So lief das Spiel:

Der letzte Sieg von Dynamo Dresden über den Hamburger SV datierte vom 7. Dezember 1991, damals gewannen die Sachsen das Erstliga-Duell mit 3:0. Wollten die Dresdner heute gegen den HSV eine Runde weiterkommen, war eine Aufbesserung dieser Negativ-Serie vor knapp 10.000 Zuschauern im Rudolf-Harbig-Stadion dringend notwendig.

Ligue 1
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18/09/2020 AM 22:15

Während Daniel Thioune bei seinem Pflichtspiel-Debüt als HSV-Coach auf Bakery Jatta und Rick van Drongelen sowie die noch nicht ganz fitten Ewerton und Jan Gyamerah verzichten musste, führte Tim Leibold die Hanseaten erstmals als Kapitän aufs Feld.

Gegen ein runderneuertes Dresden musste Leibold bereits früh hautnah miterleben, wie die wild entschlossenen Hausherren in Führung gingen. Offensichtlich euphorisiert von den Fangesängen der knapp 10.000 Zuschauer brachte Yannick Stark die Sachsen, nach Hereingabe von Panagiotis Vlachodimos, mit einer Direktabnahme aus elf Metern in Führung. Beim Abschluss wurde Stark von der Hamburger Hintermannschaft sträflich allein gelassen und hatte somit leichtes Spiel.

Kurz darauf hatte Dudziak für den HSV den Ausgleich auf der Stirn. Sein Kopfball ging aber ebenso wenig ins Tor wie Daferners Pfostentreffer kurze Zeit später auf der anderen Seite. Fünf Minuten nach dem Alu-Klatscher eroberten sich die Dresdner durch frühes Pressing einen Ball in der gegnerischen Hälfte. Außenverteidiger Robin Becker schaltete am schnellsten und knallte den Ball von rechts aus spitzem Winkel zum 2:0 in die Maschen. Jonas David hatte den Versuch unhaltbar für Heuer Fernandes abgefälscht.

Der HSV fing sich Mitte der ersten Hälfte jedoch wieder und verzeichnete mehrere Großchancen auf den Anschlusstreffer, alleine Hinterseer scheiterte zweimal aus kurzer Distanz an der eigenen Ungenauigkeit. Die 2:0-Halbzeitführung der Dresdner war zwar verdient, aber ein Tor zu hoch.

Nach der Pause schien der Favorit weiter auf den Anschlusstreffer zu pochen, kassierte aber mitten in die Druckphase hinein das 0:3. Vlachodimos zog auf dem linken Flügel gleich drei Hamburger auf sich und spielte den freistehenden Christoph Daferner an. Der Stürmer nagelte den Ball mit einem trockenen Distanzschuss ins linke untere Eck – ein Nackenschlag für den HSV.

Im Anschluss setzten sich die Gäste in der Hälfte Dynamos fest, vergaben aber erneut gute Chancen durch Simon Terodde (Parade von Broll) und Khaled Narey (Pfosten). Ersterer war es dann auch, der in der 89. Minute einen Eckball an den zweiten Pfosten verlängerte, wo der ebenfalls eingewechselte Amadou Onana das Leder aus zwei Metern per Kopf zum späten Ehrentreffer über die Linie bugsierte.

Das letzte Wort hatten allerdings die Gastgeber in Person von Kapitän Sebastian Mai, der einen Handelfmeter in der Nachspielzeit zum 4:1-Endstand im Kasten unterbrachte. Somit zogen die Hausherren unter großem Jubel der knapp 10.000 Fans in die zweite Runde des DFB-Pokals ein, während es für die ambitionierten Hanseaten bereits früh in der Saison den ersten Rückschlag setzte.

Die Stimmen:

Daniel Thioune (Trainer Hamburger SV): "Für den Augenblick ist das Ergebnis sehr enttäuschend für uns. Wir wussten, was wir hier erwarten müssen – in der Konsequenz haben wir das aber nicht so angenommen."

Markus Kauczinski (Trainer Dynamo Dresden): "Von der Art, wie wir aufgetreten sind und Fußball gespielt haben, war das stark. Wir genießen diesen Moment des Glücks, wissen aber, dass am Freitag in Kaiserslautern die nächste Aufgabe auf uns wartet."

Der Tweet zum Spiel:

Endlich wieder Stimmung in der Bude – über 10.000 Fans bejubeln das Weiterkommen von Dynamo Dresden gegen den Hamburger SV.

Das fiel auf: Hamburger Schludrigkeit gegen Dresdner Effizienz

Am Ende der 90 Minuten hieß es 1:4 aus Sicht des HSV. Ein deutliches Endresultat, das jedoch täuscht. Der Zweitligist war keineswegs klar unterlegen, lediglich die mehr als mangelnde Chancenverwertung wurde den ambitionierten Hanseaten heute zum Verhängnis. Allein die beiden Stürmer Hinterseer und Wintzheimer hatten in verschiedenen Situationen einen Treffer auf dem Fuß, blieben beide am Ende allerdings torlos.

Hinzu kommt ein Pfostentreffer von Narey sowie diverse vergebene Kopfballchancen von Kittel, Dudziak und Vagnoman. Ein Blick auf die Torschuss-Statistik macht das akute Abschluss-Problem kurz vor Saisonstart deutlich. 20:9 Torschüsse zu Gunsten des HSV mündeten in 1:4-Erstrunden-Pokalaus bei Dynamo Dresden.

Die Statistik: 10.053

So lautete die offizielle Zuschauerzahl im Rudolf-Harbig-Stadion. Damit war die Partie die Begegnung mit den meisten Zuschauern seit dem Lockdown im Frühjahr. Möglich machte diese hohe Zahl ein tragfähiges Hygienekonzept in Verbindung mit niedrigen Infektionszahlen in Sachsen und einem "Okay" des zuständigen Gesundheitsamtes. Dennoch wird es zu einer fachlichen Nachbetrachtung des Events kommen, um darüber zu entscheiden, ob eine solch hohe Zahl an Zuschauern auch zukünftig die Dresdner Arena füllen darf. Einige Besucher nahmen die Maskenpflicht – und das auch bildlich belegt – leider nicht ganz ernst.

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