Borussia Dortmund: Emre Can im Taktikcheck - Darum stimmt es aktuell im BVB-Zentrum nicht
VonLuca Baier
Update 29/10/2024 um 16:00 GMT+1 Uhr
Nach einer schwierigen letzten Woche mit schlechten Ergebnissen steht Borussia Dortmund unter Druck. Im DFB-Pokal muss jetzt gegen den VfL Wolfsburg ein Sieg her, damit wieder Ruhe einkehrt. Im Zentrum der Kritik steht vor allem BVB-Kapitän Emre Can. Eurosport.de analysiert im Taktik-Check, warum es in der Schaltzentrale der Dortmunder nicht läuft – und welchen Anteil Can daran hat.
"Nicht in einen Aktionismus verfallen": Sahin stellt sich vor Can
Quelle: Perform
Aus den vergangenen sieben Pflichtspielen holte Borussia Dortmund zwar Siege gegen den Tabellenletzten aus Bochum (4:2), völlig überforderte Glasgower (7:1) und Aufsteiger St. Pauli (2:1).
Dem gegenüber stehen jedoch vier Niederlagen: Gegen die klar schwächer besetzten Augsburger und gegen Union verlor man jeweils knapp 1:2, gegen die Topmannschaften Real Madrid (2:5) und VfB Stuttgart (1:5) ging man jeweils unter.
Den Schwarz-Gelben gelingt es aktuell einfach nicht, die Spiele so zu kontrollieren wie zu Saisonbeginn. Sowohl in Ballbesitz als auch in der Defensive drückt gerade in der Schaltzentrale der Schuh.
Mittendrin: Emre Can. Der Kapitän muss enorm viel Kritik einstecken und wurde in einigen Spielen sogar von Teilen der Fans ausgepfiffen.
BVB-Spielweise liegt Can nicht
Egal ob im 3-4-3 oder im 4-2-3-1: In Dortmunds Spielsystem agiert die Doppelsechs sehr nah an den eigenen Abwehrspielern und zeigt sich sehr flach im Spielaufbau.
Mit dieser Positionierung und vielen kleinen Pässen will man den Gegner anlocken und die Räume dahinter öffnen – hier sollen die offensiven Mittelfeldspieler um Julian Brandt, aber auch Stoßstürmer Serhou Guirassy Angebote schaffen und angespielt werden.
Can liegt diese Spielweise jedoch nicht besonders. Der BVB-Kapitän hat seine Stärken vor allem in den Situationen, in denen er großen Raum überbrücken muss. Auf Strecke gehört der Dortmunder zu den schnellsten zentralen Mittelfeldspielern der Liga und kann über Doppelpässe oder auch bei zweiten Bällen seine Dynamik ausspielen.
Can hat Probleme mit engen räumen
Das Kurzpassspiel auf engem Raum gehört hingegen nicht zu seinen Stärken. Hier fällt besonders auf, dass Can (zu) oft geschlossen steht. Geschlossen bedeutet in der Fußballsprache: mit Rücken zum gegnerischen Tor, ohne die Möglichkeit das Spiel im nächsten Moment offensiv fortzusetzen.
Wird Can angespielt, sieht man vor allem zwei Muster: Er sichert den Ball im ersten Moment mit dem Rücken zum Gegner, kann aber nur nach hinten passen, das Spiel wird langsam. Oder er schaut im letzten Moment vor der Ballannahme noch zweimal über seine Schultern, um sich zu orientieren.
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Emre Can von Borussia Dortmund
Fotocredit: Getty Images
Weil das aber zu spät erfolgt, verspringen ihm Bälle bei der Annahme und es kommt zu teilweise haarsträubenden Ballverlusten.Laut Impect-Daten nimmt kein anderer Stamm-Sechser in der Bundesliga so viele Mitspieler mit Ballverlusten im Aufbau aus dem Spiel, sprich: seine Ballverluste sind im statistischen Sinne die schlimmsten.
Can und Sahin-Fußball: Darum passt es nicht
Auch im Spiel gegen den Ball passt es nicht so richtig zwischen Can und der Spielidee von Trainer Nuri Sahin. Dortmund versucht den Gegner sehr mannorientiert zu pressen. Das liegt Can grundsätzlich gut, schließlich kann er so seine Zweikampfstärke und körperliche Robustheit einbringen.
Problematischer wird es aber, wenn die Gegenspieler in die Tiefe starten: Je nach Spielphilosophie weisen die Trainer ihre Sechser an, in solchen Situationen an die Innenverteidiger zu übergeben und die Position vor der Kette zu halten. Oder – wie im Falle von Borussia Dortmund – diese Wege mitzulaufen
Can hat damit oftmals Probleme: Mal lässt er den Gegenspieler einfach laufen, mal startet er zu spät. Zudem ist er mit seiner Physis auch einfach nicht der Typ für schnelle Drehungen und Beschlunigungen. Die Folge: Can kommt oft zu spät mit in bzw. an die eigene Box und hat keine Zeit mehr eine gute Position zum Gegenspieler und zum Ball zu finden. Dabei kommen unglückliche Klärungsaktionen wie in Augsburg zu Stande oder schlichtweg freie Abschlüsse seiner Gegenspieler wie in den Spielen zuvor.
Sahin nimmt Can in die Pflicht
Nach der lauter werdenden Kritik ließ Sahin seinen Kapitän zuletzt auch mal zu Spielbeginn auf der Bank. Trotzdem stellte er sich öffentlich klar vor seinen Kapitän und betonte, man dürfe nicht zu viel auf einzelne Spieler abladen.
Es sei zu viel "Schwarzmalerei" und sei keine sportliche Bewertung mehr. Dass Sahin nicht zufrieden ist, ließ er aber auch durchklingen. Natürlich mache die Kritik etwas mit Can. "Ich sehe ihn aber klar und in der Verantwortung."
Can muss liefern! Passt er seine Position besser an und orientiert sich besser, werden ihm nicht mehr so schwerwiegende Ballverluste unterlaufen – mit Pascal Groß hat er da einen perfekten Gegenpart als Anschauungsmaterial im eigenen Team.
Defensiv muss Can schlichtweg wacher sein und ganz klar Verantwortung für seinen Gegenspieler übernehmen. Bringt er diese Komponenten ein, überwiegen seine Stärken im Zweikampf, in wilden Spielphasen und auch bei Standardsituationen klar und er kann der Anführer sein, den der BVB braucht - auch im Pokalspiel gegen Wolfsburg heute (20:45 Uhr im Liveticker).
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Sahin verteidigt BVB-Kaderplanung trotz Verletzungssorgen
Quelle: Perform
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