Deutschland startet mit 2:0-Sieg über Israel ins WM-Jahr 2022 - Drei Dinge, die auffielen
Publiziert 26/03/2022 um 23:38 GMT+1 Uhr
Deutschland gewinnt auch das achte Spiel unter Bundestrainer Hansi Flick. Der lässt sein Team in Halbzeit eins mit der Nagelsmann-Taktik agieren und wird belohnt. Das erneute Vertrauen in Timo Werner zahlt sich aus. Der wird sich aber weiter dem Druck seines Teamkollegen Kai Havertz erwehren müssen. Die Rückkehrer Julian Draxler und Julian Weigl nutzen ihre Chance nicht. Drei Dinge, die auffielen.
Bundestrainer Flick mit Debütant Stach
Fotocredit: Imago
Die deutsche Nationalmannschaft ist mit einem 2:0-Sieg über Israel ins WM-Jahr 2022 gestartet.
In einer einseitigen Partie erzielten die beiden Chelsea-Stürmer Timo Werner und Kai Havertz die Treffer. Thomas Müller scheiterte kurz vor Schluss mit einem Strafstoß am Pfosten. Auch Israel verschoss in der Nachspielzeit durch Yonatan Cohen noch einen Elfmeter, weil Kevin Trapp glänzend parierte.
Bundestrainer Hansi Flick nutzte den Test für viele Experimente und probierte auch personell einiges aus. Am Dienstag steht der erste richtige Härtetest gegen die Niederlande auf dem Program.
Drei Dinge, die uns beim Sieg der DFB-Elf über Israel auffielen.
Flick nimmt Anleihen bei Nagelsmann
Es hat der deutschen Nationalmannschaft in ihrer Geschichte sehr oft gut getan, auf einen sogenannten Bayern-Block zu setzen. Auch in der Ära von Joachim Löw fußten die erfolgreichen Jahre auf dominantem Personal des Rekordmeisters. Aber der Weltmeister-Coach von 2014 profitierte auch immer wieder von der taktischen Arbeit seiner Trainerkollegen beim Rekordmeister.
Anfang der 2010er-Jahre legte Louis van Gaal den Grundstein für die Spielweise, die Jupp Heynckes und Pep Guardiola dann verfeinerten und weiterentwickelten. Die zentralen Elemente waren dann auch die Basis für Spielweise der Nationalmannschaft in dieser Zeit.
Und auch Hansi Flick scheint diese Tradition fortzuführen. Gegen Israel probierte es der Bundestrainer mit einer asymmetrischen Abwehrkette, die Nagelsmann in München auch zugunsten von Alphonso Davies eingeführt hatte.
Bei der DFB-Elf sah das so aus: Während die letzte Linie gegen den Ball klassisch als Viererkette verteidigte, rückte Linksverteidiger David Raum bei Ballbesitz weit nach vorne und agierte als Linksaußen. Der Aufbau von hinten erfolgte in einer Dreierkette aus Thilo Kehrer, Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck.
Kein schlechter Schachzug, denn viele gute Angriffe liefen über links und Raum. Vor allem Schlotterbeck fand seinen Kollegen immer wieder mit guten Pässen in der Tiefe. Es war also keine Überraschung, dass der erste Assist auf das Konto des Hoffenheimers ging - auch wenn dieser aus einer Ecke von rechts resultierte. Aber auch ruhende Bälle sind ja eine neue Qualität des DFB-Teams (6 Standardtore in acht Spielen) unter Flick, der mit Mads Buttgereit extra einen Standardtrainer mitbrachte. Erste Fortschritte waren da schon in den ersten Spielen unter Flick zu sehen.
Chelsea-Duell um den Platz im Sturm
Es ist nicht zu übersehen und auch nicht zu überhören, dass Flick ein großer Fan von Werner ist. Der Nationaltrainer hat kaum eine Gelegenheit ausgelassen, um dem Stürmer öffentlich seine Wertschätzung zu übermitteln. Und der Coach zeigt dieses Vertrauen auch mit regelmäßigen Startelfnominierungen.
Beim FC Chelsea hat Werner dagegen einen schweren Stand. Auch weil ihm sein Trainer Thomas Tuchel dort oft Kai Havertz vorzieht. In der Nationalmannschaft musste Havertz eine Position weiter hin ran, hatte dort aber viele Freiheiten in seinem Spiel und war insgesamt auch gefährlicher als Mittelstürmer Werner.
Im Allgemeinen war deutlich zu spüren, dass Havertz mit dem Selbstverständnis des Stammspielers beim Champions-League-Sieger auflief, während Werner unsicher wirkte und oft die falsche Entscheidung im Passspiel oder mit seinen Läufen traf.
Aber: Werner zahlte das in ihn gesetzte Vertrauen von Flick trotz anfänglicher Unsicherheit erneut zurück. In fünf seiner sechs Einsätze unter Flick hat Werner getroffen und dabei sechs Treffer erzielt. Nur beim 2:1 gegen Rumänien blieb er ohne Torerfolg. "Vielleicht passt das Spiel hier bei der Nationalmannschaft ein bisschen besser zu mir, ich habe immer meine Chancen", sagte Werner nach der Partie.
Auf dem Weg zur WM wird die Besetzung der Mittelstürmerposition eine spannende Frage sein. Denn wenn alle Spieler wieder fit sind, dürfte in der Dreierreihe dahinter kein Platz frei sein. Hier scheinen die Positionen an das Bayern-Trio Thomas Müller, Leroy Sané und Serge Gnabry vergeben zu sein.
Rückkehrer bleiben farblos
Die Nominierung des Länderspielkaders für die Testspiele gegen Israel und die Niederlande hatte durchaus ein paar Überraschungen parat. Mit der Rückkehr von Julian Draxler und Julian Weigl hatte kaum einer gerechnet.
Die beiden Testspiele wollte Flick für "einen Mix aus Ausprobieren und Einspielen" nutzen. Gegen die klar unterlegenen Israelis ging es eindeutig ums Ausprobieren. Mit Anton Stach gab es erneut einen Debütanten und die Rückkehrer Draxler und Weigl durften sogar von Beginn an ran.
Nach den 90 Minuten vom Samstagabend bleibt die Frage: Was könnten diese beiden Spieler der Mannschaft geben, was sie nicht schon hat?
Weigl spielte das, was er auf der Sechs eigentlich immer macht. Den Ball meistens recht sauber zum Mitspieler, aber ohne weiteren Einfluss auf das Spiel. Offensiv war sein Nebenmann Ilkay Gündogan deutlich präsenter und defensiv waren die Deutschen so gut wie nicht gefordert. Nach 63 Minuten wurde Weigl gegen Stach ausgewechselt.
Ob er nach dem Ausprobieren zum Einspielen wieder kommen darf, ist fraglich. Das gilt auch für Draxler. Der zwar besonders in der zweiten Halbzeit etwas auffälliger wurde, aber zu viele seiner Aktionen blieben in Ansätzen stecken.
Der PSG-Spieler gibt vielen Beobachtern seit Jahren Rätseln auf. Ein Spieler mit diesen Möglichkeiten müsste eigentlich mehr aus sich machen. Aber auch gegen Israel ließ er in vielen Szenen Intensität und Zielstrebigkeit vermissen. Draxler bestätigte also den Eindruck, den er in den letzten Jahren seiner Karriere hinterlassen hat. Und das wird für eine WM-Teilnahme am Ende des Jahres nicht reichen.
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Flick fühlt mit Italien nach WM-Debakel: "Tut mir schon Leid"
Quelle: Eurosport
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