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Der LIGAstheniker: Der FC Bayern ist der große Verlierer der Neymar-Show
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Publiziert 05/08/2017 um 11:37 GMT+2 Uhr
Eurosport-Blogger Thilo Komma-Pöllath von Neymars Rekordtransfer weit weniger geschockt als der Rest der Fußball-Welt, Zynismus sei Dank. Große Verlierer der aktuellen Entwicklung sind für ihn nicht die Fans, sondern die Konkurrenz, die mit dem Geld der Scheichs nicht mithalten kann. Allen voran der FC Bayern, der zur Sparkasse unter den Investmentplayern des gierigen Fußballkapitals mutiert.
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Fotocredit: Eurosport
Zu Neymar da Silva Santos Júnior ist vermutlich schon deshalb alles gesagt, weil es den meisten eh die Sprache verschlagen hat. Da tut sich der LIGAstheniker als bekennender Fußballzyniker etwas leichter, als dass ihn im Themenumfeld "Menschenhandel, Raubtierkapitalismus, Volksverdummung" noch etwas schocken könnte.
Es ist doch so: Wenn wir nicht mehr ins Stadion gehen, keine Trikots mehr kaufen, keine Spiele am Fernsehen mehr schauen und die nächsten beiden Weltmeisterschaften in Russland und Katar boykottieren, wenn wir also nicht immer so weitermachen - den jüngsten televisionären Offenbarungseid namens "Audi-Cup" haben in der "ARD" über 5 Millionen Zuschauer gesehen - was soll dann diese alle umfassende Sozialneiderregung?
Es ist doch so: die Heuchelei geht in die nächste Saison.
Keine A-Spieler mehr für Bayern
Da mich der geneigte Herr Chefredakteur aber mit dem Stift auf der Brust gezwungen hat, diese "222-Millionenen-Euro-Show", wie "Spiegel Online" sie nennt - die in Wahrheit eher eine 600 Millionen-Euro-Show sein dürfte inklusive Gehalt, Handgelder, Provisionszahlungen, Anwaltskosten etc... - zu analysieren, will ich an dieser Stelle gerne einmal den Blick weiten.
Und Achtung, jetzt kommt's: Der große Verlierer dieser Neymar-Show ist: der FC Bayern. Genauer: ein Klubverständnis, das glaubt, mit einem tradierten Festgeldkonto und börsennotierten Anteilseignern in der Spitze des weltweiten Klubfußballs heute auf dem Transfermarkt noch adäquat etwas bewegen zu können.
Adäquat im Sinne von: einen der wenigen A-Spieler, von denen es weltweit 10, vielleicht 15 gibt, angeboten zu kriegen und bezahlen zu können. Spieler der Umlaufbahn Messironaldosúarezneymarundco., die den Bayern entsprechend ihrer sportlichen Erfolge und ihrer ruhmreichen Vergangenheit zustehen und die mit ihrem Selbstverständnis in Einklang stehen. Das ist vorbei!
Hoeneß’ Festgeldkonto ein Anachronismus
Erinnern Sie sich noch an das berühmteste Festgeldkonto des deutschen Fußballs? Es gab eine Zeit, da hat Uli Hoeneß mit dem Verweis auf die Kontoführungsgebühren des FC Bayern vor lauter Stolz einen hochroten Kopf bekommen.
Was er verkörpern wollte: "Wir haben Geld, echt viel und total seriös, auf’m Konto. Kann ich sofort ran, wenn ich mag. Glaubste nicht? Zeig ich Dir!" Hoeneß’ Verweis auf Solidität, Prosperität und finanzielle Freiheiten, die durch sportliche Erfolge eingespielt werden können, sind heute, nur wenige Jahre später, ein hübscher Anachronismus in den allgemeinen Geschäftsbedingungen des heutigen Turbokapitalspiels und wirken - ein bisschen wie Hoeneß selbst - aus der Zeit gefallen.
So, als hätte der Emir von Katar Scheich Tamim bin Hamad Al Thani jemals einen Überweisungsträger persönlich ausgefüllt oder Ärger mit der hausinternen Rechnungskontrolle bekommen, weil da ein Posten nicht richtig verbucht wurde. Mittelprächtige Kicker, ausgemusterte Stars und erfolgsversprechende Talente für 20, 30 oder 50 Millionen (wie James Rodríguez, Niklas Süle, Sebastian Rudy, Corentin Tolisso) - mehr geht heute nicht mehr für Bayern.
Früher hat man für das Geld einen Weltfußballer wie Luís Figo auf der Höhe seiner Zeit bekommen, heute kriegt man einen 23-jährigen, von dem kaum einer weiß, was er tatsächlich kann (Tolisso). Das heißt auch: Obwohl die Bayern soviel Geld wie nie in die Hand nehmen, kommt unten, relativ gesehen, immer weniger dabei raus.
Der FC Bayern wird abgehängt
Mit der nüchternen, preussischen Geldpolitik, wie sie in der Bundesliga gepflegt wird, einer Geldpolitik, die in Haupt- und Aktionärsversammlungen von Konzernchefs erklärt, verteidigt und am Ende auch noch bilanziert werden muss, sind Unvernünftigkeiten dieser Größenordnung nicht denkbar.
VW, Audi, Hopp, selbst Red Bull-Mateschitz können nie, auch nicht im Ansatz, soviel Geld in die Hand nehmen wie die Scheichs aus Abu Dazumal oder die Oligarchen aus Väterchen Russland. Und Neymar ist ja erst der Anfang.
Spätestens mit Neymar weiß aber auch der FC Bayern, dass er in diesem überhitzten Transfermarkt nur noch in der zweiten Liga spielt. Die Bayern sind, wenn man so will, die Sparkasse unter den Investmentplayern des gierigen Fußballkapitals.
Wie Rummenigge und Hoeneß das Gefühl des Abgehängtseins mit ihrem Selbstverständnis vereinbaren können, wird spannend zu beobachten zu sein.
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