Der FC Bayern musste weiterhin auf den an Corona infizierten Julian Nagelsmann verzichten. Dafür kehrten die zuletzt angeschlagenen Leon Goretzka und Alphonso Davies zurück. Auch der formstarke Leroy Sané stand in der Startelf. Dafür nahmen Omar Richards, Marcel Sabitzer und Jamal Musiala wieder auf der Bank Platz.
Bei der Borussia gab es nach der 0:1-Niederlage bei Hertha BSC lediglich eine Änderung: Der zuletzt kränkelnde Matthias Ginter ersetzt Luca Netz
Die in der Liga kriselnde Fohlenelf erwischte einen Traumstart. Das von Julian Nagelsmann prognostizierte Pressing der Borussia fruchtete früh, als Alphonso Davies einen Fehlpass unterlief, an dessen Anschluss Kouadio Koné zum 1:0 traf (2.). Für den Franzosen war es das erste Tor im Gladbach-Dress.
DFB-Pokal
Joker Modeste entscheidet Bundesliga-Duell mit Doppelpack
27/10/2021 AM 20:54
Die Bayern standen in den Anfangsminuten vollkommen neben sich und hatten Glück, dass Jonas Hoffmann (9.), Breel Embolo (11.) und Denis Zakaria (12.) ihre Großchancen nicht nutzen konnten. Der VfL spielte sich in einen Rausch und kam durch Ramy Bensebaini zum 2:0 (15.). Der mit 48.500 Zuschauern besetzte Borussia-Park stand Kopf, auf der Bayern-Bank erfroren bei Toppmöller und Co. die Mienen.
Auch in der Folgezeit waren die Gladbacher aggressiver und kamen mit langen Bällen immer wieder gefährlich ins letzte Drittel. Bei den Bayern funktionierte gar nichts, Bensebaini erhöhte wenig später gar per Foulelfmeter - Foul von Lucas Hernández an Embolo - auf 3:0 (21.). Erstmal in ihrer Geschichte lagen die Bayern im DFB-Pokal so früh so hoch zurück.
Danach konzentrierte sich die Borussia auf die Umschaltaktionen, während Bayern um Spielkontrolle bemüht war, offensiv jedoch lange Zeit gar nicht stattfand. Erst in der 35. Minute wurde der erste Abschluss durch Serge Gnabry notiert. Erst danach wurden die Bayern etwas lebhafter, hatten durch Sané den Anschluss auf dem Fuß (44.). "Es könnte auch 4:0 oder 5:0 stehen", sagte "ARD"-Experte Bastian Schweinsteiger in der Pause.
Die Bayern kamen mit viel Tempo aus der Kabine, doch erneut erwischte Gladbach einen Traumstart und nutzte die Bayern-Fehler in der Abwehr eiskalt aus: Embolo erhöhte per Doppelpack auf 5:0 (51., 57.). Für den FC Bayern war es längst eine Demontage, eine so hohe Pokal-Niederlage gab es noch nie für den Rekordpokalsieger.
Die Bayern zeigten anschließend wenigstens Moral und wollten den Ehrentreffer. Doch Gnabry (60.) scheiterte an Sommer, der kurz zuvor eingewechselte Josip Stanisic verzog knapp (68.) und Corentin Tolisso traf per Kopfball nur die Latte (77.). Bei den Bayern wollte an diesem Abend nichts zusammenlaufen, es war schlichtweg ein gebrauchter Tag für den Meister.
Der desolate Rekord-Titelträger kassierte mitten in der hitzigen Impfdebatte um Joshua Kimmich die höchste Pokal-Niederlage seiner Geschichte und schied wie schon im Vorjahr (Niederlage im Elfmeterschießen bei Holstein Kiel) in der zweiten Runde aus. In einem Pflichtspiel verloren die Bayern zuletzt im Dezember 1978 höher (1:7 in der Bundesliga bei Fortuna Düsseldorf).
Zuvor war das 1:5 im Viertelfinal-Rückspiel 1971/72 gegen Köln (Hinspiel: 3:0) Bayerns höchste Niederlage im Pokal gewesen. Zwei Achtelfinals in Folge ohne die Münchner hatte es zuletzt 1994 und 1995 gegeben.
Für die Bayern geht es bereits am Samstag (15:30 Uhr im Liveticker) mit dem schweren Auswärtsspiel bei Union Berlin weiter. Die Gladbacher haben am Sonntag (17:30 Uhr im Liveticker) den VfL Bochum zu Gast.

Die Stimmen:

Adi Hütter (Trainer Borussia Mönchengladbach): "Es ist ein außergewöhnlicher Tag, der auch in die Geschichtsbücher eingeht. Ich muss der Mannschaft ein Riesenkompliment machen, wie sie von der ersten Minute an gespielt hat. Wie wir die Tore herausgespielt haben, war absolute Weltklasse. Wir haben auch ganz wenig zugelassen. Natürlich hatten die Bayern ihre Möglichkeiten, aber an solch einem Tag schießt man dann drüber. Es war ein mehr als verdienter Sieg, wir freuen uns riesig. Zu Hause haben wir bisher noch nicht enttäuscht, aber heute ist einfach alles aufgegangen. Wir haben Bayern gut analysiert, sie stehen sehr hoch. Das wollten wir provozieren, dass Embolo im Eins-gegen-Eins steht. Wir haben richtig toll Fußball gespielt."
Dino Toppmöller (Co-Trainer FC Bayern München): "Wir müssen diese Häme und den Spott jetzt ertragen. Davor waren wir die Super-Bayern, die alles zerlegt haben, und jetzt sind wir wirklich mal auf die Nase gefallen. Wir müssen uns jetzt schütteln, in drei Tagen steht das nächste wichtige Spiel bei Union Berlin auf dem Programm. Das wird auch ein emotionales Spiel, bei dem wir von Anfang an die Zweikämpfe und die Art und Weise des Gegners besser annehmen müssen. Da müssen wir auf jeden Fall ein anderes Gesicht zeigen."
Thomas Müller (FC Bayern München): "Wir haben es übers ganze Spiel nicht geschafft, dass unser Bayern-Wutmotor anspringt. Wir sind enttäuscht von unserer Leistung und können uns nur bei unseren Fans entschuldigen und Gladbach zu einem super Spiel gratulieren. Wir haben Manu (Neuer, Anm. d. Red.) schön alleine gelassen. Wenn wir ihn ausnehmen, war das von allen Beteiligten eine katastrophale Leistung. Das muss man erst mal so hinbekommen. So ein kollektives Versagen einer Bayern-Mannschaft in so einem wichtigen K.o.-Spiel habe ich noch nicht erlebt. Das ist schwierig zu fassen, wenn ich ehrlich bin. So eine Situation hatte ich auch noch nicht."
Breel Embolo (Borussia Mönchengladbach): "Wir hatten gegen die Hertha schon ein schlechtes Spiel gezeigt. Wir wussten, dass wir offensiv einen Zahn zulegen mussten. Gerade gegen solch eine Weltklassemannschaft mussten wir die Chancen eiskalt ausnutzen und das haben wir sehr gut gemacht in der ersten Halbzeit. In dieser Konsequenz haben wir noch kein Spiel gewonnen. Wir sehen, wenn wir die Wucht und den kühlen Kopf behalten und die Chancen gut ausspielen, dann sind wir sehr gefährlich. Bayern ist vielleicht die beste Mannschaft der Welt, das ist auch ein Ansporn. Wir genießen den Abend und am Sonntag geht's weiter."
Hasan Salihamidzic (Sportvorstand FC Bayern): "Absolut schockierend. Wir waren einfach nicht da. Wir haben in der ersten Halbzeit keinen Zweikampf gewonnen, haben nie umgeschaltet und uns einfach den Schneid abkaufen lassen. Es war ein kollektiver Blackout. Das ist für mich unerklärlich. Wir wissen, wie schwer es immer in Gladbach ist. Wir wollten die Bälle auch hinter die Kette spielen, das hat nicht einmal geklappt. Es ist wirklich sehr schwer zu erklären. Das heute hat wenig mit Dino (Toppmöller, Anm. d. Red.) zu tun, sondern damit, dass wir nie im Zweikampf waren. Es ist alles schiefgelaufen, was schieflaufen konnte. Natürlich hat man im Kopf, dass es momentan nicht so schöne Geschichten im Hintergrund gibt, aber das hat die Mannschaft nicht belastet [...] Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen. Natürlich werden wir auch Upa (Dayot Upamecano, Anm. d. Red.) aufbauen, er hat in letzter Zeit ja auch sensationell gespielt. Auch das ist unerklärlich."
Max Eberl (Sportdirektor Borussia Mönchengladbach): "Man träumt ab und zu mal von so etwas, aber das so etwas dann Realität wird, das glaubt man nicht. Es ist wirklich ein großartiger Abend, den wir erlebt haben. Eine großartige Leistung der Mannschaft. Wir haben uns in einen Rausch gespielt, haben sehr aktiv verteidigt und früh die Tore gemacht. Bei Bayern München spielen auch nur Menschen, die bisher Großartiges geleistet haben. Und heute sind sie auf eine Mannschaft gestoßen, die eben besser war als sie. Wir haben in dieser Saison schon drei- bis viermal gezeigt, was wir leisten können. Das müssen wir auch am Wochenende wieder gegen den VfL Bochum tun. Diesen Abend wollen wir genießen. Es sind die Fußballfeste, die der Fußball schreibt. Der heutige Abend geht in die Geschichtsbücher des VfL ein."

Tweet zum Spiel:

Borussia Mönchengladbach spielte sich gegen die Bayern in einen Rausch und gewann auch in dieser Höhe hochverdient. Mann des Abends war Breel Embolo. Der Schweizer war an vier Treffern direkt beteiligt. Embolo bereitete das 1:0 vor und holte den Elfmeter vor dem 3:0 heraus. Also die Bayern im zweiten Durchgang aufs Gaspedal drücken wollten, sorgte Embolo mit einem Doppelschlag für die Entscheidung und zugleich den ersten Pokalsieg der Borussia über die Münchner. Diesen Abend wird man so schnell nicht vergessen.

Das fiel auf: Upamecano mit schlechtester Leistung im Bayern-Trikot

Dayot Upamecano hatte schon zu Beginn der Saison einen eher holprigen Start bei seinem neuen Verein. Doch der 23-Jährige steigerte sich in den letzten Wochen und verdrängte Niklas Süle auf die Bank. In Gladbach erlebte der Franzose allerdings sein bislang schwächstes Spiel. Schlecht im Stellungsspiel, total schläfrig, dazu mit einigen Blackouts, die zu Großchancen oder sogar Gegentoren führten. Dino Toppmöller hatte nach 55 Minuten ein Erbarmen und nahm Upamecano vom Feld. Ein vollkommen gebrauchter Abend für den jungen Innenverteidiger.

Die Zahl: 24

Die Bayern erlebten eine katastrophale erste Halbzeit. Man muss schon lange in die Vergangenheit gehen, um solch eine schlechte Leistung der Münchner ausfindig machen zu können. Sinnbildlich für diese erste Hälfte stand neben der desolaten Bayern-Verteidigung der aktuelle Weltfußballer. Robert Lewandowski hatte einen Zweikampfquote von 25 Prozent, hatte weder einen Torschuss noch eine Vorlage und kam gerade einmal auf elf Ballkontakte. Sogar die beiden Torhüter Sommer (19) und Neuer (29) hatten mehr Aktionen. Nach 90 Minuten zählten die Statistiker 24 Ballkontakte – Negativwert aller Spieler, die beim Anpfiff auf dem Platz standen.
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