Getty Images

DFB - Pokalfinale: Niko Kovac geht angeschlagen in das Spiel seines Lebens

Kovac vor dem Spiel seines Lebens: Ziemlich k.o.

19/05/2018 um 09:38Aktualisiert 19/05/2018 um 10:08

Relegation gewonnen, zweimal im Pokalfinale - keine Frage, Niko Kovac kann K.o.! Vor dem DFB-Pokal-Finale gegen den FC Bayern München wirkt der Trainer von Eintracht Frankfurt jedoch ziemlich angeknockt. Weil er weiß, dass durch den Ausgang zwar nicht seine Befähigung als Bayern-Trainer infrage gestellt wird, wohl aber seine Erfolgsstory bei der Eintracht. "Wir müssen ans Maximum kommen", sagt er.

Aus Berlin berichtet Florian Bogner

Niko Kovac wirkte so als ob er einen steifen Hals hätte. Bloß nicht rüber schauen zu den Protagonisten des FC Bayern München. Bloß nicht den Eindruck erwecken, er würde auch nur mit einem Prozent nicht ganz bei der Sache, nicht ganz bei Eintracht Frankfurt sein. Deswegen: den Blick gerade aus, höchstens mal nach links. Und irgendwie tat er einem dabei leid.

So geschehen am Freitagmittag in der Aufwärmhalle des Berliner Olympiastadions. Pressekonferenz der Pokalfinalisten, links saßen Kovac und Eintracht-Kapitän David Abraham und machten eher verkniffene, angespannte Gesichter.

Heynckes veralbert Hummels

Rechts daneben hatten dagegen Bayern-Trainer Jupp Heynckes und Mats Hummels ihren Spaß; Heynckes veralberte einmal den eigentlich für die PK vorgesehenen, aber zuletzt Magen-Darm-traktierten Thomas Müller ("Thomas redet sehr gerne - den habe ich direkt ins Hotel geschickt, damit wir hier etwas zügiger voran kommen") und einmal Mats Hummels, den er fälschlicherweise als Bestätigung für seine letzte Pokalparty mit den Bayern 2013 als Zeugen heranführen wollte, sich dann aber besann, dass Hummels da noch für Dortmund spielte.

"Ach ne, das war ja mit Dir das Champions-League-Finale...", feixte er und legte dem leicht pikierten Hummels seine Hand väterlich auf den Oberschenkel.

Kovac wirkt verkrampft

Von solcherlei Albernheiten war Kovac örtlich nur einen Meter, gedanklich aber mindestens ein paar Meilen weit entfernt. Der Eintracht-Coach sagte recht kurz angebunden:

"Wir sind voll auf das Spiel fokussiert. Was danach ist, ist total unwichtig. Das können Sie mir glauben."

Und man glaubte ihm nicht so recht.

Seine Anspannung dabei: greifbar. Die letzten Wochen haben sichtlich Spuren hinterlassen; erst war da das etwas unwürdige Schauspiel um seine Unterschrift beim FC Bayern, dann kam die Krise mit der Eintracht, die von den letzten sieben Ligaspielen nur eins gewann und aus dem internationale Geschäft purzelte.

Das Ergebnis: Kovac wirkte am Freitag ausgezehrt, blass, verkrampft. Aber er muss am Samstag auch nicht spielen.

Keine Belohnung für starke Frankfurter Saison?

Dass es für die Eintracht in Berlin um alles geht, daran hat auch der FC Bayern Schuld. Weil Kovacs baldiger Arbeitgeber am letzten Spieltag zuhause 1:4 gegen den VfB Stuttgart verlor, rutschte Frankfurt mit dem 0:1 beim FC Schalke 04 nach Monaten auf den internationalen Plätzen noch auf den undankbaren achten Rang ab.

Platz sieben hätte unabhängig vom Pokalfinale zur Europa-League-Qualifikationsrunde gereicht.

Nun heißt es: Europa-League-Fixplatz oder gar nichts – das eine Szenario ein "echtes Hollywood-Ende" einer "kurzen Zeit, in der wir schöne Erfolge gefeiert haben", so Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic über einen möglichen Pokalsieg. Das andere Szenario: das Nichts, grenzenlose Enttäuschung bei den Eintracht-Fans.

Video - 5 Transfergerüchte des Tages: Nimmt Tuchel Weigl mit zu PSG?

01:01

Kovac kann K.o.-Spiele

Dass Frankfurt zuletzt gegen eine C-Elf der Bayern 1:4 verlor, thematisierte am Freitag keiner – ein Muster ohne Wert.

Und K.o.-Spiele: das kann Kovac mit der Eintracht schließlich – 2016 gewann er die Relegation gegen den 1. FC Nürnberg (1:1, 1:0), 2017 erreichte er das Pokalfinale (1:2 gegen den BVB), 2018 wieder.

Kovac sagte zur besonderen Motivation seiner Mannschaft in Berlin:

"Für das Ziel Pokal-Finale haben uns vor Saisonbeginn einige belächelt. Aber wer nicht dran glaubt, der kann es auch nicht schaffen. "

Wie wird Kovac' Abschlusszeugnis ausfallen?

Seine Befähigung den FC Bayern gut trainieren zu können wird man durch eine Niederlage am Samstag (20 Uhr im Liveticker) auch nicht in Abrede stellen können; die finale Bewertung seiner Amtszeit bei der Eintracht hängt aber sehr wohl davon ab. Kovac sagte vorab:

"Die zwei Jahre in Frankfurt waren eine unglaubliche Zeit. Man muss nur mal überlegen, was wir alle in dieser Zeit geschafft haben: vom Beinahe-Abstieg bis zweimal ins DFB-Pokal-Finale und an Europa schnuppern. Ich wünschte, wir könnten das alles noch mit einem Highlight krönen."

Und:

"Der Abschied fällt mir nicht leicht."

In bester Erinnerung bleiben ihm "eine erfolgreiche Zeit, ein großartiger Klub, unglaublich leidenschaftliche und sensationelle Fans, tolle Mitarbeiter und eine Mannschaft, die alles aus sich heraus geholt hat".

Video - Morata als Batshuayi-Nachfolger zum BVB?

02:12

Frankfurt mobilisiert die Kräfte

Um den Außenseitererfolg zu schaffen, brauche es nicht weniger als einen Sahne-Tag für die Eintracht:

"Wir müssen ans Maximum kommen und alles abrufen, was uns in dieser Saison stark gemacht. Und dafür sorgen, dass die Bayern nicht so einen guten Tag erwischen."

Zudem müsse "jeder Spieler die nötige Dosis an Anspannung mitbringen".

Vielleicht gibt er aber auch einfach selbst ein wenig von seiner Anspannung ab.

Video - Sehnsucht nach dem Ex: Dembélé zu Tuchel nach Paris?

02:00
0
0