung ist. Als ich nach einem Abstecher zu Juventus in die Premier League kam, war das eine völlig andere Welt. Viele Leute sprechen vom ”French Flair”, von dieser Eleganz, die den europäischen Spielern eigen ist und die die englische Liga verändert hat. Für mich war es die Mischung dieser beiden Kulturen, die mich besser gemacht hat und die uns als Mannschaft besser gemacht hat, so wie es bei Zola, Gullit, Cantona, Ginola und so vielen anderen der Fall war.
Was bleibt Ihnen von dem 1:2-Finale der Gunners gegen Barcelona im Mai 2006 in Erinnerung, bei dem es gleich zu Beginn zu einer roten Karte kam? (Anmerkung der Redaktion: Der deutsche Torwart Jens Lehmann war nach 18 Minuten vom Platz gestellt worden.) Ist das eine schmerzhafte Erinnerung, die Ihnen Bedauern bereitet?
Henry: Nein, so sehe ich das nicht. Wenn man an Endspiele denkt, sei es die Weltmeisterschaft 2006 (Niederlage im Elfmeterschießen gegen Italien) oder irgendein anderes verlorenes Finale, sagt man sich immer: "Dieses habe ich zwar verloren, aber ich habe trotzdem andere gewonnen." Man denkt nicht darüber nach, was hätte passieren können. Wir waren nicht der Favorit und schon nach wenigen Minuten zu zehnt. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Heute hoffe ich einfach, dass Arsenal, falls sie die Champions League gewinnen, als "The Unforgettable" in die Geschichte eingehen. Denn wir haben diesen Pokal nie gewonnen.
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Quelle: Perform


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