Taktik-Check an Halloween: Gruseliger Fußball beim FC Schalke 04

Nach drei sieglosen Spielen in Folge ist der FC Schalke 04 im DFB-Pokal beim 1. FC Köln gefordert. Besonders das Angriffsspiel der "Königsblauen" lahmt - drei Mal in Folge stand die Null zuletzt auf der falschen Seite. Eurosport.de analysiert im Taktik-Check, warum sich der Vizemeister aktuell so schwer in der Offensive tut.

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"Süßes oder Saures?", heißt es zu Halloween. Die Schalker Fans bekamen zuletzt eher Zweiteres - und zwar in Form von ziemlich gruseligem Fußball.

Antifußball gegen Leipzig - erschreckende Nullnummer

Die Fans im Stadion und vor dem Fernseher dürften die Schalker Taktik am vergangenen Sonntag beim 0:0 gegen RB Leipzig schnell durchschaut haben: Wer den Ball weit weg schießt, kann ihn zumindest nicht in der Nähe vom eigenen Tor verlieren. Schalkes Trainer Domenico Tedesco umschrieb die Herangehensweise nach der Partie so: "Wir wollten nicht ins offene Messer laufen, RB schaltet schnell um".
Der Ansatz, gegen im Pressing so starke Teams wie Leipzig mal etwas weniger Risiko im Spielaufbau zu gehen, ist völlig legitim. Da kann dann auch mal eine unterirdische Passquote von 53 (!) Prozent herauskommen - schließlich schlug man fast jeden Ball direkt nach vorne. Innenverteidiger Benjamin Stambouli griff bei insgesamt nur 27 Pässen gleich elf Mal zum langen Schlag. Davon kamen ganze zwei Bälle bei einem Schalker Spieler an.
Mittelfeldmann Suat Serdar, ein technisch gut ausgebildeter Spieler, stand 90 Minuten auf dem Feld und kam trotzdem nur auf 15 Pässe - und das auf der nominellen Position des Spielgestalters. Dieser radikale (und dann auch noch sehr konsequent umgesetzte) Matchplan ist in dieser Extremität sicherlich nicht der Weg, den Schalke zukünftig einschlagen will. Dennoch geben einige Entwicklungen Anlass zur Sorge um die königsblaue Offensive.

Sammer-Kritik erweist sich als Prophezeiung

Denn schon im Laufe der letzten Saison fiel bei einer nüchtern-analytischen Beobachtung schnell auf: So richtig gut "spielt" Schalke nicht. Eurosport-Experte Matthias Sammer äußerte sich schon im April zur Schalker Spielweise. "Schalke kann nur funktionieren, weil die Bundesliga aktuell so schlecht ist. Wenn die Bundesliga besser wäre, stünde Schalke auf Platz acht bis zehn", sagte Sammer im Podcast "Rasenfunk".
Schalkes gute Ergebnisse der letzten Saison basierten auf einer außergewöhnlich hohen Erfolgsquote bei Standards, frühen Führungen und einer insgesamt sehr defensiven Herangehensweise. Nun hat die Mannschaft von Tedesco damit zu kämpfen, dass man eben nicht mehr ständig früh in Führung geht, viele Gegner überlassen den Schalkern den Ball.
In diesen Momenten fehlen dann Lösungen. Unabhängig vom System sieht man oft die gleichen Probleme: Die Spieler stehen in Ballbesitz zu weit auseinander, die Passwege werden dadurch weiter und einfacher zu verteidigen. Oftmals agieren auch zu viele Spieler auf einer Linie, so bekommt man kaum Tiefe ins Spiel. Weil zu viele Spieler hinter dem Ball bleiben - Schalke baut oft mit drei oder vier Spielern auf, auch wenn der Gegner nur mit einer Spitze anläuft - bleiben wichtige Räume unbesetzt.

Positionsspiel als Schlüssel

Schalke braucht schleunigst Veränderungen im Offensivspiel. Und das fängt schon bei Kleinigkeiten im Spielaufbau an. Ein Beispiel: Der erste Innenverteidiger muss den Pass schärfer spielen, der zweite muss schon bereit sein, "offen" zum Spielgeschehen stehen - nur dann kommt Dynamik ins Aufbauspiel.
Im Schalker Kader stehen viele Spieler mit Tempo, physischer Power und/oder Qualität im Eins-gegen-Eins. Nur den Spielern des FC Bayern (82) gelangen in der bisherigen Saison mehr erfolgreiche Dribblings als denen der Schalker (78). Bei Schalke fehlte es jedoch oft an der nötigen Fortsetzung: Zu oft sind nach diesen Einzelaktionen keine Spieler zwischen den Linien positioniert, um von dort aus auf die gegnerische Abwehrkette zuzulaufen.
Das Zauberwort heißt Positionsspiel. Tedesco muss den Spielern vermitteln, in welchen Situationen welche Räume besetzt sein müssen, denn nur aus einer guten Struktur heraus nützt einem die individuelle Qualität der Spieler etwas.
Eurosport-Check: Was man in der letzten Saison aufgrund der guten Ergebnisse unter pragmatisch verbuchen konnte, ist nun bieder und nahezu ängstlich geworden: Schalke wirkte zuletzt sehr ambitionslos und konnte mit dem Ball zu wenig anfangen. Mit den Spielen in Köln und dem anschließenden Heimspiel-Doppelpack gegen Hannover und Galatasaray stehen drei wichtige Partien an - hier müssen Lösungen gegen konterstarke Gegner gefunden werden. Der Kader bietet genug Qualität, um einen anderen Fußball zu spielen, dafür braucht man allerdings Mut, Überzeugung und gutes Training. Nach der letzten Saison, in der irgendwie alles zugunsten der Schalker lief, muss Domenico Tedesco sich nun als starker Trainer beweisen.
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