Am Morgen nach seinem Wechsel-Fauxpas machte sich Mark van Bommel lieber rar. Co-Trainer Michael Frontzeck leitete am Montag die Übungseinheit der Reservisten, der Chefcoach des VfL Wolfsburg entzog sich zunächst allen Nachfragen. Aber die Niedersachsen müssen sich darauf einstellen, dass der 3:1-Sieg nach Verlängerung in der ersten Pokalrunde bei Preußen Münster keinen Bestand haben dürfte.
Denn der Niederländer kannte offensichtlich die aktuellen Durchführungsbestimmungen nicht und ersetzte in der 103. Minute Maximilian Philipp durch Admir Mehmedi. Der sechste Personaltausch, doch im DFB-Pokal sind wie in der vergangenen Saison nur fünf Wechsel gestattet.
"Ich habe mit dem Schiedsrichter darüber gesprochen", zitierte die "Bild"-Zeitung van Bommel, gemeint war damit der vierte Offizielle. Der einstige Bayern-Star räumte so indirekt seine eigene Unkenntnis über die aktuelle regeltechnische Situation ein. Fakt ist wohl, dass Schiedsrichter Christian Dingert den Wechsel in seinem Spielbericht vermerkte.
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Der Ball lag aber vorerst im Spielfeld von Preußen Münster. Denn nur nach einem Protest der direkt betroffenen Münsterländer würde der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ein Ermittlungsverfahren in Gang setzen. Vom Regionalligisten verlautete, man werde vereinsintern die Situation ausführlich erörtern, mit einer schnellen Entscheidung sei nicht zu rechnen.

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Keine Konsequenzen für van Bommel

Der VfL Wolfsburg wird seinen Trainer für den Wechselfehler und dem damit wahrscheinlichen verbundenen Pokal-Ausscheiden trotz 3:1-Sieg gegen Preußen Münster allerdings nicht bestrafen. Das teilte Geschäftsführer Jörg Schmadtke einen Tag nach dem Fauxpas auf der Homepage des Vereins mit. Er werde keine "personelle[n] Konsequenzen aus dieser ärgerlichen Situation [...] ziehen", hieß es dort.
"Wir werden das Thema intern analysieren und dafür Sorge tragen, dass so etwas künftig nicht mehr passiert. Wir alle sind natürlich enttäuscht, aber dennoch überzeugt, unsere sportliche Entwicklung weiter voranzutreiben, ohne personelle Konsequenzen aus dieser ärgerlichen Situation zu ziehen. Es gilt jetzt, sich den bevorstehenden sportlichen Herausforderungen zu stellen und diese in großer Geschlossenheit und ohne jegliche Vorbehalte anzugehen", erklärte Schmadtke zu dem "ausgesprochen ärgerlichen" Vorgang mit Blick auf den Bundesliga-Start des Champions-League-Teilnehmers am Samstag gegen Aufsteiger VfL Bochum.
Van Bommel kannte offensichtlich die aktuellen Durchführungsbestimmungen nicht und ersetzte in der 103. Minute Maximilian Philipp durch Admir Mehmedi. Der sechste Personaltausch, doch im DFB-Pokal sind wie in der vergangenen Saison nur fünf Wechsel gestattet.

Van Bommel fragte nach - Seitenhieb von Schmadtke

"Ich habe mit dem Schiedsrichter darüber gesprochen", zitierte die "Bild"-Zeitung van Bommel, gemeint war damit der vierte Offizielle.
Der einstige Bayern-Star räumte so indirekt seine eigene Unkenntnis über die aktuelle regeltechnische Situation ein. Fakt ist wohl, dass Schiedsrichter Christian Dingert den Wechsel in seinem Spielbericht vermerkte.
Schmadtke forderte in seiner Reaktion auf die Posse Fairness im Umgang mit van Bommel. "Bei allem Ärger und Frust sollte man aber auch dabei den Ball etwas flacher halten." Einen spöttischen Seitenhieb auf den Niederländer und dessen Stab mochte sich der Ex-Profi selbst indes nicht verkneifen: "Wir hatten kurzzeitig darüber nachgedacht, alle Beteiligten zu einem Volkshochschul-Grundkurs 'Richtig lesen' anzumelden, haben nach reiflicher Überlegung davon aber abgesehen."

Prominente Fälle der Fußballgeschichte

Sollte es am Ende zu einem Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht kommen und den Amateuren der Sieg zugesprochen werden, es wäre beileibe kein Novum in der deutschen Fußball-Historie. Hennes Weisweiler, Christoph Daum, Giovanni Trapattoni, Otto Rehhagel - sie alle verzählten sich schlicht oder wussten über die aktuellen Bestimmungen bei Auswechslungen nicht Bescheid.
Und selbst bei den Wolfsburgern gab es bereits einen zumindest ähnlich gelagerten Fall. 2004 nominierte Eric Gerets nichtsahnend den vom 1. FC Kaiserslautern verpflichteten Marian Christow beim Pokalauftakt für die Startformation.
Was dem Belgier aber niemand gesagt hatte: Wegen einer Roten Karte im Trikot der Pfälzer war der Bulgare noch gar nicht spielberechtigt, der 3:0-Erfolg bei den Amateuren des 1. FC Köln war für die Wölfe wertlos.

"Der Trainer ist immer der Schuldige"

Damals musste Geschäftsführer Peter Pander die Konsequenzen tragen, er verlor seinen Job beim VfL. Ob van Bommel ein ähnliches Schicksal droht? Klar ist: Leichter geworden ist für ihn die Ausgangslage beim Champions-League-Teilnehmer nicht.

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Fünf Testspielniederlagen in Serie haben nicht nur die Fans beunruhigt, sondern sicher auch das eine oder andere Stirnrunzeln beim Geldgeber Volkswagen ausgelöst. Beim Bundesliga-Start am Samstag (15:30 Uhr im Liveticker) gegen Neuling VfL Bochum muss der 44-Jährige liefern. Und vor allem beim Wechseln genau mitzählen.
Daum weiß, dass van Bommel die Konsequenzen für den Wechsel-Fauxpas tragen muss. "Der Trainer ist immer der Schuldige. Bei mir war damals die Schlagzeile: Christoph DUMM. Ich habe damals die Verantwortung für den Fehler übernommen und ich bin sicher, Mark van Bommel wird das auch tun", sagte der 67-Jährige dem Express.
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