FC Bayern München | Ist die harsche Kritik an Robert Lewandowski berechtigt?

Theatralisch, lustlos, problematisch für das Team - die harsche Kritik von Ex-Bayern-Profi Dietmar Hamann an Robert Lewandowski schlägt noch immer hohe Wellen. Der Berater des Bayern-Goalgetters, Maik Barthel, reagierte gegenüber der "Bild" mit Unverständnis. Es sei nicht hilfreich, "Spieler auf diesem Niveau zu attackieren". Bleibt die Frage: Sind die Vorwürfe gegen Lewandowski berechtigt?

Eurosport

Fotocredit: Eurosport

Die Zahlen sind beeindruckend, auch in dieser Saison. 24 Tore und sieben Assists hat Lewandowski in 27 Pflichtspielen wettbewerbsübergreifend angesammelt. Ein absoluter Topwert. Das Ranking in der Champions League führt der 30-Jährige mit acht Toren sogar an - direkt vor Lionel Messi, Edin Dzeko und Neymar.

Hat Lewandowskis Einfluss nachgelassen?

Für Hamann allerdings kein Grund, Lewandowski eine gute Saison zu attestieren. Man dürfe bei den Toren des Polen nicht vergessen, "gegen wen er die gemacht hat", unkte Ein Argument, das in dieser Spielzeit bislang ins Leere läuft. Die großen Spiele in der Champions League kommen erst noch, in der Gruppenphase erzielte Lewandowski bei Benfica Lissabon, zuhause gegen AEK Athen und bei Ajax Amsterdam jeweils das wichtige 1:0.
Hamann beharrt darauf, dass Lewandowski "in den entscheidenden Champions-League-Spielen der letzten Jahre die Tore nicht gemacht" habe. Sein "Einfluss auf Spiele" habe nachgelassen. Auch das stimmt nur bedingt. Der Bayern-Star ging zwar in den Viertelfinal- und Halbfinal-Begegnungen der Vorsaison leer aus, im Jahr zuvor trug er sich in den K.o.-Spielen gegen Arsenal und Real Madrid aber dreimal in die Torschützenliste ein.
Auch Michał Błażewicz, Fußball-Experte bei Eurosport in Polen, kann die Kritik nicht nachvollziehen:
Dies zeige sich nun erneut. Durch den Verkauf von Sturmkollege Sandro Wagner sei es für die Münchner fast unmöglich geworden, Lewandowski Pausen zu geben, um ihn für die großen Spiele zu schonen.

Weidenfeller: "Lewandowski war immer Teamplayer"

Hamann wiederum bemängelte, dass Lewandowski "vor drei oder vier Jahren noch hinter die Abwehrreihen" gegangen sei und sich "die langen Bälle runtergeholt und die Außenstürmer und Mittelfeldspieler ins Spiel gebracht" habe. Davon sei allerdings nicht mehr viel zu sehen. Darüber hinaus falle der Superstar durch "Theatralik und zum Teil lustloses Verhalten" auf. Ob sich daraus ableiten lässt, dass Lewandowski zum Problem für das Team wird und zu wenig mannschaftsdienlich auftritt?
Nein, sagt sein ehemaliger Kollege Roman Weidenfeller von Borussia Dortmund. "Auf dem Platz war Robert beim BVB immer ein absoluter Teamplayer, der alles für den Erfolg gegeben hat", erklärte der Ex-Nationaltorhüter gegenüber der "Bild". Auf einem Niveau mit Messi oder Cristiano Ronaldo sieht Weidenfeller den Bayern-Profi aber nicht, darin stimmt er mit Hamann überein. "Wenn wir ehrlich sind, kann er trotz seiner außergewöhnlichen Qualität nicht an Spielern wie Ronaldo oder Messi vorbeiziehen", so der 38-Jährige.
Darum geht es aus Sicht der Bayern aber auch gar nicht. Lewandowski soll in erster Linie Tore liefern. Das tat er und das tut er noch immer - auch wenn der angestrebte Wechsel nach dem Ende der vergangenen Saison zu Real Madrid platzte. Mit 192 Bundesliga-Treffern, 118 davon im Dress der Bayern, ist Lewandowski nur noch zwei Tore von Claudio Pizarro entfernt, dem bislang erfolgreichsten ausländischen Liga-Torjäger.

Herrscht nach Liverpool Ruhe?

Im ersten Bayern-Jahr kam Lewandowski auf 17 Bundesligatore, in den Spielzeiten danach auf zwei Mal 30 und einmal 29 Treffer - in dieser Saison steht er bei 12. Und: Nachdem der FCB im Winter Sandro Wagner ziehen ließ, ist er der einzige echte Mittelstürmer im Kader von Niko Kovac.
Die Einschätzung Hamanns, die Bayern wären gut beraten, ihren Goalgetter zu verkaufen, lässt sich ob der überragenden Werte nicht halten. Lewandowski selbst bietet sich in den kommenden Wochen ohnehin die Chance, für Ruhe im Karton zu sorgen. Trifft er im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Liverpool entscheidend, ist die Debatte beendet.
Mehr als 3 Mio. Sportfans nutzen bereits die App
Bleiben Sie auf dem Laufenden mit den aktuellsten News und Live-Ergebnissen
Download
Diesen Artikel teilen
Werbung
Werbung